Der Feiertag Thanksgiving in den USA am Donnerstag hat die Comex-Märkte ausgedünnt, wenngleich die Volumina bei Gold recht stabil geblieben sind. Dies ist zweifellos darauf zurückzuführen, dass der Dezember-Kontrakt ausläuft. Im frühen europäischen Handel heute Morgen (Freitag) wurden die Gold- und Silberpreise niedriger gestellt, sodass Gold auf Wochensicht um 2 US-Dollar auf 1.222 US-Dollar gestiegen und Silber um fünf Cent auf 14,28 US-Dollar gefallen ist.

Der aktive Dezember-Kontrakt läuft nächste Woche aus, und 233.000 Kontrakte müssen glattgestellt oder verlängert werden. Zögern die Short-Positionen jedoch, ihre Positionen zu verlängern, dürfte es zu einem Short Squeeze kommen. Die Händler werden sich an Nachrichten und Gerüchten orientieren, und im Vorfeld des G20-Treffens in Buenos Aires am 30. November dürfte es davon reichlich geben.
Der Handel findet vor dem Hintergrund eines extremen Ungleichgewichts bei den Terminpositionen statt. Die nächste Grafik zeigt die Netto-Short-Position der Kategorie „Managed Money“, die sich weiterhin auf Rekordniveau befindet.

In der vergangenen Woche (13. November) betrug die Netto-Short-Position 79.190 Kontrakte, was nach wie vor nahe an bisher nie gesehenen Werten liegt. Wir warten auf die Commitment-of-Traders-Zahlen für den vergangenen Dienstag, die heute nach Handelsschluss veröffentlicht werden sollen. Dennoch bleibt der Goldpreis trotz aller Negativität hartnäckig über 1.200 $ und noch hartnäckiger über dem Augusttief von 1.160 $.
Diese Faktoren deuten stark darauf hin, dass eine leichte Abschwächung dieser Negativität zu einem deutlich höheren Goldpreis führen dürfte. Auch saisonale Faktoren sind günstig: Seit 2013 hat Gold in jedem Dezember zugelegt, mit einem durchschnittlichen Kursgewinn von 18 %.
Ein Faktor, der die Goldbären ermutigt, ist der jüngste Einbruch des Ölpreises. Seit dem 26. Oktober ist WTI von 67,59 $ auf heute Morgen 53,17 $ gefallen. Saudi-Arabien hat seine Förderung auf Rekordwerte erhöht und soll zuletzt an manchen Tagen 11 Millionen Barrel erreicht haben, gegenüber normaleren 10 bis 10,5 Mio. Barrel pro Tag. Präsident Trump dankte den Saudis gestern dafür, die Produktion erhöht und den Ölpreis gesenkt zu haben. Das Vorgehen Saudi-Arabiens scheint der Preis dafür zu sein, die Amerikaner nach dem Mord an Khashoggi bei Laune zu halten.
Falls das zutrifft, dürfte dieser Einbruch des Ölpreises als deflationärer Belastungsfaktor für Gold nicht lange anhalten. Unterdessen baut Russland weiterhin physisches Gold auf und meldete für Oktober den Kauf von weiteren 28 Tonnen, womit sich der Bestand auf 2.065 Tonnen erhöht. Es kann kaum Zweifel daran geben, dass Russland Gold als monetäre Absicherung gegenüber dem Dollar betrachtet und es logischerweise zu einem künftigen Zeitpunkt an den Rubel koppeln wird. Dies könnte von Entwicklungen in China und dessen Handelsstreit mit den USA beeinflusst werden.
Es wird allgemein erwartet, dass das G20-Treffen das Forum für die ersten Schritte zur Beilegung der Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA sein wird. Wenden sich die USA von China ab, können wir davon ausgehen, dass China schlicht seine eigenen Pläne weiterverfolgt und US-Unternehmen von Chinas Infrastruktur- und Technologiechancen ausschließt. Ich habe an anderer Stelle argumentiert, dass China möglicherweise seine Währung stabilisieren und preisabhängige Exportgeschäfte mit den USA opfern muss. In diesem Fall sind die Tage des Dollars gezählt.
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