
Der Versuch, alle schwachen Halter von Papiergold abzuschütteln, setzte sich diese Woche bis in die ersten Dezembertage fort. Gold notierte heute im europäischen Vormittagshandel bei 1.770 US-Dollar, 22 US-Dollar unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Silber verlor im selben Zeitraum 78 Cent auf 22,34 US-Dollar.
Die Mitgliedsbanken der LBMA sehen sich ab Ende dieses Monats den neuen Basel-3-Regeln zur strukturellen Liquiditätsquote (Net Stable Funding Ratio) gegenüber, die in den meisten anderen Rechtsordnungen jedoch bereits gelten. In der Praxis bedeutet dies, dass beispielsweise die Europäische Bankenaufsichtsbehörde bereits jetzt erwartet, dass Londoner Niederlassungen und Tochtergesellschaften europäischer Banken die Regeln einhalten. Die Einhaltung betrifft alle Bankgeschäfte, nicht nur Derivate wie Papiergold.
Ob eine Bank Positionen in Forwards und Futures unterhält, liegt in ihrem eigenen Ermessen, doch müssen diese gemäß den neuen NSFR-Regeln finanziert werden. Es sollte nicht überraschen, wenn LBMA-Mitglieder ihren Einlegern mitteilen, dass die Bindung an den Goldpreis aufgehoben wird, denn um sie aufrechtzuerhalten, muss eine Edelmetallbank physisches Gold halten, das nicht zugeteilten Konten zugeordnet ist. Diese Ausstiegsklausel dürfte in den Vertragsverhältnissen zwischen den Edelmetallbanken und ihren Einlegern bereits enthalten sein.
Regulierte Futures an der Comex sind eine andere Sache. Der Kontrakt besteht zwischen der Comex und den Handelsteilnehmern, die die Comex-Regeln einhalten müssen. Wenn also die Kategorie „Managed Money“ plötzlich optimistisch wird und das Open Interest auf bedenkliche Niveaus treibt, bleibt den Edelmetallbanken nur die Möglichkeit einer Baisse-Attacke. Genau das geschieht derzeit, und die Auswirkung auf das Open Interest zeigt die nächste Grafik.

Die Grafik beginnt zu dem Zeitpunkt, als die US-Notenbank ihren Leitzins auf die Nullgrenze senkte. Man erkennt, dass das Open Interest nun zum zweiten Mal nach einem starken Anstieg von der Marke über 600.000 wieder nach unten gedrückt wurde – nur ist der vorübergehende Optimismus der Hedgefonds diesmal nachhaltiger unterdrückt worden. Die Grafik deutet zudem darauf hin, dass die Baisse-Attacke noch weitergehen könnte und das Open Interest unter 500.000 Kontrakte fallen würde.
Es steht ein Versuch des Establishments auf dem Spiel, einen schädlichen Anstieg sowohl des Goldpreises als auch des Open Interest zu verhindern, bevor er außer Kontrolle gerät. Bei der Analyse der Möglichkeiten ist es jedoch schwierig, die kollektive Gemütslage in den Edelmetallbanken einzuschätzen. Swap-Händler wenden schlicht ihre bewährten Pump-and-Dump-Techniken an und sind erfolgreich, weil sie nicht über theoretische Fragen grübeln. Die mittleren Führungskräfte über ihnen lassen sich wahrscheinlich von hauseigenen Ökonomen beraten, die als überwiegend Keynesianer die Inflationsgefahren und die Folgen für „Pet Rocks“ ebenfalls nicht ohne Weiteres erkennen. Es sind die Köpfe der Führungsspitze, hoffentlich mit etwas Weisheit ausgestattet, die die künftige Strategie im Hinblick auf Derivate im Allgemeinen und damit auch auf Gold- und Silber-Futures und -Forwards bestimmen werden.
Es läuft auf strategische Entscheidungen hinaus, die sich in der Regel erst entwickeln. Es sei denn, Ereignisse wie eine Preisinflation, die destabilisierende Zinserhöhungen nach sich zieht, oder wachsende systemische Risiken verkürzen diese Überlegungen.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors bzw. der Autoren und geben nicht die Ansichten von Goldmoney wieder, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Der Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt weder durch Goldmoney noch durch den Autor bzw. die Autoren eine Rechts-, Finanz-, Steuer-, Anlage- oder Buchhaltungsberatung dar. Sie sollten sich nicht auf die in diesem Artikel enthaltenen Informationen stützen oder danach handeln, ohne zuvor unabhängigen fachlichen Rat einzuholen. Es wurde Sorgfalt darauf verwendet, sicherzustellen, dass die Informationen in diesem Artikel zuverlässig sind; Goldmoney übernimmt jedoch keine Gewähr dafür, dass sie richtig, vollständig und aktuell sind und/oder als Hinweis auf zukünftige Ergebnisse verstanden werden können, und man sollte sich nicht darauf verlassen. Goldmoney haftet nicht für Ansprüche, Verluste, Schäden oder Unannehmlichkeiten, die infolge der in diesem Artikel enthaltenen Informationen oder Meinungen entstehen, und jede aufgrund der in diesem Artikel enthaltenen Meinungen und Informationen ergriffene Maßnahme erfolgt auf eigene Gefahr.