Am Montag stieg Gold bis an die Marke von 1.300 $, Silber bis auf 18,00 $.
Angesichts des starken Anstiegs in der letzten Aprilwoche überraschte es kaum, dass eine Konsolidierung anstand. Dieser Entwicklung lag die jüngste Schwäche des Dollars zugrunde, der sich mithilfe eines schwächeren Yen leicht erholte; der Yen hatte in diesem Jahr bisher kräftig gegenüber dem Dollar zugelegt.
Dabei ist zu bedenken, dass ein niedrigerer an den Devisenmärkten notierter Kurs einen schwachen Dollar und einen starken Yen bedeutet. Der Yen ist seit dem 30. Januar von 121 auf 105,6 je Dollar am vergangenen Dienstag gestiegen, ein Zuwachs von über 10 %. Daher ist eine technische Korrektur des Dollars fällig, die den Goldpreis voraussichtlich unter Druck setzen dürfte.
Das herausragende Merkmal von Gold in dieser Woche war die rekordhohe Ausweitung des Open Interest an der Comex, die das nächste Diagramm zeigt.
An den sechs Handelstagen vom vorherigen Mittwoch bis zum vergangenen Mittwoch stieg das Open Interest um 70.338 Kontrakte. Das entspricht 7.033.800 Unzen bzw. 218,77 Tonnen oder rund 9 Mrd. $ in Papiergeld. Im selben Zeitraum stieg Gold von 1.240 $ bis an die Marke von 1.300 $. Dies zeigt uns, dass ein Papierangebot von 9 Mrd. $ nicht ausreichte, um die Kaufnachfrage ohne einen Preisanstieg um 60 $ aufzufangen.
Sobald die Märkte diese Gefahren erkennen, dürfte der Goldpreis weiter steigen. Marktanalysten werden eine solche Bewegung mit ziemlicher Sicherheit auf nachlassende Sorgen vor Zinserhöhungen zurückführen. Damit würden sie jedoch die Wahrscheinlichkeit übersehen, dass der Dollar schwächer wird und nicht Gold steigt. Zumindest für europäische Händler macht dies den Weg frei, physisches Gold bei negativen bis null Haltekosten zu kaufen. Es ist ein wenig so, als würde die Versicherung einen dafür bezahlen, dass man sich gegen eine finanzielle Katastrophe absichert.
Nach einem Anstieg um 250 $ von 1.048 $ im Dezember vergangenen Jahres hätte man erwartet, dass Verkäufe in dieser Größenordnung den Preis zumindest wieder in Richtung 1.200 $ drücken. Der Markt ist technisch stark überkauft, was dem oben beschriebenen überverkauften Zustand des Dollars entspricht, und daher ebenso anfällig für kurzfristige Gewinnmitnahmen. Tatsächlich zeigt das OI-Diagramm, dass der letzte Anstieg des Open Interest dem Goldpreis offenbar die Spitze genommen hat.
Gestern schienen Händler mehrfach zu versuchen, den Goldpreis zu drücken. Den Höhepunkt bildete ein Rückgang auf 1.269 US-Dollar gegen 18:30 Uhr Londoner Zeit, als Europa und der Osten faktisch nicht am Markt waren. Das hielt nicht lange an, und innerhalb weniger Stunden erholte sich der Preis auf 1.278 US-Dollar. Dass in einem technisch derart überkauften Markt bei Kursrückgängen gekauft wird, ist unerwartet. Heute Morgen eröffnete Gold im frühen europäischen Handel stabil.
So viel zur Comex. Bei der Analyse der Goldnachfrage muss man nicht nur die Aufteilung zwischen Papiergold und dem echten Metall berücksichtigen, sondern auch, dass die Comex nur einen Bruchteil des Marktes ausmacht. Der verborgene außerbörsliche Markt (OTC) ist schlicht enorm, und erst diese Woche hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die Zahlen zum Jahresende 2015 veröffentlicht. Die OTC-Golderivate beliefen sich auf 286 Mrd. US-Dollar bzw. 269.811.321 Unzen bzw. 8.392 Tonnen und waren damit fast vierzigmal so groß wie die Comex. Zur BIZ-Zahl sind weitere 109 Mrd. US-Dollar an Goldoptionen hinzuzurechnen. Diese Zahlen liegen über denen des vorangegangenen Halbjahres.
Angesichts der relativ geringen Menge an lieferbarem Gold, die zu einem bestimmten Zeitpunkt im Markt verfügbar ist, kann der Goldpreis bei einem solchen Ausmaß außerbörslicher Spekulation äußerst volatil werden. Insgesamt neigt das Finanzsystem dazu, als ursprünglicher Stillhalter auf der Verkäuferseite der Golderivate zu stehen und sich teilweise durch Terminlieferverträge der Minen und durch aus dem Geld liegende Optionen abzusichern. Zu diesen Summen müssen jedoch die nicht zugeteilten Konten im Edelmetallhandel der Banken hinzugerechnet werden, die weitere Short-Positionen darstellen. Die Käuferseite besteht im Allgemeinen aus Raffinerien und Verarbeitern sowie Investmentfonds. Das verleiht der derzeitigen, weithin unerwarteten Wiederaufnahme des Aufwärtstrends bei Edelmetallen einen zusätzlichen Reiz.
Die Nachrichtenlage scheint für Gold günstig zu sein, zumal sich selbst in offiziellen Kreisen die Erkenntnis durchsetzt, dass die üblichen wirtschaftspolitischen Hebel keine Wirkung mehr zeigen. Die breitere Öffentlichkeit erkennt allmählich die Schrecken negativer Zinsen und dass die Auswege aus dieser schädlichen Sparsteuer wahrscheinlich versperrt werden. Erst diese Woche hat die EZB das Ende des 500-Euro-Scheins angekündigt, der nach 2018 nicht mehr ausgegeben wird. Negative Zinsen und der Rückzug hochwertiger Banknoten werden die Nachfrage nach physischem Gold mit großer Wahrscheinlichkeit erhöhen.
Damit der Leser nicht glaubt, es sei Zeit für Gewinnmitnahmen, zeige ich abschließend noch eine letzte Grafik, die technisch ermutigend ist.

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