Marktbericht: Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage verschiebt sich

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Gold und Silber haben sich diese Woche konsolidiert und in einer engen Spanne gehandelt. Gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag gab Gold im frühen Handel in Europa um 9 $ auf 1.725 $ nach. Im gleichen Zeitraum stieg Silber um 27 Cent auf 17,47 $. Die unterschiedliche Entwicklung lässt sich darauf zurückführen, dass der aktive Juni-Kontrakt für Gold an der Comex ausläuft.

Die Bedingungen bei beiden Metallen bleiben angespannt: Die Spekulanten an der Comex wollen ihre Positionen unbedingt halten und rollen sie weiter, obwohl die Aufschläge zwischen 10 und 30 $ schwanken. Bei Silber notiert der aktive Juli-Kontrakt mit einem Aufschlag von 50 Cent auf den Kassakurs, was bei Gold 50 $ entspricht. Die Anspannung bei beiden Metallen deutet darauf hin, dass Angebotsengpässe die Terminmärkte bestimmen, da Swap-Händler nicht mehr bereit sind, die Aufschläge per Arbitrage auszugleichen.

Eine Erklärung dafür lieferte gestern ein Artikel von Reuters, wonach einige Edelmetallbanken nicht mehr bereit seien, große Positionen an der Comex zu halten. Entsprechende Marktgerüchte gibt es seit Ende März, als der Arbitragehandel mit Exchange for Physical (EFP) zusammenbrach. Es gibt jedoch einen weiteren Grund, warum Handelsabteilungen gezwungen sind, ihre offenen Positionen zu verringern oder ganz aufzulösen: das Bestreben der Banken, Risiken zu begrenzen. Die Vorgesetzten der Händler haben von Gier auf Angst umgeschaltet.

Gleichzeitig nimmt die Nachfrage nach physischem Gold und Silber zu, was die Zurückhaltung in der Spekulantengruppe erklärt. Am Donnerstag veranstaltete die LBMA ein Online-Webinar, um Berichten über Lieferschwierigkeiten entgegenzutreten. Vertreter der drei großen Tresoranlagen bestätigten, dass logistische Schwierigkeiten überwunden wurden, um sehr große Mengen Gold nach New York zu liefern. Somit besteht das zusätzliche Problem der Comex neben dem Abbau der Bücher durch die Swap-Händler in der stark steigenden physischen Nachfrage.

Marktwirtschaftlich erleben wir eine dramatische Verschiebung im Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage, die sich wahrscheinlich nur durch höhere Preise auflösen wird. Wäre es lediglich ein vorübergehendes Logistikproblem gewesen, das die EFP-Möglichkeit zum Erliegen brachte, würde irgendwann wieder Normalität einkehren. Offenbar ist dies nicht der Fall.

Die Dynamik hinter dem Markt ist in den USA deutlich erkennbar. In Europa könnte ein weiteres Problem entstehen, nämlich das der physischen Liquidität. Sie ist nicht vorhanden oder zumindest sehr gering. Die Vergabe von Gold aus dem Pool der Zentralbanken dürfte eingeschränkt sein, da die Leihzinsen negativ sind. Zudem deuten die Aktienkurse europäischer Banken stark darauf hin, dass das Systemrisiko für alle Inhaber eines nicht zugeteilten Edelmetallkontos zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Der Mythos, dass die Edelmetallbanken in London Gold im Überschuss halten und deshalb an der Comex short sind, steht kurz vor einer Bewährungsprobe.

Zu weiteren Nachrichten: Die anfängliche Wirkung der geldpolitischen Expansion bestand nicht darin, die Realwirtschaft zu stützen, sondern die Vermögenspreise aufzublähen. Die Spannung zwischen der Finanzwelt und der wirtschaftlichen Realität nimmt zu. Das Congressional Budget Office prognostiziert für das laufende zweite Quartal einen auf das Jahr hochgerechneten Rückgang des BIP um 40 %: Doch wen kümmert das, wenn die Aktienkurse steigen?

Schließlich veranschaulicht die nachstehende Grafik die Baisse aller wichtigen Währungen gegenüber Gold, eine bildliche Darstellung dessen, worin das eigentliche Problem liegt.



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