Marktbericht: Pause unter den Höchstständen

Gold vs. Silber in USD, August 2017

Nach dem Kursanstieg am vergangenen Freitag, mit dem die Marke von 1.300 US-Dollar getestet wurde, hat Gold seinen sechswöchigen Anstieg seit Montag in einer engen Spanne zwischen 1.280 und 1.290 US-Dollar konsolidiert. Im frühen europäischen Handel am heutigen Morgen (Freitag) notierte Gold bei 1.286,50 US-Dollar. Auch bei Silber war die Woche von Konsolidierung geprägt: Der Kurs bewegte sich um wenige Cent beiderseits von 17 US-Dollar und lag heute Morgen bei 16,98 US-Dollar.

Papiergold an der Comex ist überkauft, jedoch nicht gravierend. Die Gefahr besteht darin, dass Gold bei einem Anstieg über die Marke von 1.300 US-Dollar stark überkauft wäre und für einen weiteren unerfreulichen Ausverkauf anfällig würde. Die Zahlen zum Open Interest deuten teilweise darauf hin, dass die Swap-Händler ihre Long-Positionen schließen, anstatt neue Short-Positionen zu eröffnen, um den Spekulanten entgegenzukommen. Dennoch liegt das Open Interest nun auf dem höchsten Stand seit Beginn dieser Hausse. Dies zeigt die nächste Grafik.

COMEX-Gold 2017

Es liegt noch deutlich unter dem Rekordhoch von 657.776 Kontrakten, das am 11. Juli 2016 erreicht wurde, als Gold bei 1.370 US-Dollar seinen Höchststand erreichte. Auf der Skala von überkauft bis überverkauft zeigt die Ampel somit Gelb.

Die unmittelbare Sorge bei Silber gilt dem Verfall des September-Kontrakts, dessen letzter Handelstag kommenden Freitag ist. Der Abbau verlief bislang in zufriedenstellendem Tempo. Da aber schätzungsweise noch 50.562 Kontrakte verkauft, auf Dezember übertragen oder zur Lieferung gestellt werden müssen, werden die Bullion-Banken jeden Vorwand nutzen, um durch Kursdrückerei die verbleibenden Stopps auszulösen.

Die andere Seite der Medaille ist die Währung. Die nächste Grafik zeigt den Goldpreis in den vier wichtigsten Währungen.

Goldpreis in den wichtigsten Währungen

Die Schwäche des Dollars gegenüber den anderen Währungen, insbesondere gegenüber dem Euro, ist offensichtlich. Auf Basis der Kreuzkurse hat der Dollar in diesem Jahr 12 % gegenüber dem Euro verloren. Ist da noch mehr zu erwarten?

Im EUR/USD-Terminkontrakt sind die gehebelten Fonds nur geringfügig netto long im Euro, während die Vermögensverwalter im Verhältnis zwei zu eins für den Euro optimistisch sind. Diese Tendenz gegen den Dollar ist nicht extrem, sodass wir schließen können, dass die Marktpositionierung gegen den Dollar mäßig bärisch ist.

Dies bestätigt eher eine kurzfristig vorsichtige Haltung gegenüber Edelmetallen. Heute beginnt das jährliche Jackson-Hole-Symposium, bei dem sowohl Janet Yellen als auch Mario Draghi Grundsatzreden halten. Kommentatoren und Analysten werden diese auf Hinweise zur Zinspolitik und zur Rücknahme der Sondermaßnahmen zur Konjunkturstützung in ihren jeweiligen Volkswirtschaften genau untersuchen.

Frau Yellen hat ihre Position bereits dargelegt: steigende Zinsen und ein schrittweiser Abbau der Fed-Bilanz durch die Verringerung ihres Anleiheportfolios. Wird sie diese Erwartungen noch feinjustieren? Draghi fährt die Stimulierung der EZB lediglich schrittweise zurück und hat steigende Zinsen noch nicht signalisiert.

Vermutlich hat die EZB die Wende in der wirtschaftlichen Entwicklung der Eurozone unterschätzt, sodass die Geldpolitik der Notenbank deutlich hinter der Entwicklung zurückbleibt. Draghi sollte alle Anleihekäufe (QE) beenden und Zinserhöhungen in Betracht ziehen. Die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar bestätigt diese Einschätzung. Stattdessen wird er einen Kurswechsel wahrscheinlich unter Verweis auf die Inflationsziele abschwächen. Preisinflation sollte jedoch vorausgesehen und nicht im Nachhinein bekämpft werden.

Frau Yellen hat zudem das Problem einer desolaten Haushaltslage, da die Trump-Regierung versucht, die Schuldenobergrenze anzuheben. Die Verhandlungen beginnen Anfang nächsten Monats und werden die Schlagzeilen zunehmend bestimmen.

Die kommende Woche könnte für Gold und Silber, vorsichtig ausgedrückt, sehr interessant werden.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors bzw. der Autoren und geben nicht die Ansichten von Goldmoney wieder, sofern dies nicht ausdrücklich angegeben ist. Der Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt weder seitens Goldmoney noch seitens des Autors bzw. der Autoren eine Rechts-, Finanz-, Steuer-, Anlage- oder Buchhaltungsberatung dar. Sie sollten sich nicht auf Informationen in diesem Artikel stützen oder auf deren Grundlage handeln, ohne zuvor unabhängigen fachlichen Rat einzuholen. Es wurde Sorgfalt darauf verwendet, dass die Informationen in diesem Artikel verlässlich sind; Goldmoney übernimmt jedoch keine Gewähr dafür, dass sie richtig, vollständig und aktuell sind und/oder als Hinweis auf zukünftige Ergebnisse verstanden werden können, und sie sollten nicht als solcher herangezogen werden. Goldmoney haftet nicht für Ansprüche, Verluste, Schäden oder Unannehmlichkeiten, die sich aus Informationen oder Meinungen in diesem Artikel ergeben. Jede Handlung auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Meinungen und Informationen erfolgt auf Ihr eigenes Risiko.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zurück zu den Goldmoney Analysen