
Die Gold- und Silberpreise wurden am Montag gegen 04:00 Uhr EST durch einen Verkauf von Comex-Gold-Futures im Wert von 2 Mrd. US-Dollar belastet, als keine US-Händler anwesend waren, um dem entgegenzutreten. Gerüchte über einen „Fat Finger“-Fehler dürften wohl danebenliegen. Wahrscheinlicher ist, dass eine systemrelevante Bank sämtliche Stopps ausgelöst hat, um ihre Bücher vor dem Stichtag des Halbjahresabschlusses aufzuhübschen.
Die Derivatemärkte für Gold und Silber sind im Allgemeinen richtungslos, daher ist dies ein günstiger Zeitpunkt für eine solche Operation. Folglich liegt Gold im frühen europäischen Handel heute Morgen (Freitag) 13 US-Dollar unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, Silber etwa fünf Cent. Seit dem 31. Dezember ist Gold um 8,25 % und Silber um 4,65 % gestiegen. Die Underperformance von Silber ist bemerkenswert, wobei es eine Basis zu finden scheint.
Es ist an der Zeit, Gold in den wichtigen Währungen zu betrachten, was in unserer nächsten Grafik geschieht.
Diese Grafik zeigt die relative Schwäche des Dollars, denn die Entwicklung des Goldpreises in den anderen Währungen war enttäuschender. In Euro ist Gold nur um 1 % gestiegen, in Pfund Sterling und Yen um weniger als 5 %. Während die weltweiten Bestände physisch hinterlegter ETFs im Allgemeinen stabil geblieben sind (das heißt, die Anleger halten ihre Positionen), kann es kaum Zweifel daran geben, dass das öffentliche Interesse in Europa, im Vereinigten Königreich und in Japan gedämpft ist.
Das könnte sich nun ändern. In letzter Zeit haben sich Jahres- und Halbjahresenden als Wendepunkte erwiesen. Zu diesen Zeitpunkten werden auch die Bücher abgeschlossen und die Boni der Händler berechnet. Das ist mit ziemlicher Sicherheit der Grund dafür, dass die Märkte im Vorfeld schwach waren und sich danach erholten. Wichtig ist: Für asiatische Value-Käufer bedeuten dieser Halbjahreseffekt und die Dollarschwäche, dass Gold in indischen Rupien inzwischen um weniger als 5 % und in chinesischen Yuan um nur 5,4 % gestiegen ist. Neben den Käufen der Zentralbanken scheint die physische Nachfrage aus diesen wichtigen Märkten dem Goldpreis eine Untergrenze zu geben.
Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Entwicklung bei den Industriemetallen. Anfang dieses Jahres beschlossen die chinesischen Behörden, die Investmentfonds (auch Wealth Management Products, WMPs, genannt) auszuschalten, die den staatlichen Käufen von Industrierohstoffen vorgelagert Positionen aufbauten. Kupfer, der Gradmesser der industriellen Nachfrage, war auf 2,74 US-Dollar je Pfund stark gestiegen, bevor der Staat im Februar eingriff. Bis Mitte Mai fiel der Preis auf bis zu 2,48 US-Dollar. Seitdem sind die WMPs nicht mehr am Markt aktiv, und unter dem Einfluss der Dollarschwäche hat sich der Kupferpreis wieder auf 2,68 US-Dollar erholt.
Dies deutet darauf hin, dass Chinas gezieltes Vorgehen gegen chinesische Spekulanten, die Blasen erzeugten, im Allgemeinen erfolgreich war und hinter uns liegt (bei Kryptowährungen müssen wir uns ein Urteil vorbehalten). Zudem wurden die staatlichen Einkaufsprogramme wieder aufgenommen, die der Bevorratung für Infrastrukturausgaben sowohl in China als auch für die Projekte der Seidenstraße dienen. Aluminium, Blei, Nickel und Zink bestätigen allesamt die sich verbessernde Tendenz beim Kupfer.
Diese Entwicklungen könnten dem Silberpreis eine relative Stütze bieten, da Händler festere Preise bei den Industriemetallen feststellen. Jedenfalls erscheint Silber zu niedrig bewertet, da das Gold-Silber-Verhältnis wieder auf 74,8 gestiegen ist. Dies ist unsere letzte Grafik.
Alles in allem besteht offenbar eine bessere als hälftige Wahrscheinlichkeit, dass sich die Edelmetalle in den kommenden Wochen von ihrem derzeit gedrückten Niveau erholen, sobald der Halbjahres-Bilanzeffekt vorüber ist und die Stimmung beginnt, den Einfluss steigender Industriemetallpreise widerzuspiegeln.
Alles in allem besteht offenbar eine bessere als hälftige Wahrscheinlichkeit, dass sich die Edelmetalle in den kommenden Wochen von ihrem derzeit gedrückten Niveau erholen, sobald der Halbjahres-Bilanzeffekt vorüber ist und die Stimmung beginnt, den Einfluss steigender Industriemetallpreise widerzuspiegeln.
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