
Das neue Jahr begann für Gold und Silber gut, bevor beide Metalle in der Wochenmitte stark unter Druck gerieten. Gegenüber dem Handelsschluss am Donnerstag, dem 31. Dezember (der Freitag war Neujahrstag, die Märkte blieben geschlossen), lag Gold im europäischen Handel heute Morgen netto 7 $ niedriger bei 1.891 $, während Silber leicht fester war und um 20 Cent auf 26,55 $ stieg.
Seit Ende November haben beide Metalle eine solide Erholung erlebt, doch die zugrunde liegende Lage ist, dass das Establishment des Papier-Edelmetallhandels an der Comex in Not geraten und massiv short positioniert ist. In London gibt es nur sehr wenig frei verfügbare physische Liquidität, obwohl die LBMA weitere Zuwächse beim eingelagerten Gold meldet, das sich nun auf 9.450 Tonnen beläuft. Bei genauerer Betrachtung der Zahlen entfielen jedoch von dem Anstieg um 102 Tonnen nur 59 Tonnen auf LBMA-Tresore, der Rest auf die Bank of England. Im November gab es zudem Nettoverkäufe von Gold-ETFs, überwiegend von nordamerikanischen und europäischen Anlegern, die jedoch nicht ausreichten, um einen wesentlichen Unterschied zu machen.
Für die ungesicherten Edelmetallbanken in London gilt es, Ruhe zu bewahren und weiterzumachen, um ihre Short-Positionen allmählich abzubauen. Unsere nächste Grafik zeigt ihr Engagement in US-Dollar.

Mit 51 Mrd. $ brutto und 38 Mrd. $ netto nach Abzug der Long-Positionen liegt die Gesamtposition der Edelmetallbanken weiterhin nahe an historischen Höchstständen, und sie können es sich schlicht nicht leisten, dass der Goldpreis nach oben davonläuft.
Die nachstehende Tabelle zeigt, wie sich die Comex-Positionen laut dem jüngsten Commitments-of-Traders-Bericht verändert haben.

Die Kategorien Swaps sowie Produzenten/Händler haben ihre Netto-Short-Positionen zusammen um rund 2 % verringert, indem sie überwiegend Long-Positionen in der Kategorie „Other Reported“ schlossen, die zudem zur Lieferung anstand, insgesamt 749 Kontrakte zwischen dem 21. und 29. Dezember.
Nachdem nun feststeht, dass Biden der nächste US-Präsident wird, haben die Edelmetallbanken kurzfristig möglicherweise ein Argument auf ihrer Seite. Das bereits aufkommende keynesianische Argument lautet, dass monetäre Impulse unter Biden die US-Wirtschaft nun in Gang bringen können, was zu einem stärkeren Dollar und damit zu einem schwächeren Goldpreis führe. Die Zinsen würden steigen, heißt es, sobald die Normalität zurückkehre. Vermutlich hat dieses Denken zu einer leichten Erholung des handelsgewichteten Dollar-Index geführt, wobei einige Techniker behaupten, der Dollar sei überverkauft und reif für eine Gegenbewegung. Hinzu kommt, dass die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen nun über 1 % liegt und weiter zu steigen scheint.
Wir müssen abwarten, ob dieses Argument trägt. Es baut jedoch auf der Hoffnung auf und ignoriert die sich beschleunigende Entwertung des Dollars, ganz zu schweigen von einer wahrscheinlich stärker defizitfinanzierten Ausgabenpolitik der Regierung Biden.
Ein weiteres Argument gegen Gold taucht wieder auf, nämlich dass Bitcoin das neue Gold sei. Im vergangenen Monat hat sich Bitcoin von 18.000 $ aus mehr als verdoppelt, während Gold um etwa 2 % gestiegen ist. Es handelt sich jedoch um zwei sehr unterschiedliche Märkte. Bitcoin wird von institutionellem Geld angetrieben, das Angst hat, den Anschluss zu verpassen. Zudem ist das Market-Making-Establishment bei Bitcoin nicht netto short, wie es bei Papiergold der Fall ist; wenn überhaupt, schließt es sich dem Ansturm auf Long-Positionen an. Es ist ein Irrtum anzunehmen, dass Gold zugunsten von Bitcoin aufgegeben wird, außer in geringem Umfang im Privatanlegerbereich.
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