Marktbericht: Ist der Ausverkauf vorbei?

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In meinem Marktupdate vom vergangenen Freitag habe ich darauf hingewiesen, dass die Faktoren, die die Edelmetallpreise nach unten drücken, wahrscheinlich noch nicht ausgereizt waren, da die Bullion-Banken versuchten, den Markt vor dem Jahresende zu steuern, wenn die Handelsgewinne des Jahres festgestellt werden. Tatsächlich kam es zu einem weiteren Ausverkauf, doch nach der Veröffentlichung des FOMC-Protokolls am Mittwoch erholten sich Gold und Silber von ihren Tiefstständen.

Heute Morgen notierte Gold in London bei 1.808 US-Dollar, netto 25 US-Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag; am Mittwoch hatte es bei bis zu 1.753 US-Dollar gelegen. Silber liegt im gleichen Zeitraum um 45 Cent höher bei 22,60 US-Dollar, nachdem es zwischenzeitlich auf 21,45 US-Dollar gefallen war. Das Volumen in beiden Comex-Kontrakten verlangsamte sich vor Veröffentlichung des FOMC-Protokolls auf ein Schneckentempo und zog gestern deutlich an.

Die Marktwirkung vor diesem Ereignis bestand darin, Hedgefonds vom Handel abzuhalten. Da diese Spekulanten faktisch aus dem Markt genommen waren, konnten die Swap-Händler (überwiegend Bullion-Banken) die Preise relativ ungehindert nach unten drücken und dabei Stopp-Orders auslösen. Die einzigen Grenzen waren physischer Natur, denn die Nachfrage nach Edelmetall steigt bei niedrigeren Preisen. Hinweisen aus dem Markt zufolge sind die Lieferungen der Raffinerien bis weit in das nächste Jahr hinein voll ausgebucht, bei Silber bis Mitte 2022.

An der Comex beobachten wir, dass Händler immer konsequenter auf Lieferung bestehen. Seit dem 30. November wurden Lieferzertifikate (Warrants) für 105,22 Tonnen Gold und 1.323,4 Tonnen Silber ausgestellt, und das trotz aller üblichen Versuche der Comex-Verantwortlichen, von einer Lieferung abzuschrecken. Es ist vor allem die Kategorie „Other Reported“, die Lieferung verlangt. Wir wissen das, weil Hedgefonds praktisch jede andere Strategie verfolgen, nur nicht den Besitz von physischem Metall.

Zu den wirtschaftlichen Ereignissen: Die FOMC-Erklärung dieser Woche enthielt das widerwillige Eingeständnis, dass die Verbraucherpreisinflation länger höher bleiben würde, als das FOMC zuvor erwartet hatte. Jay Powell beharrte jedoch darauf, dass dies auf Engpässe in den Lieferketten zurückzuführen sei, und er hob die Inflationsprognose des FOMC für Ende 2022 auf 2,6 % an. Anstatt die Zinsen von der Nullgrenze aus anzuheben, kündigte er an, die Anleihekäufe (QE) ab Mitte Januar schneller auf 30 Mrd. US-Dollar pro Monat zu reduzieren. Er rechnet damit, dass der Leitzins der Fed bis Ende nächsten Jahres auf einen Median von 0,9 % angehoben wird.

Am Donnerstag kündigte die Bank of England eine Erhöhung ihres Leitzinses um 0,15 % auf 0,25 % an. Und die EZB gab bekannt, ihr Programm zum Ankauf von Vermögenswerten ab Oktober nächsten Jahres von monatlich 40 Mrd. € auf 20 Mrd. € zu verringern. Zusammengenommen wirken diese Ankündigungen wie eine abgestimmte Strategie dieser großen Zentralbanken, die Zinsen nach Möglichkeit nicht anzuheben. Das läuft auf eine Politik hinaus, die auf die Währungsstabilität an den Devisenmärkten setzt, statt wirksam die Kaufkraft der betreffenden Währungen zu stabilisieren. Dabei müssen wir davon ausgehen, dass die Maßnahme der BoE so geringfügig ist, dass sie keine Rolle spielt.

Es ist wichtig, dass die Märkte diese Botschaft aufnehmen. Wenn sie das tun, können wir erwarten, dass Gold und Silber das anhaltende Fehlen einer Zeitpräferenz zugunsten von Papierwährungen widerspiegeln.
 
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