
In der letzten Handelswoche des Jahres 2016, die auf nur vier Tage verkürzt war und in der einige Märkte einen weiteren Tag geschlossen blieben, legten Gold und Silber bei ruhigem Handel zu.
Gold gewann 26 $ und eröffnete im frühen Handel in Europa bei 1.159 $, Silber legte um 43 Cent auf 16,19 $ zu. Über das Jahr gesehen liegt Gold 9,6 % und Silber 17 % im Plus.
Die nächste Grafik zeigt die Wertentwicklung von Gold in den vier wichtigsten Währungen USD, EUR, JPY und GBP für 2016.

Die schwächste Währung war das Pfund Sterling: Der Goldpreis stieg nach dem Brexit und der Erschütterung Anfang November um 47 % und schloss das Jahr mit einem Plus von 31 %. Als Nächstes folgte der Euro, bei dem der Goldpreis nach einem Höchststand von 27 % im Plus mit 12 % im Plus schloss. Am stärksten war der Yen, gegenüber dem der Goldpreis nur um 6 % stieg.
Das Jahr 2016 brachte zwei große politische Überraschungen: den Brexit und die Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten. Der erste Schock trieb die Goldpreise nach oben, der zweite drückte sie nach unten. Nach dem Brexit verlor das Pfund Sterling stark an Wert, während der Euro sich kaum bewegte. Nach Trumps Sieg stieg der Dollar nach einem holprigen Start kräftig.
Der Ausblick für den Dollar gegenüber dem Pfund Sterling und dem Euro ist aufgrund der unterschiedlichen Geldpolitik positiv. Die Fed hat den Leitzins (Fed Funds Rate) im Dezember um einen viertel Prozentpunkt angehoben und plant für 2017 vier weitere Erhöhungen. Dadurch stiegen die Zinsen entlang der gesamten Zinskurve, was Anleihegläubigern erhebliche Verluste zufügte. Die Bank of England hingegen senkte kürzlich ihren Leitzins auf 0,25 %, und die EZB beließ ihren Einlagensatz bei -0,4 %. Solange diese Unterschiede bestehen, dürfte der Dollar allein aufgrund der Geldpolitik gegenüber dem Pfund Sterling und dem Euro stark bleiben.
Bei den Handelsbedingungen hingegen weisen die USA gegenüber der EU ein jährliches Defizit von 140 Mrd. $ auf und erzielen gegenüber dem Vereinigten Königreich einen Überschuss von rund 2 Mrd. $. Ohne Kapitalflüsse müsste der Dollar gegenüber dem Euro schwächer werden und sich gegenüber dem Pfund Sterling kaum verändern.
Zwar sind die Kapitalflüsse deutlich größer als das Handelsdefizit der USA gegenüber der EU, doch wenn sich die Kapitalzuflüsse in den Dollar verlangsamen, besteht durchaus Potenzial für einen schwächeren Dollar. Zudem ist der Dollar nach jedem Maßstab extrem überkauft, was darauf hindeutet, dass das Ende der Kapitalflüsse in Sicht sein könnte.
Dies ist für Gold und in geringerem Maße für Silber von Bedeutung, weil Hedgefonds-Manager Terminkontrakte auf Edelmetalle verkaufen, um den Dollar long zu gehen, und genau das hat Gold und Silber im vierten Quartal 2016 nach unten getrieben. Die Kommentatoren sind in ihren Erwartungen zum Goldpreis inzwischen einhellig pessimistisch. Im Kern sind es Trendfolger, die ihre negative Stimmung als Analyse ausgeben. Einige sogenannte Spezialisten der Zyklustheorie reden den Goldpreis auf unter 900 $ herunter. Doch niemand kennt die Preise von morgen, und es ist bemerkenswert, dass Anbieter von Handelsdienstleistungen ihr Geld mit dem Verkauf dieser Dienstleistungen verdienen und weniger mit dem Handel selbst. Wäre es anders, warum sollten sie dann nicht einfach mit dem Handel Geld verdienen?
Wir können uns allerlei Szenarien ausdenken, die das Gold fallen lassen könnten. Vielleicht verkaufen die Italiener ihr Gold, um ihre Banken zu retten. Vielleicht bekehrt sich die Fed zu solidem Geld und treibt hoch verschuldete Unternehmen in den Ruin. Wir wissen nur, dass der Dollar stark überkauft ist, was darauf hindeutet, dass die Blase im Dollar steckt; irgendwann wird er sehr stark fallen, und das Gold wird steigen.
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