Diese Woche gaben Gold und Silber deutlich nach. Hauptgrund war der Verfall des Juni-Goldfutures an der Comex, dessen Open Interest in den letzten sechs Handelssitzungen um 120.000 Kontrakte abgebaut wurde. Ein Teil davon wurde in spätere Kontrakte übertragen, doch das Open Interest verzeichnete dennoch einen deutlichen Rückgang, wie die folgende Grafik zeigt.

Seit heute Morgen sind nur noch 5.454 Juni-Kontrakte zu verkaufen oder zu verlängern, sodass dieser Verkaufsdruck im Wesentlichen vorüber ist. Bei Silber, das nicht durch einen aktiven Kontraktverfall unter Druck stand, ist das Open Interest stetig gestiegen, wie die nächste Grafik zeigt.

Der Anstieg des Open Interest bei Silber scheint auf zunehmende Short-Positionen in der Kategorie Managed Money zurückzugehen; Hedgefonds rechnen also vermutlich damit, dass der Juli-Kontrakt ausläuft. Jedenfalls haben ihre Short-Positionen nun ein neues Rekordhoch erreicht, was aus technischer Sicht positiv ist.

Man sollte bedenken, dass Managed Money, also letztlich „Hedgefonds“, selten eine reine Wette eingeht. Stattdessen kauft oder verkauft diese Kategorie Edelmetalle als Gegenstück zu Positionen in anderen Märkten. Der Verkauf von Gold- und Silberfutures, während die physische Nachfrage das Angebot weiterhin übersteigt, ist daher bis zu einem gewissen Grad das Gegenstück zu Anleihe- und Aktienpositionen. Dabei ist anzumerken, dass die Anleiherenditen in diesem Jahr eingebrochen sind, wie die Grafik der zehnjährigen US-Staatsanleihen zeigt.

Das Phänomen beschränkt sich nicht auf US-Staatsanleihen: Auch risikoreiche Anlagen wie spanische und italienische 10-jährige Anleihen rentieren inzwischen mit unglaublich niedrigen 2,81 % bzw. 2,92 %. Es ist eine offene Frage, wie der Goldpreis reagieren wird, wenn diese offensichtlichen Anomalien korrigiert werden.
Abseits des Trubels an den Märkten gab es einige wichtige Entwicklungen für Gold. Russland gab vergangene Woche bekannt, im April 28 Tonnen Gold gekauft zu haben, obwohl seine Währungsreserven durch Kapitalabflüsse unter Druck stehen. Wladimir Putin erklärte auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg, „für uns (Russland und China) ist es wichtig, Gold- und Währungsreserven auf rationale und sichere Weise zu hinterlegen“. Da Währungsreserven stets auf Konten bei den jeweiligen ausländischen Zentralbanken der Herkunftsländer gehalten werden, muss er sich auf Gold und nicht auf Währungen bezogen haben.
Unterdessen weitet China seine Kontrolle über den globalen Goldhandel aus, indem es eine ausgewählte Gruppe westlicher Banken eingeladen hat, sich an einer zusätzlichen Handelsplattform in der Freihandelszone Shanghai zu beteiligen.
Russland und China sind somit das geopolitische Gegenstück zu zwei Ringwadenfischern, die ahnungslose Golddealer an den westlichen Papiermärkten still einkreisen. Beobachten Sie, was mit dem Goldpreis geschieht, wenn der Boden des Netzes zugezogen wird und jeden Ausweg über niedrigere Preise abschneidet, bevor die Händler erkennen, dass sie unausweichlich gefangen sind.
Nächste Woche
Montag.
Japan: Fahrzeugabsatz.
Großbritannien: Halifax-Hauspreisindex, Hypothekengenehmigungen der BoE, Verbraucherkredite, besicherte Kreditvergabe, Geldmenge M4.
Eurozone: Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe.
USA: Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, Bauausgaben, ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe.
Dienstag.
Großbritannien: Nationwide-Hauspreise, CIPS/Markit-Einkaufsmanagerindex Bau.
Eurozone: HVPI-Schnellschätzung, Arbeitslosigkeit.
USA: Fabrikaufträge, IBD-Verbraucheroptimismus, Fahrzeugabsatz.
Mittwoch.
Eurozone: Einkaufsmanagerindex Gesamtwirtschaft, Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen, BIP (2. Schätzung), Erzeugerpreise.
USA: ADP-Beschäftigungsbericht, Handelsbilanz, Lohnstückkosten (endgültig), ISM-Index für das nicht verarbeitende Gewerbe.
Donnerstag.
Eurozone: Einzelhandelsumsatz, EZB-Einlagensatz.
Großbritannien: BoE-Leitzins.
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.
Freitag.
Japan: Frühindikator.
Großbritannien: Handelsbilanz.
USA: Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft, Beschäftigung im Privatsektor, Arbeitslosigkeit, Verbraucherkredite.