
Gold und Silber gaben im Wochenverlauf nach. Allgemein geht man davon aus, dass die Kursverluste darauf zurückzuführen sind, dass die Preise vor dem Optionsverfall an der Comex gezielt beeinflusst wurden.
Gold verlor 16 US-Dollar auf 1.325 US-Dollar, Silber 58 Cent auf 19,11 US-Dollar im frühen europäischen Handel heute Morgen (Freitag). Würde so etwas an einem regulierten Markt in London geschehen, würden die Aufsichtsbehörden die mutmaßlichen Manipulatoren gründlich unter die Lupe nehmen. Aber das ist eben Amerika.
Lassen wir das hinter uns und richten wir den Blick auf die sich rasch entwickelnde Bankenkrise in Deutschland und deren Auswirkungen auf den US-Dollar. Es sind getrennte Themen, die aber eng miteinander verflochten sind.
In dieser Woche wurde ein Zusammenbruch der Deutschen Bank in den allgemeinen Medien offen diskutiert, und es gibt Anzeichen dafür, dass institutionelle Einleger an den Geldmärkten für Großkunden begonnen haben, ihr Engagement zu verringern. Die Folge: Die Aktien der DB fielen gestern Abend an der Wall Street um 7 % auf ein neues Tief und setzten ihre Schwäche über Nacht (Donnerstag/Freitag) bis zur Eröffnung in Frankfurt bei hohen Umsätzen fort.
Ein Ansturm auf die Bank an den Großkundenmärkten kann in der Regel aus der eigenen Liquidität der DB bewältigt werden. Weniger leicht zu bewältigen ist ein Ansturm von Privatkunden auf die Bank, und dieser wird mit ziemlicher Sicherheit ausgelöst, wenn der Aktienkurs weiter fällt. Darüber hinaus hat die Commerzbank, die zweitgrößte deutsche Bank, gestern einen massiven Stellenabbau angekündigt und setzt die Dividendenzahlungen aus. Insgesamt herrscht im deutschen Bankensystem, das aufgrund der Probleme von Banken anderswo reich an Einlagen aus der gesamten Eurozone ist, ein Gefühl der Krise. Und genau darin liegt der Punkt: Diese Einlagen sind potenziell flüchtiger, als die meisten Kommentatoren annehmen.
Die deutsche Regierung wird mit ziemlicher Sicherheit gezwungen sein, zu Hilfe zu kommen, was den Weg für die Italiener öffnen wird, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen und so die Bankenkrise kurzfristig zu entschärfen. Dass eine staatliche Rettung des Bankensystems misslingt, ist eine ernstzunehmende Möglichkeit und trägt zur allgemeinen Unsicherheit bei.
Unterdessen zeigt an den Geldmärkten die Swap-Basis zwischen Euro und Dollar eine akute relative Knappheit an 3-Monats-Dollar, die sich bislang nicht in den Kassakursen der Währungen widerspiegelt. Die Folgen für den Euro dürften jedoch mit Sicherheit negativ sein, und er wird voraussichtlich unter die charttechnische Unterstützung bei 1,10 (aktuell 1,12) fallen.
Vor diesem Hintergrund könnte der Dollar an Stärke gewinnen, wenn sich die Bankenkrise in Europa verschärft, denn der Euro ist mit Abstand die größte Komponente des handelsgewichteten Dollar-Index. Und wenn sich diese Stärke auf andere Dollar-Kurse überträgt, könnten wir erleben, dass der Yen von seinem aktuellen Niveau von 100,9 aus steigt und das Pfund unter die Marke von 1,30 fällt. Kommen die wachsenden Sorgen über einen Vertrauensverlust der Verbraucher in der Eurozone und anderswo hinzu, könnte die Dollarstärke vorübergehend zu niedrigeren Preisen für Basismetalle und Energie führen.
Diese Entwicklungen sind kurzfristig weder eindeutig positiv noch eindeutig negativ für Gold. Ein starker Dollar ist für die Preise von Edelmetallen ein zweischneidiges Schwert: Er könnte die von der Fed beabsichtigte Zinsanhebung im Dezember verschieben, übt aber zugleich etwas Abwärtsdruck auf den Goldpreis aus.
In einer Bankenkrise besteht die erste Reaktion in der Regel darin, die Einlagen in Sicherheit zu bringen, und nicht in einem Ansturm auf physisches Gold – dieser könnte später folgen. Sollte der Dollar jedoch in den kommenden Wochen auf seinem handelsgewichteten Index um bis zu fünf Prozent steigen, könnte die Marke von 1.300 US-Dollar leicht nach unten durchbrochen werden, während die Preise in Euro, Pfund und sogar japanischen Yen um zwei bis drei Prozent steigen könnten.
Zum Abschluss zeige ich Ihnen zur Einordnung eine Grafik mit der Goldpreisentwicklung in diesen Währungen seit Jahresbeginn.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors bzw. der Autoren und geben nicht die Ansichten von Goldmoney wieder, sofern dies nicht ausdrücklich angegeben ist. Der Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt weder seitens Goldmoney noch seitens des Autors bzw. der Autoren eine Rechts-, Finanz-, Steuer-, Anlage- oder Buchhaltungsberatung dar. Sie sollten sich nicht auf Informationen in diesem Artikel stützen oder auf deren Grundlage handeln, ohne zuvor unabhängigen fachlichen Rat einzuholen. Es wurde Sorgfalt darauf verwendet, dass die Informationen in diesem Artikel verlässlich sind; Goldmoney übernimmt jedoch keine Gewähr dafür, dass sie richtig, vollständig und aktuell sind und/oder als Hinweis auf zukünftige Ergebnisse verstanden werden können, und sie sollten nicht als solcher herangezogen werden. Goldmoney haftet nicht für Ansprüche, Verluste, Schäden oder Unannehmlichkeiten, die sich aus Informationen oder Meinungen in diesem Artikel ergeben. Jede Handlung auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Meinungen und Informationen erfolgt auf Ihr eigenes Risiko.