Marktbericht: Gold vor dem Auslaufen der Comex-Kontrakte

Gold und Silber konsolidierten auch in dieser Woche die Gewinne ihres jüngsten Aufwärtstrends. Gold verlor auf Wochensicht 7 US-Dollar und notierte heute (Freitag) im frühen europäischen Handel bei 1.418 US-Dollar. Silber legte netto zehn Cent zu und notierte bei 16,44 US-Dollar, nachdem es zwischenzeitlich 16,61 US-Dollar erreicht hatte.

OH 1

Gold hatte mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen. Mit dem Verfall der Comex-Optionen gestern und dem Kursabschlag von rund 15 US-Dollar wurden mehrere Call-Serien wertlos. Gold ist noch nicht über den Berg, denn einschließlich heute bleiben bis zum Verfall des August-Kontrakts nur noch vier Handelstage. Aus diesem Grund kam es gestern zu einem starken Rückgang von fast 55.000 Kontrakten, von denen 45.000 in spätere Kontrakte überführt wurden. Die aktuelle Lage zeigt unsere nächste Grafik.

OH 2

Das Verhältnis zwischen Goldpreis und Open Interest ist normal, doch im gesamten Juli hat das Open Interest zugenommen, während der Preis etwas an Schwung verloren hat. Dies dürfte zum großen Teil auf den Kontraktverfall zurückzuführen sein, der sich positiv auswirken wird, sobald er überstanden ist.

Interessanterweise scheint der Comex-Markt nicht sonderlich überkauft zu sein, zumindest gemessen an der Netto-Position der Kategorie „Managed Money“, die unsere nächste Grafik zeigt.

OH 3

Die gestrichelte Linie zeigt die langfristige durchschnittliche Netto-Position, die wir als neutral betrachten können. Die letzten Daten stammen vom 16. Juli. Die Zahlen für den vergangenen Dienstag, die heute Abend veröffentlicht werden sollen, werden Gold zweifellos als deutlich überkauft ausweisen, da sie mit einem Rekordstand beim Open Interest zusammenfielen. Seitdem ist das Open Interest jedoch gesunken und wird im Zuge des Kontraktverfalls weiter sinken, sodass Gold rasch in eine neutrale Position zurückkehren dürfte.

Insgesamt deutet alles auf eine Pause in einer Aufwärtsbewegung hin, die im nächsten Monat wieder einsetzen dürfte. Unsere nächste Grafik zeigt die technische Lage.

OH 4

Diese Grafik findet die Aufmerksamkeit von Portfoliomanagern, die darauf gewartet hatten, dass Gold die Marke von 1.350 US-Dollar durchbricht. Nachdem dies nun geschehen ist, ist das Volumen des Kapitals, das in Gold anlegen möchte, potenziell enorm, zumal Portfolios weltweit kaum Gold enthalten. Diese Einschätzung scheint durch die Form der aktuellen Konsolidierung bestätigt zu werden. Sie weist eine Aufwärtsneigung auf, die normalerweise mit einer Pause in einem überhitzten Markt verbunden ist.

Auf der Nachrichtenseite bestätigte Mario Draghi von der EZB, dass die Zinsen im September wahrscheinlich noch weiter in den negativen Bereich gesenkt werden. Der Euro fiel daraufhin auf den tiefsten Stand gegenüber dem Dollar seit zwei Jahren. Da der handelsgewichtete Index des Dollars eher ein euro-gewichteter Index ist, stieg dieser entsprechend, wie unsere letzte Grafik zeigt.

OH 5

Über den handelsgewichteten Index des Dollars ist das Urteil noch nicht gefällt, doch er scheint an Aufwärtsdynamik zu verlieren. Zweifellos stehen der Euro und die Eurozone vor enormen Herausforderungen, doch das gilt auch für den Dollar. Man kann sich dem Eindruck kaum entziehen, dass die alte Ordnung, in der Zentralbanken und Politiker eine einheitliche Linie vertraten und die Kontrolle hatten, ihrem Ende entgegengeht. Euro und Dollar sitzen in dieser Hinsicht im selben Boot.

Im weitesten Sinne sind Papierwährungen an dieses untergehende Establishment gebunden. Falls das zutrifft, dürfte die allgemeine Grundstimmung die Edelmetallpreise stützen.

 

 

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