
Gold und Silber haben in dieser Woche unterschiedliche Wege eingeschlagen: Gold stieg gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag um 53 $ und notierte im morgendlichen Handel in Europa bei 1.735 $. Silber hingegen gab per Saldo leicht um 2 Cent nach und notierte bei 17,65 $.
Diese Divergenz lässt sich auf die Comex zurückführen. Der Goldkontrakt tut sich schwer, da die Bullion-Banken versuchen, ihre Short-Positionen abzubauen, ohne den Preis nach oben zu treiben. Der Rückgang in der vergangenen Woche auf das untere 1.670-$-Niveau war nicht mehr als der Versuch, vor dem Hintergrund eines sich verbessernden Aktienmarktes einige Stop-Loss-Orders auszulösen. Auf dem niedrigeren Niveau fanden sich offensichtlich Käufer, die Gold gestern wieder an die Obergrenze der jüngsten Handelsspanne (1.744 $) führten.
Bei Silber sind die Swap-Händler als Gruppe unterdessen leicht short positioniert und arbeiten geduldig darauf hin, long zu gehen. Zu ihren Gunsten läuft der Juli-Kontrakt aus. Obwohl für den Wechsel in den September-Kontrakt ein Aufschlag von 15 bis 20 Cent zu zahlen ist, nehmen die Käufer diesen nicht nur in Kauf, sondern das Open Interest steigt auch weiter an. Dies zeigt unsere nächste Grafik.

Ein deutlich steigendes Open Interest zeigt uns, dass der zugrunde liegende Trend aufwärtsgerichtet ist. Trotz des massiven Anstiegs nach dem dramatischen Kurseinbruch zu Jahresbeginn, der in unserer Titelgrafik zu erkennen ist, hat Silber noch erheblichen Aufholbedarf. Unsere nächste Grafik zeigt das Gold-Silber-Verhältnis, aus dem hervorgeht, dass Silber offenbar einen bedeutenden Wendepunkt überschritten hat.

Ausverkäufe, wie sie im Gold-Silber-Verhältnis zu erkennen sind, sind die sichersten Indikatoren für einen Trendwechsel. Auch wenn die anfängliche Erholung möglicherweise eine Konsolidierung benötigt, zeigt diese Grafik, dass Rückgänge des Silberpreises im Verhältnis zu Gold Kaufgelegenheiten darstellen. Diese Erkenntnis deutet zusammen mit dem gestiegenen Open Interest darauf hin, dass Silber in den kommenden Monaten Gold übertreffen wird.
Auch der Goldpreis dürfte sich keineswegs schwach entwickeln. Die amerikanische Nachfrage nach physischem Metall ist regelrecht in die Höhe geschnellt, und die Importzahlen belegen, dass große Mengen Edelmetall in die USA gelangen. Ein Blick auf die Comex zeigt, warum: Bislang belaufen sich die zur Lieferung vorgesehenen und erfüllten Kontrakte auf 160 Tonnen Gold, eine bislang beispiellose Menge. Händler zahlen Aufschläge auf den Kassapreis, um physisches Edelmetall zu erwerben, da der Terminmarkt die einzige Quelle für nennenswerte Liefermengen in den USA ist.
Bisher begnügten sich diejenigen, die ein Engagement in physischem Metall wünschten, mit dem Halten von ETFs wie GLD. Und tatsächlich werden physische ETFs weiterhin von Institutionen und Family Offices gekauft. Dass erhebliche Mengen Edelmetall für den direkten Besitz erworben werden, deutet darauf hin, dass einige große Marktteilnehmer beginnen, über das Systemrisiko nachzudenken.
In dieser Woche gab es eine weitere Erklärung des FOMC. Die Fed kauft nun unbegrenzt Staatsanleihen und andere Schuldtitel, und die Zinsen bleiben in den nächsten zwei Jahren bei null. Trotz der bisherigen massiven Geldspritze, die ihre Bilanz bereits auf über 7 Billionen $ aufgebläht hat, sehen wir nun wieder steigende Repo-Aktivitäten, was darauf hindeutet, dass Liquiditätsprobleme der Banken zurückkehren.
Und schließlich etwas, das bei einer allgemeinen Flucht in die Sicherheit eigentlich nicht passieren sollte: Der Dollar scheint nachzugeben, wie unsere letzte Grafik zeigt.
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