Marktbericht: Silber im Rampenlicht

Gold- und Silberpreise in USD

Die Gold- und Silberpreise haben sich in dieser Woche stabilisiert: Gold lag im frühen europäischen Handel heute Morgen (Freitag) bei 1.275 $ und damit 3 $ über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Gold blieb hinter den anderen Edelmetallen zurück, was besonders bei Silber auffiel, das am Mittwoch um 42 Cent (2,5 %) sprang. Silber stieg im Wochenverlauf netto um 24 Cent auf 17,09 $.

Die Preise waren am Montag und Dienstag schwach, erholten sich am Mittwoch und gaben heute Morgen um 08:00 Uhr GMT leicht nach. Es mag nur ein Zufall sein, doch die Preise schwächen sich häufig vor und an Dienstagen ab, an denen die Daten für den Commitment-of-Traders-Bericht erhoben werden. Dies scheint mit den Versuchen der Edelmetallbanken zusammenzuhängen, ihre Positionen für die interne Berichterstattung zu beschönigen.

Vor diesem Hintergrund dürfte ein ernsthafter Käufer diesen Preiseffekt abwarten, bevor er kauft. Genau das schien im Fall von Silber zu geschehen, was den Markt am Mittwoch auf dem falschen Fuß erwischte. Unedle Metalle waren in dieser Woche stark, was auch Silber beeinflusst haben dürfte, Gold hingegen weniger. Besonders stark war Nickel, und es setzt sich zunehmend die Ansicht durch, dass der Rohstoffzyklus gedreht hat und wir daher mittelfristig höhere Preise sehen werden.

Das wöchentliche Handelsmuster mit schwachen Montagen und Dienstagen, gefolgt von besseren Mittwochen und Donnerstagen, war in dieser Woche zu erkennen, doch es gibt andere Faktoren, die diesen Effekt überlagern. Gold ist die Kehrseite des Dollars, und einige Händler sprachen davon, dass der Dollar eine Kopf-Schulter-Umkehr abgeschlossen habe, was für den Dollar positiv und für Gold negativ ist. Ein Blick auf die Handelsvolumina bestätigt dies jedoch nicht: Bei der ersten Schulter müsste das Volumen hoch sein, beim Kopf ähnlich hoch und bei der zweiten Schulter deutlich geringer. Es schien sich umgekehrt zu verhalten, was die Analyse hinfällig macht.

Unsere Aufmerksamkeit sollte dem Silber gelten. Das nächste Diagramm, das das Comex-Open-Interest und den Silberpreis zeigt, ist bemerkenswert.

Comex-Silberpreise

Das Open Interest ist gestiegen, während der Preis seit Mitte Oktober leicht nachgibt. Das ist ungewöhnlich, denn ein fallender Preis spiegelt normalerweise die Auflösung von Long-Positionen der Spekulanten wider, was zu einem sinkenden Open Interest führt. Dieses Diagramm zeigt uns, dass die niedrigeren Preise den Netto-Aufbau von Long-Positionen gefördert haben.

Eine Untersuchung der zugrunde liegenden Daten in den COT-Berichten zeigt, dass seit dem Preistief im Juli die mit Abstand größte Veränderung bei den Short-Positionen der Hedgefonds zu beobachten ist. Sie wurden in gewissem Maße von anderen Hedgefonds, die Long-Positionen eingingen, unter Druck gesetzt. Oberflächlich betrachtet war nur schwer nachzuvollziehen, warum das Open Interest so hoch geblieben ist; es stellt sich heraus, dass dies zu einem großen Teil der Grund dafür ist.

In dieser Woche hat die Bank of England ihren Leitzins um 0,25 % auf 0,5 % angehoben, die erste Erhöhung seit über einem Jahrzehnt. Die Inflation liegt 50 % über dem Zielwert, und die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit langer Zeit nicht mehr. Dennoch stimmten zwei Mitglieder des Geldpolitischen Ausschusses für keine Änderung. So sieht der Wahnsinn des Gruppendenkens der Zentralbanken aus.


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