
Gold und Silber erholten sich nach dem katastrophalen Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag kräftig.
Die Gold- und Silberpreise erhielten zusätzlichen Auftrieb, als Janet Yellen am Montag in ihrer Rede vor dem World Affairs Council in Philadelphia folglich einen weicheren Kurs bei Zinserhöhungen einschlug. Gold, das am Mittwoch der Vorwoche bei 1.200 $ seinen Tiefpunkt erreicht hatte, schoss nach der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten am vergangenen Freitag wie von der Tarantel gestochen nach oben und legte in sieben Minuten 22 $ zu. Zumindest spiegelt die Heftigkeit der Bewegung das hohe Maß an kurzfristigem Pessimismus wider. Jedenfalls scheint die Konsolidierungsphase der diesjährigen Kursgewinne gut möglich beendet zu sein – zumindest bis zum nächsten Zinsschreck.
Der Kursanstieg bei Silber war dramatischer, wie in der obigen Grafik zu sehen ist. Erst am Mittwoch der Vorwoche fiel Silber bis auf 15,84 $. In dieser Woche erholte es sich gestern auf bis zu 17,33 $, ein Plus von über 9 %. Eine derartige Volatilität kann als Hinweis auf ein knappes physisches Angebot gewertet werden.
Die Zusammensetzung der physischen Nachfrage unterscheidet sich in diesem Jahr deutlich von 2015: Die Auslieferungen der Shanghai Gold Exchange an die chinesische Bevölkerung sind gegenüber den Rekordwerten des Vorjahres zurückgegangen. Dies zeigt die folgende Grafik der monatlichen Goldauslieferungen in Tonnen.

Die Auslieferungen beliefen sich in den ersten fünf Monaten des Jahres 2016 insgesamt auf 834,6 Tonnen, verglichen mit 982,73 Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das entspricht weiterhin dem Großteil der weltweiten Minenproduktion, doch angesichts dieses Rückgangs ist es bemerkenswert, dass sich der Goldpreis so gut entwickelt hat. Die Erklärung lautet, dass die westliche Nachfrage, erkennbar an den gestiegenen ETF-Investitionen, den Unterschied mehr als ausgleicht; allein GLD, der größte physische ETF, hat 240 Tonnen hinzugewonnen. Dass die chinesische Nachfrage nachzulassen scheint, spiegelt wahrscheinlich einen Rückgang von den Rekordwerten des Vorjahres wider und ist möglicherweise auch darauf zurückzuführen, dass eine Reihe kleiner Abwertungen des Yuan Gold in Yuan gerechnet teurer gemacht hat.
Diese veränderte Marktdynamik war in dieser Woche deutlich zu erkennen, denn im täglichen Handelsmuster stieg Gold während der europäischen und US-amerikanischen Handelszeiten und konsolidierte die Gewinne des Vortages im asiatischen Handel. Angesichts der enormen Geschwindigkeit des Preisanstiegs in dieser Woche ist jedoch damit zu rechnen, dass es im europäischen und US-amerikanischen Handel später heute zu leichten Gewinnmitnahmen kommt.
Gemessen in den wichtigen Währungen liegt die Wertentwicklung von Gold in Pfund Sterling inzwischen 22 % im Plus auf Jahressicht, möglicherweise begünstigt durch den Stimmungsumschwung hin zu einem Brexit-Votum. Gold in Euro liegt 15 % im Plus, in Yen 7 %. Da die Preise in diesen beiden Währungen niedriger sind als in US-Dollar (plus 20 %), dürften sie in diesen beiden Währungen, die beide negative Zinsen aufweisen, eine Nachfrage nach physischem Gold auslösen.
Anders ausgedrückt: Auf Yen lautendes Gold ist theoretisch zu günstig, weil der Yen gemessen an der geldpolitischen Stimulierung zu stark ist, verglichen mit auf US-Dollar lautendem Gold, wo die monetären Bedingungen restriktiver sind. Es handelt sich um eine Anomalie, die in geringerem Maße auch beim Euro gilt. Solange diese Anomalien fortbestehen, dürfte dies zu einer wachsenden Nachfrage nach physischem Gold sowohl in Japan als auch in der Eurozone führen, wenngleich eine Veränderung der japanischen Nachfrage bislang zu gering war, um einen wesentlichen Unterschied zu bewirken.
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