Marktbericht: Gold unter 1.200 $

In dieser Woche beschloss der Offenmarktausschuss der Federal Reserve (FOMC), mit der Reduzierung der Anleihekäufe zu beginnen. Die Folge: Gold notierte gestern erstmals seit fast sechs Monaten unter 1.200 $, und Silber fiel auf 19,10 $ zurück. Die Kursbewegungen zeigen die folgenden Charts.

 

Gold 2012–13 Silber 2012–13

Technische Analysten halten die Marke von 1.180 $, von der aus der Goldpreis Ende Juni anstieg, für bedeutsam; da der Preis gestern Abend nur 10 $ darüber schloss, sind wir ihr sehr nahe. Hält sie, hat Gold einen bullischen Doppelboden ausgebildet; andernfalls werden Techniker 1.150 $ als Kursziel nennen.


Die starken Kursverluste bei Edelmetallen spiegeln sich in anderen risikobehafteten Anlagen nicht wider: Eher ist das Gegenteil der Fall. Aktien stiegen auf oder in Richtung neuer Rekordhochs, und die Anleiherenditen blieben im Großen und Ganzen stabil. Zwar rechnete die Mehrheit der Analysten damit, dass die Fed die Reduzierung bis zum neuen Jahr aufschieben würde, doch der Betrag von 10 Mrd. $ war von den Märkten weitgehend eingepreist, offenbar mit Ausnahme von Gold und Silber.
Diese Reaktion spiegelt vor allem die extreme Skepsis in den Papiermärkten für Edelmetalle wider. Es liegt hier eine Tautologie vor: Die Preise fallen nur deshalb, weil sie fallen, während andere Anlagen steigen. Aktien, Kunst und sogar Diamanten werden aufgebläht, Gold und Silber hingegen scheinen in einer Art umgekehrter Blase gefangen zu sein.
Diese Anlegerpsychologie ist in fortgeschrittenen Phasen eines Bärenmarkts tatsächlich typisch, und je irrationaler sie wird, desto dramatischer fällt gewöhnlich der anschließende Bullenmarkt aus. Die Schwierigkeit besteht stets darin, angesichts des irrationalen Wahns der Masse das Gefühl für den Wert zu bewahren.


In den physischen Märkten hält die Nachfrage unterdessen unvermindert an, was asiatische Wertvorstellungen widerspiegelt, da diese Käufer von den niedrigeren Preisen profitieren. Ein Beitrag auf Bloomberg TV fasst die Lage zusammen: Laut Kenneth Hoffman von Bloomberg haben sich Goldtresore in London, die zuvor bis unter die Decke gefüllt waren, innerhalb weniger Jahre geleert.


Der Handel mit physischem Gold in Asien ist inzwischen so umfangreich, dass sich dem Spothandel in Shanghai bald Dubai, Moskau, Bangkok, Singapur und Seoul anschließen könnten. Diese Handelsplätze haben entweder konkrete Pläne zur Einführung von Spotkontrakten auf Basis des 1-Kilo-Barrens oder sprechen ernsthaft darüber.


Zumindest in den Papiermärkten nähern wir uns dem Jahresende, wenn Fondsmanager beginnen, ihre Positionen anzupassen, um ihre bewerteten Gewinne zu steigern. Welche Nettowirkung dies hat, lässt sich mitunter schwer sagen; bei Gold und Silber dürften niedrige Preise jedoch den aktiven Händlern entgegenkommen, die in der Regel short positioniert sind. Das könnte die Motivation hinter einem Teil der Verkäufe erklären. Falls dies zutrifft, könnte ein spürbarer Short Squeeze bis nach Weihnachten auf sich warten lassen. Bis dahin wünsche ich geduldigen Bullen eine angenehme und wohlverdiente Ruhepause.


Nächste Woche
Wegen Weihnachten stehen nur sehr wenige Termine im Kalender.

Montag.

USA: Persönliches Einkommen, persönliche Ausgaben

Dienstag.

USA: Auftragseingang langlebiger Güter

Mittwoch.

Weihnachtstag

Donnerstag.

Japan: Bauaufträge, Baubeginne, Kern-VPI, Arbeitslosigkeit, Industrieproduktion.

USA: Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung

Freitag. Keine wesentlichen Bekanntmachungen erwartet

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