
Während die Rohstoffpreise auf die Entwicklungen in der Ukraine reagierten, legten die Edelmetalle zunächst kräftig zu, bevor sich an allen Märkten eine allgemeine Konsolidierung einstellte. Nach einem Hoch von 2.070 US-Dollar am Dienstag gab Gold nach und notierte im heutigen Vormittagshandel in Europa bei 1.990 US-Dollar, per Saldo 19 US-Dollar höher als zu Wochenbeginn. Silber erreichte 26,93 US-Dollar, bevor es heute Morgen auf 25,80 US-Dollar zurückfiel, per Saldo ein Plus von 15 Cent.
Auch die Ölpreise gaben nach: WTI notiert heute Morgen bei 108 US-Dollar, nachdem es zuvor 129,40 US-Dollar erreicht hatte. Auch die Flucht in die Sicherheit von Fiat-Währungen hat sich umgekehrt, wie unsere nächste Grafik zur zehnjährigen US-Staatsanleihe von Trading Economics zeigt.

In der vergangenen Woche fiel die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe von über 2 % bis zum letzten Freitag auf 1,68 %, bevor es vor dem Wochenende zu einer Erholung kam. In dieser Woche stieg die Rendite wieder auf 2 %. Das zeigt, dass sich der Markt per Saldo weniger um den Krieg in der Ukraine sorgte und stärker um die deutlich negativen Realrenditen. Zur Bestätigung wurde gestern bekannt gegeben, dass die US-Verbraucherpreisinflation im Februar erwartungsgemäß auf 7,9 % gestiegen ist.
An der Comex ist das Open Interest bei Gold über die jüngsten Niveaus gestiegen, was die Swaps unter Druck setzt, die den Großteil der Short-Seite ausmachen. Bei den Swaps handelt es sich überwiegend um Handelsabteilungen von Edelmetallbanken.
In Geldwerten liegen ihre Brutto-Short-Positionen inzwischen auf Rekordniveau.
In diesem neuen Rohstoffumfeld werden die Edelmetallbanken ihre Short-Positionen eindeutig verringern wollen, bevor diese weiter außer Kontrolle geraten. Zu Jahresbeginn waren 23 Swaps mit einer durchschnittlichen Position von 1,67 Mrd. US-Dollar short; genau genommen waren es 28. Am vergangenen Dienstag waren 23 Swaps mit einer durchschnittlichen Position von 2,59 Mrd. US-Dollar short. Wir kennen die Abweichung vom Durchschnitt nicht, doch es könnte einzelne Händler geben, die mit mehr als 3 Mrd. US-Dollar an Comex-Kontrakten short sind. Ihre leitenden Manager und Treasury-Abteilungen werden mit Sicherheit Fragen stellen.
Dies könnte das kontraintuitive Verhalten der Märkte erklären, als das Open Interest an der Comex am Dienstag, dem Tag des Goldhochs, um 7.209 Kontrakte sank. Das ist nur möglich, wenn Produzenten/Händler und Swaps gemeinsam ihre Short-Positionen verringern. Da die Preise auf diese Niveaus stiegen, haben die Produzenten ihre Short-Positionen wahrscheinlich erhöht. Das kann nur bedeuten, dass die Swaps ihre Short-Positionen um bis zu 15.000 bis 20.000 Kontrakte reduziert haben. Die tatsächlichen Zahlen erfahren wir, wenn heute nach Handelsschluss die Commitment-of-Traders-Daten veröffentlicht werden.
Unterdessen ist eine Verhandlungslösung für die Invasion der Ukraine nicht in Sicht. Doch in dieser Woche hat Sergej Lawrow, der russische Außenminister, in Verhandlungen mit seinem ukrainischen Amtskollegen in der Türkei faktisch einen möglichen Weg zu Friedensverhandlungen geöffnet. Verpflichtet sich die Ukraine zur Neutralität und tritt weder der NATO noch der EU bei, kann Russland einlenken. Das könnte machbar sein, doch die USA werden wahrscheinlich davor zurückschrecken, Putin so leicht davonkommen zu lassen. Es muss nicht dazu kommen, aber für Edelmetallhändler lässt es sich nicht ausschließen. Und wenn ernsthafte Verhandlungen beginnen, könnten die Preise kurzfristig etwas nachgeben.
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