Seit Gold am 11. Dezember bei 1.237 US-Dollar seinen Tiefpunkt erreicht hat, ist es um 6,5 % gestiegen, Silber um 9,5 %. Im frühen europäischen Handel heute Morgen lag Gold bei 1.317,50 US-Dollar und Silber bei 17,15 US-Dollar.
Unsere Titelgrafik wurde auf das Dezembertief rebasiert, um diese Zahlen abzubilden. Es ist das dritte Jahr in Folge, in dem Gold ein schwieriges viertes Quartal erlebt hat und genau dann seinen Tiefpunkt erreichte, als die Fed den Leitzins (Fed Funds Rate) angehoben hat. Das Geschehen konzentriert sich dabei stets auf den Terminhandel, insbesondere an der Comex. Termingeschäfte existieren, damit Märkte Preisschwankungen ausgleichen können, indem Spekulanten den Produzenten das Preisrisiko abnehmen. Stattdessen ist die Comex zur Arena geworden, in der Preisschwankungen übertrieben werden, wie die letzten drei Jahresenden belegen.
Wir erwähnen dies, um darauf hinzuweisen, dass ein Großteil des Anstiegs der Edelmetallpreise auf die Preisdrückung zurückzuführen ist, die im September begann. Das Jahresende hatte erheblichen Anteil daran; in diesem Sinne ist die außergewöhnliche Entwicklung der letzten vier Wochen eine Normalisierung der Preise. Allerdings unterschied sich die Entwicklung von Gold in einem wesentlichen Punkt von der des Silbers, nämlich bei der Veränderung des Open Interest (OI) an der Comex.
Das OI von Gold fiel am 12. Dezember auf einen Tiefstand von 446.618 Kontrakten, bevor es bei geringen bis moderaten Umsätzen kräftig anstieg und gestern vorläufig bei 545.091 lag. Dieser plötzliche Anstieg um 100.000 spiegelt sich in unserer zweiten Grafik wider.
Die Entwicklung bei Silber war bizarr: Das OI sank tatsächlich, während der Preis stieg. Dies zeigt unsere dritte Grafik.
Im letzten Monat des vergangenen Jahres, in dem der Silberpreis um mehr als 9 % zulegte, sank das OI um 10.000 Kontrakte. Das deutet darauf hin, dass Silber einen heftigen Bear Squeeze durchlief. Mit anderen Worten: Alle Gewinne sind allein darauf zurückzuführen, dass Spekulanten völlig auf dem falschen Fuß erwischt wurden.
Unsere letzte Grafik ordnet diese Bewegungen technisch ein.
Gold ist in einen Widerstandsbereich vorgedrungen, der durch die Hochs von 2016 und das Septemberhoch des vergangenen Jahres markiert wird und ungefähr zwischen 1.310 und 1.360 US-Dollar liegt (die gepunkteten Linien). Angesichts des Signals der gleitenden Durchschnitte, die nun beide in bullischer Formation nach oben drehen, benötigt Gold womöglich keine nennenswerte Konsolidierung, um nach oben auszubrechen. Sollte Gold diese früheren Hochs überwinden, scheint es wenig zu geben, was einen raschen Anstieg in Richtung 2.000 US-Dollar aufhalten könnte.
Die Dynamik ist zweifellos beeindruckend. Wie sich der Preis entwickelt, hängt jedoch wie immer maßgeblich von der Entwicklung des Dollars ab, der das vergangene Jahr mit dem Verlust nahezu seiner gesamten Rally im vierten Quartal beendet hat. 2018 dürfte für den Dollar ein entscheidendes Jahr werden, da China bei der Verwendung der eigenen Währung für die Handelsabwicklung offensiver vorgeht. Offenbar wird China noch in diesem Monat an der Shanghai Futures Exchange einen auf Yuan lautenden Öl-Terminkontrakt einführen, mit dem Öllieferanten ihr Yuan-Risiko absichern können. Dadurch könnten sie die Bezahlung für Öl in der chinesischen Währung annehmen. Falls dies eintritt, wäre es der Anfang vom Ende des Petrodollars, der das grundlegende Fundament für den globalen Status des Dollars war. Wird der Petrodollar im asiatischen Handel verworfen, wäre das ein schwerer Schlag für die Kaufkraft des Dollars.
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