Marktbericht: Optionsverfall ist vorüber … als Nächstes das 2. Quartal

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Nach den starken Kursverlusten der Vorwoche tendierten Gold und Silber in dieser Woche seitwärts bis leicht aufwärts, in engen Handelsspannen und bei geringen Umsätzen. Im europäischen Vormittagshandel heute hatte sich Gold gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag um 20 US-Dollar auf 1.783 US-Dollar erholt, Silber um 43 Cent auf 26,21 US-Dollar.

Gestern war an der Comex der Verfallstag für Optionen: Von den Call-Optionen auf Gold für Juli wurden nur 3.917 ausgeübt und 82.954 verfielen. Bei den Put-Optionen verfielen 33.145, und 24.285 wurden ausgeübt. Zwar unterscheiden sich Gewinne und Verluste bei einzelnen Kontrakten erheblich, doch zeigen diese Zahlen, in welchem Umfang die Optionsverkäufer, überwiegend Edelmetallbanken, Nettogewinne erzielt haben. Sie erklären auch, welche Gewinne das Establishment erzielen kann, wenn es die Preise auf ein Niveau drückt, das die Nettoerträge aus verfallenen Calls und ausgeübten Puts maximiert.

Zweifellos war dies ein wesentlicher Faktor für den plötzlichen Rückgang des Goldpreises vom Niveau von 1.900 US-Dollar am 11. Juni, vor dem gestrigen Verfallstermin. Nachdem der Ausübungstermin nun verstrichen ist, liegt der Gedanke nahe, der Verkaufsdruck sei entfallen. Es gibt jedoch noch den Bilanzstichtag Ende Juni, an dem die Handelsergebnisse des ersten Halbjahres festgestellt und das Handelsbuch zu Marktpreisen bewertet wird. Zudem wissen wir, dass die Swap-Händler an der Comex, die alle von dieser Ausübung betroffen sind, zu aktuellen Preisen netto rund 30 Mrd. US-Dollar in Gold-Futures-Kontrakten short sind. Dies zeigt unsere nächste Grafik.

Illustration accompanying Marktbericht: Optionsverfall ist vorüber … als Nächstes das 2. QuartalVorbehaltlich etwaiger Gegengeschäfte am Londoner Terminmarkt würden die Handelsgewinne der Edelmetallbanken im ersten Halbjahr bei einem niedrigeren Goldpreis maximiert. Wir sollten daher damit rechnen, dass der Abwärtsdruck auf den Goldpreis bis kommenden Mittwoch anhält, danach verlieren diese Faktoren an Bedeutung.

Nach jedem Maßstab werden die Edelmetalle damit überverkauft in das zweite Halbjahr starten und haben das Potenzial für eine kräftige Erholung. Hinzu kommt, dass europäische und amerikanische Banken beginnen werden, Basel 3 einzuhalten, was offene Derivatepositionen, einschließlich Gold- und Silberkontrakten, unter Refinanzierungsgesichtspunkten benachteiligt. Es ist zu erwarten, dass die Treasury-Abteilungen der Banken die Edelmetallhändler dazu anhalten, offene Positionen so weit wie möglich zu reduzieren, was voraussichtlich die Liquidität an den Papiermärkten verringern wird.

Die Lage in London erscheint weniger dringlich, da die neuen Basel-Vorschriften erst ab Januar nächsten Jahres für alle im Vereinigten Königreich tätigen Banken gelten. Europäische und US-amerikanische Banken, die in London tätig sind, werden Basel 3 jedoch ohnehin ab dem 1. Juli einhalten. Jedenfalls gibt es kaum Anzeichen dafür, dass London bei Gold und Silber netto long ist, zumal die physische Liquidität weiterhin recht knapp ist. Daher dürften die offenen Positionen an der Comex die Preise bestimmen.

Das offene Interesse (Open Interest) an der Comex ist gegenüber den Rekordständen von knapp 800.000 Kontrakten zu Beginn des Jahres 2020 deutlich zurückgegangen, wie unsere letzte Grafik zeigt.

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Mit vorläufig 452.432 Kontrakten gestern ist es so niedrig wie seit Anfang 2020 nicht mehr. Und der Anstieg des handelsgewichteten Dollarindex in dieser Woche dürfte alle inaktiven Bullen unter den Managed-Money-Anlegern abgeschüttelt haben.
 






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