Gold und Silber wurden in dieser Woche nach dem ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahl am vergangenen Sonntag am Terminmarkt verkauft. Man möchte uns glauben machen, die Hedgefonds seien gegenüber Edelmetallen optimistisch gewesen, weil Marine Le Pen gute Chancen gehabt habe, in der zweiten Runde Präsidentin zu werden.

Dazu wäre es nie gekommen, denn das zweistufige Verfahren sortiert Kandidaten außerhalb des Establishments fast immer erfolgreich aus. Als daher alle unterlegenen Kandidaten ihre Anhänger aufforderten, den anderen Kandidaten der zweiten Runde zu unterstützen, Emmanuel Macron, einen eloquenten ehemaligen Banker von Rothschild, hätte niemand, der Geld auf Gold gesetzt hatte, überrascht sein dürfen.
Vielleicht sind Hedgefonds-Manager allesamt Narren, oder aber die Edelmetallbanken (Bullion Banks) nutzten die Gelegenheit, den Markt zu drücken und ihre Short-Positionen zu schließen. Allein anhand der Comex-Historie erscheint Letzteres am wahrscheinlichsten.
Aber vielleicht sind die Hedgefonds ja doch Narren. Sie scheinen immer wieder auf denselben Trick hereinzufallen. Das Ergebnis ist, dass sie diese Woche auf der falschen Seite von Kursrückgängen lagen: Gold fiel um 22 $ auf 1.266 $ im frühen europäischen Handel heute Morgen, Silber um 60 Cent auf 17,35 $. Silber hat nun, wie unsere Titelgrafik zeigt, schlechter abgeschnitten als Gold, obwohl es in einem Aufwärtstrend Gold um fast das Doppelte übertreffen sollte. Wird dies also zu einem Bärenmarkt für Edelmetalle?
Die Antwort finden wir beim Dollar, denn an der Comex ist Gold eher ein Dollar-Handel als ein Gold-Handel. Mit anderen Worten: Händler, die einen starken Dollar erwarten, gehen bei Gold short. Und möglicherweise unterliegt Silber derselben Überlegung, hinzu kommt die Einschätzung, dass die Prognosen für die industrielle Nachfrage angesichts der nachlassenden Konjunktur in den USA nach unten korrigiert werden sollten.
Dies sind lediglich Comex-Argumente, die auf dem Rückgang des Yen-Dollar-Kurses beruhen. Dieser deutet auf eine Kapitalflucht aus Japan angesichts des wachsenden Kriegsrisikos mit Nordkorea hin. Und tatsächlich ist die instinktive Reaktion des spekulativen Kapitals (Hot Money) zwangsläufig, Yen zu verkaufen und Dollar zu kaufen. Doch das ist nur eine Geschichte des Hot Money. Die eigentliche Geschichte findet sich immer im physischen Markt.
Letzte Woche wurde eine interessante Nachricht bekannt: Chinas reichster Mann, Li Ka-shing, stockt seine Bestände an physischem Gold in Barrenform auf und sucht aggressiv nach Goldreserven im Boden. Offenbar steht Li in der Welt der Milliardäre nicht allein da. Li dürfte sehr gut informiert sein, nicht nur über die Nachfragetrends in Asien, sondern auch über Chinas Geopolitik und deren wahrscheinliche Auswirkungen auf Gold. Darüber hinaus gibt es Anzeichen für eine Wiederbelebung der chinesischen Nachfrage, gemessen an den Entnahmen in Shanghai, und wir stellen fest, dass Russland seine Goldreserven weiter aufstockt: Im März wurden weitere 800.000 Unzen gekauft.
So sieht es also aus. Das Hot Money sagt, ein erhöhtes Kriegsrisiko bedeute, dass man den Dollar kaufen müsse, und das echte Geld sagt, man solle Gold kaufen. Man kann nur schlussfolgern, dass physische Käufer dies als Gelegenheit sehen, sich so viel Edelmetall wie möglich zu sichern. Und letztlich ist es genau das, was den Goldpreis bestimmt, nicht eine Papierwährung, die möglicherweise als weniger riskant gilt als andere Papierwährungen.
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