Gold und Silber haben in dieser Woche einen starken Ausverkauf erlebt. Gold fiel gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag um 48 US-Dollar und notierte heute Morgen im europäischen Handel bei 1.466 US-Dollar. Im gleichen Zeitraum sank Silber um 1,12 US-Dollar auf 16,98 US-Dollar.

Die Kursentwicklung bei Gold war zu erwarten, da das Metall deutlich überkauft war. Bekanntermaßen werden die Edelmetallbanken, die als Marktmacher fungieren, in überkauften Marktphasen extrem short positioniert, während die Spekulanten extrem long sind. Es genügt eine Pause im Tempo der spekulativen Käufe, damit die Edelmetallbanken den Preis drücken können, da sie wissen, dass dadurch Stop-Loss-Orders ausgelöst werden. Das setzt eine Verkaufslawine der Spekulanten in Gang, die verzweifelt Verluste vermeiden wollen.
Dies würde sich in einem Rückgang der Zahl offener Kontrakte niederschlagen. Die Edelmetallbanken hätten ihre Short-Positionen zurückerhalten, und die Spekulanten würden sich zurückziehen und ihre Wunden lecken. Das Handelsvolumen ginge zurück. Tatsächlich ist dies jedoch nicht geschehen, wie unsere nächste Grafik zeigt.

Normalerweise würde man erwarten, dass sich das offene Interesse (Open Interest) und der Preis in dieselbe Richtung bewegen. Beim gestrigen starken Rückgang des Goldpreises stieg das Open Interest jedoch stark an, ebenso das Handelsvolumen. Diese Bedingungen sind normalerweise mit einer Kapitulation in einem Bärenmarkt verbunden, die hier jedoch nicht vorliegt.
Wir müssen genauer hinschauen. Ende des Monats läuft der Dezember-Kontrakt an der Comex aus und wird nach und nach durch den Februar-Kontrakt ersetzt. Nach vorläufigen Zahlen wurden gestern 19.158 Dezember-Kontrakte geschlossen, während 37.088 Februar-Kontrakte neu eröffnet wurden. Trotz des unmittelbar bevorstehenden Auslaufens des aktiven Kontrakts stocken also einige sehr große spekulative Anleger ihre Positionen auf, anstatt in diesem Stadium des Kontraktzyklus ängstlich auszusteigen. Darüber hinaus war das gestrige Volumen mit 827.696 Kontrakten außerordentlich hoch, und das Open Interest liegt mit 709.497 Kontrakten mit erheblichem Abstand auf einem neuen Rekordniveau.
Es gibt eine mögliche Erklärung, die wir nicht belegen können: Großes Kapital weiß oder glaubt zu wissen, dass ein Ereignis eintreten wird, das den Goldpreis deutlich nach oben treiben dürfte. Und mit demselben Insiderwissen handelt das „Establishment“ aus Zentralbanken und staatlichen Währungsstabilisierungsfonds gemeinsam, um ein Davonlaufen des Goldpreises zu verhindern.
Das Problem, vor dem Analysten bei der Beurteilung dieser Bedingungen stets stehen, besteht darin, dass die Comex nur einen Teil des Bildes zeigt. Der Londoner Terminmarkt ist gemessen am Umsatz in der Regel größer. Hinzu kommt die Frage der Verfügbarkeit von physischem Edelmetall, auf dem diese und andere Derivateberge beruhen. Die Comex ist das einzige Element mit zeitnahen Informationen. Wir müssen abwarten, was sich in dieser fieberhaften Atmosphäre ergibt.
An der Nachrichtenfront gibt es nicht viel Neues. Der Zollstreit zwischen den USA und China scheint sich zu entspannen, und die Renditen von US-Staatsanleihen sind in den vergangenen Wochen gestiegen. Die Aktienmärkte erreichen neue Höchststände. Und angesichts von rund 17 Billionen US-Dollar an negativ verzinsten Anleihen scheinen die Märkte gestört zu sein und liefern uns kaum verlässliche Informationen.
Abschließend veranschaulicht unsere letzte Grafik die technische Lage von Gold.

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