
Gold und Silber bewegten sich in dieser Woche bei geringem bis mäßigem Handelsvolumen seitwärts. Im europäischen Handel notierte Gold heute Morgen bei 1.847 US-Dollar, 3 Dollar unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber lag mit 21,70 US-Dollar 20 Cent niedriger. Die Stimmung wird zunehmend negativ, und es herrscht allgemein der Eindruck, dass Gold und Silber ihre Schutzfunktion als Inflationsabsicherung nicht erfüllen. Eine solche Stimmung ist jedoch typisch für jeden Markt, der emotional überverkauft ist.
Man sollte bedenken, dass die Bullion-Banken den größten Teil der Short-Seite in den Papiermärkten einnehmen und ein Interesse daran haben, ihre Short-Positionen gewinnbringend zu schließen. Das gilt besonders zur Jahresmitte, wenn die Händler ihre Bücher abschließen und der Geschäftsleitung ihre Gewinne und Verluste melden. Bis Ende Juni sind es noch drei Wochen, daher werden sie zwangsläufig versuchen, ihre Short-Positionen zu halten und die Preise so niedrig wie möglich zu halten.
Zweifellos ist es ihnen gelungen, das Interesse an Long-Positionen zu unterdrücken, wie die nächste Grafik der sinkenden offenen Positionen an der Comex zeigt.

Die Unterdrückung des Papiergoldpreises hat jedoch ihren Preis. An der Comex haben wir einen Anstieg der Lieferungen gesehen, die sich seit dem Auslaufen des Mai-Kontrakts auf 21.825 Kontrakte bzw. 67,89 Tonnen belaufen. Wenn dies an der Comex geschieht, muss die Tonnage, die den weitaus größeren Londoner Terminmarkt verlässt, ebenfalls weit in die Hunderte gehen.
Die nächste Grafik zeigt diesen Widerstand gegen weitere Kursrückgänge auf andere Weise. Die Netto-Long-Positionen der Managed-Money-Anleger an der Comex sind auf weniger als die Hälfte des langfristigen Durchschnitts gesunken (50.793 gegenüber 111.000 Kontrakten), und das in einer Zeit, in der der handelsgewichtete Dollarindex stark war. Dennoch hat Gold seit 2020 seitwärts konsolidiert, statt mit dem nachlassenden Interesse zu fallen. Während Kleinanleger die Geduld verlieren, belegen die Fakten eine beeindruckende zugrunde liegende Stärke.

So weit zur Marktlage. In den kommenden Wochen ist mit weiteren schlechten Nachrichten für die Finanzmärkte zu rechnen, und nicht nur an der Inflations- und Zinsfront. Auf einer Bankenkonferenz in New York gab Jamie Dimon von JPMorgan Chase kürzlich den klarsten Hinweis darauf, dass JPMorgan die Bankkredite einschränken und reduzieren wird.
Wir müssen davon ausgehen, dass alle global systemrelevanten Banken (G-SIBs) folgen werden. Das bedeutet, dass dem Finanzsystem Kredite entzogen werden, was die Liquidation an den Finanzmärkten beschleunigt.
Nicht nur Aktien und Anleihen werden liquidiert werden, sondern auch revolvierende Kreditlinien für Unternehmen werden gekündigt, was zu Insolvenzen führt. Dimon signalisierte eine Kreditkrise, die die Weltwirtschaft zum Einsturz bringen wird. Die kurzfristigen Folgen könnten für Gold als nachteilig angesehen werden, da die Bullion-Banken das Deflationsargument, solange sie können, mit allem Nachdruck vorbringen werden.
Die gute Nachricht, zumindest für die Edelmetallpreise, hat zwei Seiten. Erstens werden die Banken im Zuge der Kreditverknappung ihre Rohstoffhandelsabteilungen schließen, auch jene für Edelmetalle. Das wird die gemeinsame Fähigkeit der Banken beeinträchtigen, die Preise zu unterdrücken. Zweitens werden die Zentralbanken zwangsläufig reagieren, indem sie die Inflation verstärken und alles tun, was nötig ist, um zu verhindern, dass ihre Volkswirtschaften in eine kreditbedingte Rezession abrutschen.
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