Marktbericht: Gold und Silber konsolidierten in dieser Woche

Gold und Silber konsolidierten in dieser Woche nach einem explosiven Anstieg um 30 US-Dollar bei Gold (1,20 US-Dollar bei Silber) am vergangenen Freitag. An den Edelmetallmärkten hat sich die Stimmung von extremem Pessimismus zu „weiß nicht“ gewandelt. Zugleich notieren Gold und Silber über ihren 50- und 100-Tage-Durchschnitten, was die Einschätzung der technischen Analyse allmählich drehen könnte.

Die Backwardation hält in London weiterhin an; die Gold-Forward-Sätze sind nun schon seit acht Wochen negativ. Dies deutet auf eine anhaltende Knappheit bei physischem Gold hin und wird durch Berichte über lange Lieferzeiten bei größeren Mengen von 400-Unzen-Barren bestätigt. Als Ursache wird eine übermäßige Nachfrage nach dem Umschmelzen in kleinere Barren genannt. Dies wiederum bestätigen die britischen Goldexporte in die Schweiz, wo die Raffinerien bekanntermaßen ebenfalls sehr stark mit dem Umschmelzen in kleinere Barren beschäftigt sind.

Die Haltung der Londoner Edelmetallbanken wirkt außerordentlich selbstgefällig. Es gibt kaum Anzeichen für eine Terminabsicherung ihrer Short-Positionen, darunter solcher, die aus der Veräußerung verleihenen Goldes sowie aus ihren Verbindlichkeiten aus nicht zugeteilten Konten entstehen. Aufschlussreich ist die Lektüre ihrer Kommentare: Die Analysten führen Glattstellungen von Baisse-Positionen an (nur ein vorübergehendes Phänomen), eine nachlassende asiatische Nachfrage oberhalb von 1.400 US-Dollar (Inder und Chinesen handeln und denken demnach nur in US-Dollar und ignorieren die Realitäten ihrer eigenen Währungen!) sowie rätselhafte Fibonacci-Retracements (die Eingeweide dieser Ziege sagen uns etwas). Es scheint, als klammerten sie sich kurzsichtig an Strohhalme.

An den US-Terminmärkten werden unterdessen die Short-Positionen weiter aufgelöst, und die Anleger wurden von dieser Rally gründlich auf dem falschen Fuß erwischt.

Kommentatoren bringen Gold erwartungsgemäß mit Syrien und damit mit den Ölpreisen in Verbindung. Bis zur verpatzten Abstimmung im britischen Unterhaus gestern galt es als nahezu sicher, dass der Westen aggressiv handeln würde. Rätselhaft ist, warum dies als notwendig erachtet wird: Glauben wir, dass die moralische Empörung der Politiker über Chemiewaffen es erfordert, Assad eine deutliche Lektion zu erteilen, oder wird eine andere Agenda verfolgt? Die Indizien sprechen für Letzteres.

Die unmittelbare Reaktion der USA auf die Abstimmung im britischen Parlament bestand zwar in der Drohung mit einem Alleingang, doch dürfen wir heute im Laufe des Tages damit rechnen, dass Obama von einer Intervention abrückt, während Großbritannien und die USA sich neu formieren und umdenken. Dies könnte zu größerer Unterstützung für die Rebellen und zu einer Verschärfung des Bürgerkriegs führen.

Anderswo geraten die Währungen der Schwellenländer im Sog der Debatte über die Drosselung der Anleihekäufe unter starken Druck. Die indische Rupie fiel diese Woche deutlich gegenüber dem US-Dollar und hat seit Jahresbeginn nun über 20 % an Wert verloren. Auch andere Schwellenländerwährungen, von der Türkei bis Brasilien, wurden durch höhere US-Anleiherenditen ähnlich geschwächt. Als etablierter Analyst einer Londoner Bank dürfte man zu dem Schluss kommen, dass höhere Goldpreise in Rupien, Yuan, Real usw. die Asiaten abschrecken werden.

Nächste Woche

Im Mittelpunkt stehen BIP-bezogene Daten, während Änderungen der Leitzinsen in Großbritannien und der Eurozone unwahrscheinlich sind.

Montag: Großbritannien: Halifax-Hauspreisindex, Markit-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. Eurozone: Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. Deutschland: Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. Frankreich: Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe.

Dienstag: Eurozone: Erzeugerpreise. USA: Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, Bauausgaben.

Dienstag: Eurozone: Composite-Einkaufsmanagerindex, Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, BIP (2. Schätzung), Einzelhandelsumsatz. USA: Handelsbilanz.

Donnerstag: Großbritannien: Leitzins der Bank of England. Eurozone: Leitzins der EZB. USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Produktivität außerhalb der Landwirtschaft, Lohnstückkosten, Auftragseingang der Industrie, ISM-Index für das nicht verarbeitende Gewerbe. Alle Länder: G20-Gipfel in St. Petersburg.

Freitag: Japan: Frühindikator. Großbritannien: Industrieproduktion, Produktion im verarbeitenden Gewerbe, Handelsbilanz. USA: Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft, Arbeitslosigkeit.

Zurück zu den Goldmoney Analysen