
Gold und Silber schienen in dieser Woche der Schwerkraft zu trotzen und stiegen kräftig. Gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag legte Gold um 89 $ zu und notierte heute Morgen im europäischen Handel bei 1.895 $, während Silber um 3,27 $ auf 22,57 $ stieg, nachdem es zwischenzeitlich einen Höchststand von 23,20 $ erreicht hatte. Zur Einordnung: Seit Jahresbeginn liegt Gold 24 % und Silber 27 % im Plus.
Die starke Neubewertung von Silber ist die herausragende Entwicklung. Unsere nächste Grafik zeigt das Gold-Silber-Verhältnis, das die beispiellose relative Bewegung zwischen beiden Metallen verdeutlicht.

Sie erinnert uns daran, dass der Anstieg auf 125 eine Preisverzerrung war, ein Ausverkauf bei Silber und ein bedeutender Wendepunkt. Selbst danach erscheint Silber bei dem aktuellen Verhältnis von 84 noch relativ günstig bewertet, denn als Gold zuletzt bei 1.900 $ stand, lag das Gold-Silber-Verhältnis bei 32. Hätte diese Beziehung Bestand gehabt, läge Silber bei 59 $.
Der zugrunde liegende Treiber für Gold und Silber ist die sich beschleunigende Inflation des Papiergelds, nicht nur beim Dollar, sondern bei allen bedeutenden Währungen. Und angesichts des unbegründeten Optimismus, die Welt werde eine V-förmige Erholung erleben, hat die Abhängigkeit vom Gelddrucken gerade erst begonnen.
Alle Märkte befinden sich im Chaos. Man muss Aktien nur fundamental betrachten, um zu sehen, wie unrealistisch sie im Verhältnis zur realen Welt der Insolvenzen, der mit Rekordtempo steigenden Arbeitslosigkeit und der Belastungen des Bankensystems sind. Dies gilt nicht nur auf makroökonomischer Ebene. Fresnillo, der große, konservativ geführte Silberproduzent, verzeichnete am Dienstag einen Kursrückgang von 4,5 %, während Silber bei einem bullishen Ausbruch um 7 % stieg.
Hinter alldem steht die Tatsache, dass der Dollar seinen Bullenmarkt am 23. März beendet hat und seither deutlich gefallen ist. Die nachstehende Grafik des handelsgewichteten Dollar-Index zeigt, dass er aus einer sich erweiternden Topformation nach unten ausgebrochen ist und das Tagestief vom 9. März unterschreitet. Dies ist unsere nächste Grafik.

Die Schwankung im März zwischen 94,7 am 9. März und 103 am 23. März lieferte uns zwei falsche Ausbrüche – ein Beleg dafür, wie verunsichert der größte Markt der Welt zu jener Zeit war. Nun sieht sich der Dollar einer fatalen Kombination aus Gelddrucken und der Aussicht auf einen sozialisierenden Demokraten im Weißen Haus im kommenden Jahr gegenüber.
Für Gold und Silber sind diese Bedingungen ein klassischer Bullenmarkt, der eine „Mauer der Sorgen“ erklimmt. Immer mehr Anleger beginnen, die Logik hinter den steigenden Gold- und Silberpreisen zu verstehen. Nach ihren Kennzahlen sind beide Metalle jedoch massiv überkauft – und zwar in einem beispiellosen Ausmaß. Wären dies gewöhnliche Anlagen, müsste es eine Korrektur geben, die Händlern einen besseren Einstiegszeitpunkt böte.
Wir können die Zukunft nicht sicher kennen, doch bei völlig zerrütteten Märkten ist die Vergangenheit ein schlechter Ratgeber. Die Annahme hinter der technischen Analyse lautet, dass Veränderung linear verläuft. Sie berücksichtigt nicht den Fall, dass der Maßstab selbst, der Dollar oder jede andere Papierwährung, nicht mehr der objektive Wert einer Transaktion ist, eine Rolle, die zunehmend Gold und Silber zufällt. Unsere letzte Grafik stellt Gold als objektiven Wert und vier wichtige Währungen als subjektiven Wert dar. Die Frage lautet nun: Würden Sie Ihr solides Geld gegen USD, EUR, GBP oder JPY verkaufen?
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