Gold begann am Montag mit einer Fortsetzung des Rückgangs vom vergangenen Freitag und erreichte am Dienstag im US-Handel mit 1.261 US-Dollar seinen Tiefpunkt. Von da an erholte sich der Preis und schloss am Donnerstag 25 US-Dollar höher bei 1.287 US-Dollar.
Die Stimmung für Gold und Silber an den westlichen Kapitalmärkten ist inzwischen äußerst pessimistisch. Dies zeigt sich an einem Anstieg des Open Interest an der Comex bei fallenden Preisen, wie die nachstehenden Charts veranschaulichen.

Es ist ungewöhnlich, dass das Open Interest bei fallenden Preisen deutlich steigt. Bei Gold entspricht dies zusätzlichen Leerverkäufen von 72,4 Tonnen seit dem 6. November, bei Silber von fast 2.600 Tonnen. Bislang ist es nicht gelungen, den Goldpreis unter 1.200 US-Dollar zu drücken. Nach dem Verlauf der vergangenen Woche ist jedoch eine Baisse-Attacke noch heute nicht auszuschließen, wenn die Käufer aus Fernost nicht am Markt sind. Sollte das jüngste Tief von 1.261 US-Dollar jedoch halten, wird man diese Entwicklung im Nachhinein als Verkaufshöhepunkt werten, was letztlich positiv zu sehen ist.
Die Gegenseite des Goldhandels bilden für viele Händler der Dollar und die Renditen von US-Staatsanleihen, die zuletzt beide gestiegen sind. Diese Anstiege kehrten sich vor Janet Yellens Anhörung zur Bestätigung im Senat gestern zu drehen. Dabei wurde deutlich, dass sich an der Geldpolitik der Fed wenig ändern wird, und, was wichtig ist: Frau Yellen bestätigte, dass sie bei Aktien und Immobilien keine Blasen sieht. Zudem wich sie Versuchen aus, sie auf eine Reduzierung der Anleihekäufe festzulegen oder sie zu dem Eingeständnis zu bewegen, dass die Fed in die Enge getrieben sei.
Diese Woche hat der World Gold Council seine Schätzungen zur Goldnachfrage im dritten Quartal 2013 veröffentlicht. Seine Zahlen für Großchina (einschließlich Hongkong und Taiwan) belaufen sich auf 220,1 Tonnen, verglichen mit physischen Lieferungen von 573,4 Tonnen allein an der Shanghai Gold Exchange. Die Abweichung zwischen der Darstellung des WGC und anderen belastbaren Statistiken stellte Eric Sprott kürzlich in einem offenen Brief an den WGC infrage. In seiner Antwort verwies der WGC auf Unterschiede aufgrund von Lageraufbau bzw. -abbau und Round-Tripping (vermutlich Arbitrage). Die Differenz zwischen Sprotts Zahlen auf Basis der Import- und Exportstatistiken und denen des WGC erscheint jedoch zu groß, um sich auf diese Weise erklären zu lassen.
Darüber hinaus behauptete der WGC in früheren Datenveröffentlichungen, die chinesische Nachfrage habe im ersten Quartal mit 306,4 Tonnen ihren Höchststand erreicht und sei im zweiten Quartal auf 294,6 Tonnen gefallen. Das kann nicht zutreffen, denn die Beschleunigung der Nachfrage erfolgte im zweiten Quartal nach dem Preiseinbruch im April. Dies wird durch die physischen Auslieferungen über die Shanghai Gold Exchange bestätigt, die im zweiten Quartal insgesamt 641 Tonnen betrugen, gegenüber 458 Tonnen im ersten Quartal.
Nächste Woche
Vermutlich wird die anhaltende Debatte über die Reduzierung der Anleihekäufe und ihre Auswirkungen auf den US-Dollar und die Renditen von US-Staatsanleihen in der kommenden Woche den größten Einfluss auf die Gold- und Silberpreise haben. Hier sind die wichtigsten Statistiken.
Montag.
Eurozone: Leistungsbilanz.
USA: Umfrage des Verbands der Hausbauer (NAHB)
Dienstag.
Japan: Frühindikator (endgültig).
Eurozone: ZEW-Konjunkturerwartungen.
USA: Beschäftigungskostenindex.
Mittwoch.
Japan: Index der Gesamtwirtschaftsaktivität.
Großbritannien: Protokoll des geldpolitischen Ausschusses (MPC) der Bank of England.
USA: Verbraucherpreise, Einzelhandelsumsätze, Lagerbestände der Unternehmen, Verkäufe bestehender Wohnimmobilien, Protokoll der Oktober-Sitzung des FOMC der Fed.
Donnerstag.
Eurozone: Einkaufsmanagerindex Gesamtwirtschaft (Schnellschätzung).
Großbritannien: Staatsverschuldung, CBI-Industrietrends.
USA: Erzeugerpreise (ohne Nahrungsmittel und Energie), Einkaufsmanagerindex Industrie (Schnellschätzung), Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Erzeugerpreise.
Japan: Geldpolitik der Bank of Japan.
Freitag.
Japan: Monatlicher Wirtschaftsbericht für November.
USA: Währungsreserven.