Marktbericht: Gold und Silber legen zu

Illustration accompanying Marktbericht: Gold und Silber legen zu
Bei insgesamt dünnen Umsätzen an der Comex legten Gold und Silber in dieser Woche zu. Im europäischen Handel notierte Gold heute Morgen bei 1.793 US-Dollar, 26 US-Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber bei 24,33 US-Dollar, ein Plus von 1,08 US-Dollar.

Die Edelmetalle befinden sich an einem interessanten Punkt. Wir können uns nur auf die Comex-Zahlen stützen, die vielleicht 10 % aller Derivate ohne Optionen abbilden. Wenn sie aber ein Anhaltspunkt sind, deuten die festere Grundstimmung, die niedrigen Umsätze bei Gold und der ausbleibende Anstieg des Open Interest auf klassische Bedingungen eines Bear Squeeze hin. Die Baissiers sind dabei überwiegend die Swaps, von denen drei Viertel auf die Handelsabteilungen von Edelmetallbanken entfallen. Diesen Händlern läuft die Zeit davon, denn die Basel-3-Frist in London endet in nur elf Wochen.

Laut den letzten Zahlen des Commitment of Traders (12. Oktober) dürften die Edelmetallbanken netto rund 117.000 Kontrakte leerverkauft haben, bei Netto-Short-Positionen der Swaps von insgesamt 159.774. Das entspricht 364 Tonnen Gold in Papierform, die abgebaut werden müssen. Unsere nächste Grafik zeigt den Geldwert der gesamten Swaps-Position: 41,8 Mrd. US-Dollar brutto und 28,1 Mrd. US-Dollar netto.

Illustration accompanying Marktbericht: Gold und Silber legen zu
Der Umsatz im Comex-Silberkontrakt war höher als bei Gold, doch auch hier veränderte sich das Open Interest im Wochenverlauf kaum. Das deutet eher auf Glattstellungen als auf neues Interesse hin und kann ebenfalls als positives Signal gewertet werden.

Die wichtigsten Basismetalle bleiben in Backwardation, bei Kupfer ist dies besonders auffällig. Offenbar war der Rohstoffhändler Trafigura nicht nur besonders optimistisch, sondern hat auch physisches Metall angehäuft und damit die LME-Lagerbestände geleert. Nickel erreichte Siebenjahreshochs, und auch die energieintensiven Raffinationskosten für Stahl, Aluminium und Zement wirken sich aus und schränken das Angebot ein.

Anekdotische Informationen aus China legen nahe, dass die Industrieproduktion unter unwirtschaftlichen Einsatzpreisen leidet, darunter steigende Energiekosten, sowie unter anhaltenden Logistikproblemen. In manchen Kreisen besteht die anhaltende Hoffnung, dass eine sinkende Produktion den Preisanstieg bei Industrie- und Rohstoffen dämpfen wird.

Das ist alles schön und gut, und es gibt weitere weltweite Belege für einen sich abzeichnenden Produktionseinbruch. Analysten, die sich allein auf Angebots- und Nachfragefaktoren konzentrieren, übersehen jedoch das größere Bild: die Auswirkung der Ausweitung von Geld- und Kreditmenge auf die Kaufkraft des Dollars. Wirtschaft, Geld und Kredit sind jedoch Themen, die selbst in Anlegerkreisen und in der Finanzwelt nicht allgemein verstanden werden.

Diese Kreise erkennen die Inflationsprobleme allmählich. Zunehmend sprechen sie von Stagflation, hinter der sich bei näherem Nachfragen ein Zustand verbirgt, den sie nicht verstehen. Wir können jedoch davon ausgehen, dass diese Beschreibung eine Zwischenstation auf dem Weg zu der Erkenntnis ist, dass nicht die Rohstoffpreise steigen, sondern die Kaufkraft der Fiat-Währungen sinkt.

Ein weiterer Schritt auf diesem Weg ist die Berichterstattung über die Erholung des Bitcoin, dessen Kurs am Mittwoch mit 67.000 US-Dollar ein neues Hoch erreichte. Die Analysten von JP Morgan werden im heutigen Daily Telegraph mit den Worten zitiert: „Wir glauben, dass die Wahrnehmung des Bitcoin als besserer Inflationsschutz als Gold der Hauptgrund für den aktuellen Aufschwung ist … und seit September eine Umschichtung von Gold-[Fonds] in Bitcoin-Fonds ausgelöst hat.“

Das entspricht einem Verständnis der Geldpolitik, das bis zu einem Argument über das relative Angebot von Fiat-Geld und Bitcoin reicht, von einer fundierten Analyse aber weit entfernt ist. Unsere letzte Grafik zeigt das Verhältnis von Gold zu Bitcoin.

Illustration accompanying Marktbericht: Gold und Silber legen zu
Wie trendfolgende Amateuranleger stürzen sich die Kunden von JP Morgan auf etwas, das sie nur halb verstehen, nachdem das Verhältnis von 5,00 auf 0,03 gefallen ist (99,4 %!). Das zeigt, dass Gold als Inflationsschutz im Vergleich zum Emporkömmling Bitcoin außerordentlich günstig ist.






Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors bzw. der Autoren und geben nicht die Ansichten von Goldmoney wieder, sofern dies nicht ausdrücklich angegeben ist. Der Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Finanz-, Steuer-, Anlage- oder Buchhaltungsberatung durch Goldmoney oder den Autor bzw. die Autoren dar. Sie sollten ohne vorherige unabhängige fachliche Beratung nicht auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Informationen handeln und sich nicht auf sie verlassen. Es wurde darauf geachtet, dass die Informationen im Artikel verlässlich sind; Goldmoney übernimmt jedoch keine Gewähr dafür, dass sie richtig, vollständig und aktuell sind und/oder als Hinweis auf künftige Ergebnisse verstanden werden können, und sie sollten nicht als solche herangezogen werden. Goldmoney haftet nicht für Ansprüche, Verluste, Schäden oder Unannehmlichkeiten, die sich aus den in diesem Artikel enthaltenen Informationen oder Meinungen ergeben, und jede Handlung auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Meinungen und Informationen erfolgt auf eigenes Risiko.
Zurück zu den Goldmoney Analysen