Marktbericht: Gold und Silber treiben weiter seitwärts

Gold startete mit knapp über 1.300 $ in die Woche, bevor es gestern auf einen Tiefstand von 1.278 $ fiel. Meist bewegten sich die Preise seitwärts und rutschten von Zeit zu Zeit ab, um die Unterstützung zu testen. Sobald sich eine Unterstützung zeigte, reagierte der Preis rasch mit einem Anstieg, denn keine Bullion-Bank will wirklich verkaufen; vielmehr versuchen die Banken, ihre Short-Positionen so gewinnbringend wie möglich zu schließen.

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Das zugrunde liegende physische Angebot ist sehr knapp, und die GOFO („Gold Forward Offered Rate“) in London ist seit dem 3. April 2014 an jedem Tag negativ. Die chinesische Nachfrage, gemessen an den Lieferungen der Shanghai Gold Exchange, scheint nach einem sehr starken Jahresauftakt nachgelassen zu haben. Es ist jedoch unklar, ob dies an einer geringeren Nachfrage liegt oder aber an der Zurückhaltung der großen chinesischen Banken, in London den Preis für physisches Gold in die Höhe zu bieten. Ich vermute, dass Letzteres der Fall sein könnte, denn die Chinesen haben stets Gold gekauft, wenn Edelmetall verfügbar war, und den Preis nie in die Höhe getrieben.

Apropos China: Der IWF („Internationaler Währungsfonds“) gab diese Woche bekannt, dass China auf Basis der Kaufkraft die USA als größte Volkswirtschaft überholt. Das latente Potenzial Chinas, weitere Edelmetalle zu erwerben, ist angesichts einer Sparquote von über 40 % nun deutlich größer als das jeder anderen einzelnen Nation; Bedenken wegen einer nachlassenden Nachfrage sind daher im Wesentlichen kurzfristiger Natur.

Silber hingegen war sehr schwach, wie in der einleitenden Grafik zu sehen ist; es gab alle Gewinne dieses Jahres wieder ab und trieb das Gold-Silber-Verhältnis auf außergewöhnlich hohe 67. Interessanterweise scheint Silber als Edelmetall in außergewöhnlichem Tempo vom Markt zu verschwinden: Die Bestände an der Shanghai Futures Exchange sanken von 1.123 Tonnen vor einem Jahr auf heute 258 Tonnen. Auch die Comex-Bestände sind seit Ende Februar um 218 Tonnen zurückgegangen. Niemand scheint den Grund zu kennen, doch die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass industrielle Verbraucher das Metall bei diesen extrem niedrigen Preisen als Vorrat horten. Möglich ist auch, dass die chinesische Regierung Silber ihren strategischen Reserven hinzufügt.

Das Marktumfeld für Edelmetalle im weiteren Sinne ist äußerst ungewöhnlich. Die Erklärung des Offenmarktausschusses („FOMC“) wurde von der größten Verfehlung der BIP-Prognosen seit langer Zeit begleitet: Für das BIP des ersten Quartals war im Konsens eine Verlangsamung auf 1,2 % auf Jahresbasis erwartet worden, tatsächlich waren es nur 0,1 %. Zudem zeichnet sich ab, dass spätere Revisionen, insbesondere aufgrund enttäuschender Bauaufträge im März, den BIP-Wert deutlich in den negativen Bereich drücken werden. Dennoch erklärte das FOMC: „Die seit der Sitzung des Offenmarktausschusses im März eingegangenen Informationen deuten darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum zuletzt angezogen hat......“

Während die Fed pfeifend im Walde ihre Stimmung zu heben versucht, signalisieren die Renditen von US-Staatsanleihen ein Finanzsystem, das von Liquidität überschwemmt ist, sowie Zurückhaltung bei Investitionen in die Produktion. Die zehnjährige US-Staatsanleihe rentiert nur mit 2,63 %, und noch außergewöhnlicher ist, dass zehnjährige spanische Staatsanleihen bei 2,99 %, italienische bei 3,05 % und irische bei nur 2,81 % liegen. In Anbetracht dessen, dass die Staatsverschuldung überall in der schnellsten Geschwindigkeit der Geschichte gestiegen ist, abgesehen von Zeiten großer Kriege, müsste für diese Schulden ein erheblicher Risikoaufschlag bestehen.

Die logische Erklärung für eine Flucht in Finanzanlagen und Bargeld kann nur eine stockende US-Wirtschaft sein. Unternehmen sind an den Anleihemärkten sehr aktiv, refinanzieren jedoch nur bestehende Schulden.

Es fühlt sich wirklich so an, als stünde die Geldblase am Rand eines wirtschaftlichen Abgrunds. Ein Absturz lässt sich nur vermeiden, indem noch mehr Geld in das Problem gepumpt wird, was westliche Anleger schließlich dazu bewegen wird, Gold und Silber zu kaufen.

Ankündigungen der nächsten Woche

Montag.

Eurozone: Sentix-Index, Erzeugerpreise.
USA: ISM-Index für das nicht verarbeitende Gewerbe.

Dienstag.

Eurozone: Composite-PMI, Dienstleistungs-PMI, Einzelhandelsumsatz.
USA: Handelsbilanz, IBD-Verbraucheroptimismus.
Japan: Die BoJ veröffentlicht ihr Sitzungsprotokoll.

Mittwoch.

USA: Produktivität außerhalb der Landwirtschaft (vorläufig), Lohnstückkosten (vorläufig), Verbraucherkredite.

Donnerstag.

Großbritannien: BoE-Leitzins.
Eurozone: EZB-Einlagensatz.
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe

Freitag.

Japan: Frühindikator.
Großbritannien: Industrieproduktion, Produktion des verarbeitenden Gewerbes, Handelsbilanz, NIESR-BIP-Schätzung.
USA: Großhandelsbestände.

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