Gold und Silber konsolidierten diese Woche ihre jüngsten Kurserholungen, wobei Silber sich tendenziell besser behauptete als Gold.
Die zugrunde liegende Lage am Markt für physische Edelmetalle bleibt jedoch sehr angespannt. Die Financial Times berichtete, dass die Kosten für die Leihe von physischem Gold in den vergangenen Wochen stark gestiegen seien, was die Nachfrage der großen Schweizer Raffinerien widerspiegele. Aus unseren eigenen Kontakten wissen wir, dass die Schweizer Raffinerien seit drei Jahren vollständig damit ausgelastet sind, 400-Unzen-Barren der LBMA zu Ein-Kilo-Barren nach dem chinesischen Standard von 0,9999 umzuschmelzen. Der Abfluss aus den in westlichen Tresoren gelagerten Beständen müsste daher mit der Zeit zu einer akuten Knappheit führen.
Sollte der Bericht der FT über das geliehene Gold zutreffen, birgt dies für die Zukunft weiteren Ärger, denn geliehenes Gold muss zurückgegeben werden. Vermutlich bezieht sich die FT auf verleastes Gold; in diesem Fall wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von Zentralbanken aus ihren Reservebeständen bereitgestellt. Unabhängig davon hat unser Tresorpartner in Hongkong, Malca-Amit, über die Knappheit bei Silberbarren gebloggt. Nach dessen Erfahrung werden Käufer auf Wartelisten gesetzt, während die Raffinerien versuchen, die Nachfrage einzuholen.
Diese beiden Berichte über physische Engpässe werden überall durch Einzelbeobachtungen bestätigt. Wir können dies als Beleg dafür werten, dass sich die Preisbildung am Markt nicht an tatsächlichem Angebot und tatsächlicher Nachfrage orientiert. Das ist seit langer Zeit so, und manche würden argumentieren, dass es aufgrund staatlicher Eingriffe immer so ist. Dennoch scheint die Wahrscheinlichkeit einer Preisverwerfung am Markt zuzunehmen, die nahezu alle unvorbereitet treffen würde.
Am Terminmarkt der Comex ist das Open Interest sowohl bei Gold als auch bei Silber deutlich gesunken. Wie dies ohne einen nennenswerten Short Squeeze in den vergangenen zwei Wochen geschehen konnte, ist ein Rätsel; es deutet auf ein gewisses Maß an Marktsteuerung im Hintergrund hin. Der Rückgang des Open Interest ist in den folgenden beiden Diagrammen für Gold- bzw. Silber-Futures dargestellt.


Seit dem 24. August, als der Goldpreis seinen Höchststand erreichte, ist das Open Interest um 30.000 Kontrakte zurückgegangen. Zu jener Zeit waren die Hedgefonds netto short, was beispiellos war. In einer höchst unwahrscheinlich anmutenden Entwicklung haben die spekulativen Short-Händler ihre Positionen in einem fallenden Markt geschlossen. Es ist zwar die Aufgabe ehrlicher Spekulanten, Märkten vorauszueilen und deren Verlauf zu glätten, doch so funktionieren Comex-Gold-Futures normalerweise nicht: In einem von den großen Edelmetallbanken dominierten Markt werden Gewinne dadurch erzielt, dass die Hedgefonds insgesamt mit ihren Geschäften Geld verlieren. Treffender lässt sich dieses Verhältnis so beschreiben: Die „Hedgies“ sind die Amateure, und die Banken sind die Profis.
Noch bemerkenswerter ist die Lage bei Silber, wo das Open Interest seit den Rekordständen von Mitte Juni weiter zurückgeht.
Die einzige plausible Erklärung ist, dass das Edelmetall-Bankenestablishment, anstatt das übliche profitable Spiel zu spielen, die Short-Händler auszupressen und die Preise nach deren Glattstellung kräftig nach unten zu drücken, einer ausgeglichenen Buchlage eine höhere Priorität einräumt. Dies legt nahe, dass die Banken der hohen Nachfrage nach physischem Edelmetall Beachtung schenken.
Nächste Woche
Montag.
Japan: Frühindikator, Bankkreditdaten, Leistungsbilanz, BIP (endgültig). Eurozone: Sentix-Indikator.
Dienstag.
Eurozone: BIP. USA: Verbraucherkredite. Japan: Maschinenaufträge (Kernaufträge), Geldmenge M2, Economy-Watchers-Umfrage.
Mittwoch.
Japan: Verbrauchervertrauen, Erzeugerpreisindex. Vereinigtes Königreich: Industrieproduktion, Produktion des Verarbeitenden Gewerbes, Handelsbilanz (außerhalb der EU).
Donnerstag.
Japan: Kapazitätsauslastung. Vereinigtes Königreich: Zinsentscheidung der Bank of England. USA: Importpreisindex, Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Großhandelslagerbestände.
Freitag.
Vereinigtes Königreich: Bauproduktion. USA: Erzeugerpreisindex, Verbrauchervertrauen der Universität Michigan, Haushaltsdefizit.
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