Marktbericht: Gold auf Zehnjahreshoch

Screenshot 2020 07 10 um 2.05.04 PM

Gold erreichte am Mittwoch den höchsten Stand seit zehn Jahren und notierte am Spotmarkt bei bis zu 1.818,5 US-Dollar sowie beim August-Kontrakt an der Comex bei 1.829,8 US-Dollar. Silber stieg sprunghaft auf 19 US-Dollar am Spotmarkt und auf 19,45 US-Dollar für den aktiven September-Kontrakt. Seither haben Gewinnmitnahmen die Preise wieder zurückgeführt. Im frühen Handel in der europäischen Zeitzone notierte Gold bei 1.803 US-Dollar, 29 US-Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber bei 18,65 US-Dollar, 65 Cent mehr als zu Wochenbeginn.

Unsere nächste Grafik zeigt, dass der Goldpreis und das Open Interest an der Comex gemeinsam steigen, wobei das Open Interest noch weiteres Aufwärtspotenzial zu haben scheint.


Screenshot 2020 07 10 um 2.06.47 PM

Das Open Interest hat noch einen gewissen Spielraum, bevor man sagen kann, dass Gold gemessen daran überkauft ist. Mit anderen Worten: Die Long-Positionen der Spekulanten sind insgesamt weiterhin moderat, insbesondere wenn der jüngste Ausschlag auf über 700.000 Kontrakte das neue Normal ist. Da der Preis seit Mitte März jedoch um 330 US-Dollar gestiegen ist, sind Gewinnmitnahmen zu erwarten.

Für die Edelmetallbanken gibt es allerdings ein Problem: Die Kategorie „Managed Money“ ist nur moderat netto long, wie unsere nächste Grafik zeigt.



Screenshot 2020 07 10 um 2.12.44 PM

Die gestrichelte Linie bei etwa 110.000 Netto-Long-Kontrakten markiert die langfristige Durchschnittsposition. Mit 138.555 Kontrakten könnte diese Spekulantengruppe leicht weitere 100.000 Long-Kontrakte aufnehmen, bevor der Markt tatsächlich überkauft ist. Unterdessen haben Produzenten und Händler, die gemeinsam mit den Swaps die Gegenseite der Spekulanten-Longs einnehmen, ihre Positionen reduziert, wodurch das Gewicht auf die Swaps verlagert wird. Die nachstehende Tabelle fasst die Lage anhand der zuletzt verfügbaren Daten zusammen.


Screenshot 2020 07 10 um 2.14.29 PM

In Geldwerten waren die Swaps zum Quartalsende mit einem Rekordwert von 36,6 Mrd. US-Dollar short. Bei den Swaps handelt es sich um die Handelsabteilungen der Edelmetallbanken, die in der Vergangenheit ihr Geld verdient haben, indem sie die Gegenseite der Managed-Money-Longs einnahmen, die überwiegend von Hedgefonds stammen. Bei einer Netto-Long-Position von 138.555 besteht theoretisch noch etwas Spielraum, Hedgefonds aus dem Markt zu drängen, doch angesichts eines schwächeren Dollars und unbegrenzter Geldmengenausweitung kaufen sie nun, wenn auch verspätet.

Die Ironie dabei ist, dass eine größere Bereinigung an der Comex, die es den Swaps erlauben würde, ihre Short-Positionen zu schließen, möglicherweise eine Rückkehr der Bedingungen nach der Lehman-Krise erfordern würde, als der Goldpreis zunächst fiel, bevor er auf neue Höchststände stieg. Nicht einmal das ist sicher, denn eine neue Bankenkrise dürfte sich kaum auf eine einzige bedeutende Bank beschränken. Sie würde mit ziemlicher Sicherheit grenzüberschreitend verlaufen und die Banken mit Edelmetall-Handelsabteilungen betreffen. Ein Short-Swap-Halter müsste daher unter Umständen eine Insolvenz riskieren, um seine Edelmetallposition zu schließen.

Unterdessen nehmen in den USA die Zahlungsrückstände bei Hypotheken und Mieten zu, was wahrscheinlich zu einer neuen Insolvenzwelle führen wird, während die Covid-19-Fälle in Florida, Texas und Arizona offenbar zunehmen. Weitere Verzögerungen bei der Rückkehr zur Normalität und ein allgemeiner Eindruck von Unzulänglichkeit seitens der Regierung helfen nicht.

Präsident Trump hat in seinem Wahljahr keine gute Krise erlebt. Sie hat seinem politischen Ansehen nicht gutgetan, und in den Umfragen liegt er deutlich zurück. Bidens wachsende Beliebtheit dürfte schlecht für den Dollar und damit gut für Gold sein.




Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors bzw. der Autoren und geben nicht die Ansichten von Goldmoney wieder, sofern dies nicht ausdrücklich angegeben ist. Der Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt weder seitens Goldmoney noch seitens des Autors bzw. der Autoren eine Rechts-, Finanz-, Steuer-, Anlage- oder Buchhaltungsberatung dar. Sie sollten sich nicht auf Informationen in diesem Artikel stützen oder auf deren Grundlage handeln, ohne zuvor unabhängigen fachlichen Rat einzuholen. Es wurde Sorgfalt darauf verwendet, dass die Informationen in diesem Artikel verlässlich sind; Goldmoney übernimmt jedoch keine Gewähr dafür, dass sie richtig, vollständig und aktuell sind und/oder als Hinweis auf zukünftige Ergebnisse verstanden werden können, und sie sollten nicht als solcher herangezogen werden. Goldmoney haftet nicht für Ansprüche, Verluste, Schäden oder Unannehmlichkeiten, die sich aus Informationen oder Meinungen in diesem Artikel ergeben. Jede Handlung auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Meinungen und Informationen erfolgt auf Ihr eigenes Risiko.

Zurück zu den Goldmoney Analysen