
Nach dem spektakulären Anstieg seit den Tiefständen von Anfang Juli haben Gold und Silber diese Woche eine Verschnaufpause eingelegt. Die Edelmetallmärkte an der Comex waren stark überkauft, sodass eine Pause unvermeidlich und gesund war. Im frühen europäischen Handel heute Morgen liegt Gold um 23 $ unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag von 1.325 $, Silber notiert um 25 Cent tiefer bei 17,71 $.
Unsere nächste Grafik zeigt, wie überkauft Gold geworden war: Die Netto-Long-Positionen der Kategorie „Managed Money“ (Hedgefonds) an der Comex sind stark gestiegen.
Dies war der Stand zum 5. September. Aktualisierte Zahlen für den 12. September werden heute Abend veröffentlicht. Aus den täglichen Angaben zum Open Interest wissen wir jedoch, dass die Zahl der Kontrakte zwischen diesen Terminen um weitere 16.000 gestiegen ist. Damit dürften die Netto-Long-Positionen von Managed Money leicht über 250.000 steigen.
Silber ist nicht so stark überkauft wie Gold, wie unsere nächste Grafik zeigt. Dies deutet darauf hin, dass die Konsolidierung bei Silber weniger tief ausfallen wird.
Technische Analysten werden Gold und Silber positiver beurteilen. Unsere nächste Grafik zeigt Gold in USD, einschließlich der beiden am häufigsten beachteten gleitenden Durchschnitte.
Der Goldpreis hat die durch die gepunkteten Linien markierte Konsolidierungsflagge eindeutig nach oben durchbrochen. Zudem steigen die gleitenden Durchschnitte in einer bullishen Formation. Bei solchen Flaggen gilt als Faustregel, dass die Bewegung nach dem Ausbruch ähnlich groß sein sollte wie die vorangegangene Bewegung. Dies deutet auf einen weiteren Vorstoß in Richtung 1.350 $ hin. Allerdings stellen diese Hochs eine Angebotszone dar, die bis Juli 2016 zurückreicht.
Insgesamt sind diese klassischen technischen Signale positiv, sobald die überkauften Extreme abgebaut sind. Bemerkenswert ist jedoch die zugrunde liegende Stärke in einer Woche ohne (für Gold) positive Nachrichten. Die Lage in Nordkorea beruhigte sich zeitweise, doch über Nacht feuerte Nordkorea eine weitere Rakete ab, und wir erwarten die Reaktion der USA im Laufe des heutigen Tages. Bei Kupfer kam es zu erheblichen Gewinnmitnahmen, in geringerem Maße auch bei den übrigen Industriemetallen. Der handelsgewichtete Dollar-Index stabilisierte sich, nachdem er das ganze Jahr über gefallen war.
Ein neuer Gegenwind zeichnet sich in Form möglicherweise höherer Zinsen ab. Gestern signalisierte die Bank of England, dass sie die Senkung ihres Leitzinses nach dem Brexit bald zurücknehmen werde. Angesichts der wirtschaftlichen Erholung in der Eurozone wird zudem gefragt, ob das Ankaufprogramm beendet und die Zinsen angehoben werden sollten. Es besteht kein Zweifel, dass der Preisdruck zunimmt: Die britische Verbraucherpreisinflation liegt bei 2,9 %.
Die EZB sitzt zwischen den Stühlen. Der Euro hat in diesem Jahr gegenüber dem Dollar um 15 % zugelegt, und Mario Draghi steht unter Druck, die Lage nicht durch Zinserhöhungen zu verschlimmern. Unterdessen ist die wirtschaftliche Erholung in den USA verhalten, und es bestehen Unsicherheiten wegen der Schuldenobergrenze, deren Debatte bis Dezember verschoben wurde.
Abschließend zeigt unsere letzte Grafik, wie die vier wichtigsten Währungen seit dem Tiefpunkt des Goldpreises im Dezember 2015 an Kaufkraft verloren haben.
Der Dollar hat 21 % verloren, das Pfund 29 %, der Euro 13 % und der Yen 12 %. Wer hat gesagt, Preisinflation sei kein Problem?
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