
Gold und Silber zeigten sich im Wochenverlauf kaum verändert: Gold notierte heute Morgen in Europa bei 1.932 US-Dollar, 8 US-Dollar über dem Stand vom letzten Freitag, Silber bei 24,66 US-Dollar, 5 Cent höher. In der ersten Woche des neuen Quartals war der Comex-Umsatz bei Gold gering, bei Silber zog er im Verlauf der Woche jedoch an. Die Kursentwicklung spiegelt sich in unserer Hauptgrafik wider: Die Bewegungen flachen ab, und beide Metalle liegen seit Jahresbeginn mit 5,5 % im Plus.
Auch das Open Interest für Gold an der Comex ist zurückgegangen, wie unsere nächste Grafik zeigt.

Das ist für die Bullionbanken von Bedeutung, denn es deutet darauf hin, dass sich ihre Short-Positionen etwas verringert haben. Zweifellos hätten sie das Open Interest aber gern noch niedriger. Die Swaps (hauptsächlich die Handelsabteilungen der Bullionbanken) sind jedoch weiterhin netto mit 45 Mrd. US-Dollar in Comex-Goldkontrakten short. Dies ist die nächste Grafik.

Obwohl die Short-Positionen der Swaps zurückgegangen sind, bleibt die Position im historischen Vergleich hartnäckig hoch. Kurz gesagt: Die Bullionbanken sind weiterhin stark gegenüber weiteren Anstiegen des Goldpreises exponiert.
Das gilt allerdings nur dann nicht, wenn die Comex-Shorts schlicht Long-Positionen am Londoner Terminmarkt absichern. Das mag in Einzelfällen zutreffen, doch im Allgemeinen sind die LBMA-Mitgliedsbanken auch gegenüber den nicht zugeteilten Konten ihrer Kunden short. Die Liquidität in London ist jedoch begrenzt, und der Ausschluss russischer Raffinerien aus der LBMA-Mitgliedschaft hilft nicht, wie in einem Online-Webinar der LBMA in dieser Woche betont wurde.
Im Jahr 2021 stammten 28 % der gesamten Goldeinfuhren des Vereinigten Königreichs aus russischen Quellen, 2020 waren es 20 % und 2019 nur 7,5 %. London war nicht nur zunehmend von russischen Goldimporten für die Marktliquidität abhängig, diese sind nun auch plötzlich versiegt. Das wird zwangsläufig Folgen für die Liquidität des globalen Papiermarkts haben, und wenn sich weitere Entwicklungen gegen die Shorts wenden, droht ein erheblicher Short Squeeze.
Die Shorts müssen Russland mit Sorge betrachten. Die russische Zentralbank ist bereit, Gold von ihren heimischen Banken zu 5.000 Rubel pro Gramm zu kaufen, was sich je nach Rubelkurs in einen entsprechenden Dollarpreis umrechnet. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich das darstellt.

Zum Zeitpunkt der Erstellung steht der Rubel-Dollar-Kurs bei 79,2. Demnach zahlt die russische Zentralbank den russischen Banken umgerechnet 1.964 US-Dollar, ein Aufschlag von 32 US-Dollar gegenüber dem Preis in Europa heute Morgen.
Entscheidend ist der Wechselkurs. Wenn der Rubel stärker wird, werden russische Banken zweifellos Wege finden, Gold an anderen Märkten zu kaufen, etwa über chinesische Banken oder direkt aus Dubai, die Lieferung entgegenzunehmen und an die russische Zentralbank zu verkaufen. Daher dürfte sich die Situation, in der Russland im vergangenen Jahr 28 % der Bruttoeinfuhren nach London lieferte, umkehren, und Russland wird zum Nettoimporteur von Gold.
Beim aktuellen Wechselkurs ist dies ein marginales Argument, das die seitwärts gerichtete Preisentwicklung des Goldes in einer engen Spanne wahrscheinlich rechtfertigt. Wenn wir jedoch vernünftigerweise annehmen, dass Ölpreisanstiege ausgehend vom aktuellen Niveau den Rubel stärken werden, dann wird der Goldpreis mitziehen.
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