
Die Edelmetalle haben noch keine Richtung gefunden und setzten ihre Konsolidierung fort, wobei sie in Richtung der Unterstützungsmarken abdrifteten.
Nach einer Erholung zur Wochenmitte notierte Gold bei 1.314 US-Dollar, ein Minus von 13 US-Dollar auf Wochensicht, und Silber bei 19,98 US-Dollar, unverändert. Gold bewegt sich dicht am 55-Tage-Durchschnitt, der aus Sicht der technischen Analysten eine Unterstützung darstellt. Dies zeigt die nächste Grafik.
Während technisch orientierte Händler diese Marke als Unterstützung ansehen, warten sie ab, in welche Richtung sich die Handelsspanne auflöst; möglich ist, dass der Goldpreis auf die nächste Unterstützung beim 200-Tage-Durchschnitt fällt. Die Edelmetallbanken, die an der Comex weiterhin stark short positioniert sind, werden die Ansicht, dass Gold bis auf dieses Niveau fallen wird, mit hoher Wahrscheinlichkeit befördern.
Wie dem auch sei, japanische Staatsanleihen sind erheblich und beunruhigend gefallen, was insgesamt zu Volatilität an den Anleihe- und Aktienmärkten geführt hat. Der VIX, ein auf dem S&P-500-Index basierendes Maß für die Aktienvolatilität, stieg von 13,8 am vergangenen Freitag auf ein Hoch von 19 zur Wochenmitte, den höchsten Stand seit drei Monaten. Die sommerliche Phase niedriger Aktienvolatilität ist vorbei, der S&P ist nach unten ausgebrochen.
Die Händler sind in diesem Monat an ihre Schreibtische zurückgekehrt und finden einen so ungewissen Konjunktur- und Zinsausblick vor wie eh und je. Nach den jüngsten Versuchen, den Markt auf eine Erhöhung des Leitzinses der Fed im September vorzubereiten, scheint die Fed nach den Äußerungen verschiedener Vertreter zurückgerudert zu sein und lässt die Möglichkeit offen, die Zinsen stattdessen im Dezember anzuheben. Das Ergebnis der September-Sitzung erfahren wir in der kommenden Woche am 20./21. September, danach hält Frau Yellen ihre vierteljährliche Pressekonferenz ab.
Vorbehaltlich der FOMC-Sitzung in der nächsten Woche scheint die Zinsunsicherheit vorerst abgeklungen zu sein, die konjunkturelle Unsicherheit hat jedoch zugenommen. Zwischen Deflationisten und Inflationisten besteht ein Tauziehen, das sich in der täglichen Entwicklung des Dollars widerspiegelt. Eine schwächelnde japanische oder Eurozonen-Wirtschaft könnte zu Mittelzuflüssen in den Dollar führen, da internationale Fonds Yen bzw. Euro abstoßen. Das Argument der Inflationisten lautet, dass die Preisinflation mit oder ohne Konjunkturerholung steigen wird, was eine Zinserhöhung erforderlich machen würde, die voraussichtlich ausreicht, um den Anleihemarkt zu brechen.
Auch wenn die Edelmetallmärkte dazu noch nicht bereit sind, müssen wir über diese Unsicherheiten hinausblicken, um die künftige Richtung der Edelmetallpreise zu beurteilen. Und obwohl wir das Inflationsrisiko anerkennen, dürfte die Marktinstabilität eher von außerhalb der USA, aus der Eurozone, ausgehen.
Das genaue Datum wurde zwar noch nicht bekannt gegeben, doch im nächsten Monat steht in Italien ein wichtiges Referendum über eine Verfassungsreform an, das manche Kommentatoren für ebenso bedeutsam halten wie das Brexit-Referendum im Vereinigten Königreich. Die Umfragen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, und sollte das Ergebnis gegen die Regierung ausfallen, droht dem größten Schuldner Europas eine politische Krise. Die EU befindet sich nach dem Brexit bereits in Aufruhr, und eine zusätzliche italienische Dimension könnte durchaus dazu führen, dass internationale Fonds den Euro gegenüber dem Dollar abstoßen. Ein Unterschreiten von 1,10 Euro je Dollar könnte diesen Mittelabfluss auslösen.
Unterdessen dürften Anleger aus der Eurozone ihr Engagement in Gold erhöhen. Damit rückt die Möglichkeit näher, dass sowohl der handelsgewichtete Index des Dollars als auch Gold gleichzeitig steigen könnten. Wir werden sehen.
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