Marktbericht: FOMC rudert zurück

FOMC, Bild eins

Die Edelmetallpreise gaben vor der zweitägigen FOMC-Sitzung dieser Woche, die am Mittwoch endete, nach.

Gold war um 30 $ gefallen, machte dies aber am Mittwochnachmittag (EST) nach Bekanntgabe der Zinsentscheidung binnen weniger Minuten vollständig wieder wett. Das FOMC beschloss, die Zinsen nicht anzuheben, obwohl die Kerninflation und die Beschäftigungszahlen angezogen hatten, was darauf hindeutet, dass die Ziele des FOMC erreicht waren. Die Aussicht, dass das duale Mandat der Fed erfüllt wird, hatte Beobachter, die mehrheitlich eine Verschiebung der Zinserhöhung erwarteten, zu der Einschätzung bewogen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung im nächsten Monat steigen sollte. Auch diese Aussicht scheint sich nun entfernt zu haben.

Nach der Zinsentscheidung des FOMC schwächte sich der Dollar gegenüber allen wichtigen Währungen deutlich ab. Die Märkte haben plötzlich das Inflationsrisiko erkannt, da der Kernverbraucherpreisindex in den vergangenen Monaten auf 2,3 % gestiegen ist. Betrachtet man diesen vorlaufenden Indikator der Preisinflation zusammen mit der Zurückhaltung der Fed bei der Straffung, liegt es auf der Hand, warum der Dollar leiden sollte.

Gold stieg im Wochenverlauf um 30 $ und notierte heute Morgen im frühen Londoner Handel bei 1.259 $, Silber legte um 1,40 $ auf 16,05 $ zu. Der Anstieg von Silber gestern (Donnerstag) und im frühen Londoner Handel heute Morgen fällt besonders auf, und es markiert neue Jahreshöchststände. Wie im einleitenden Diagramm zu sehen ist, hat es gegenüber Gold einen Teil des verlorenen Terrains aufgeholt. Silber zeigt also endlich eine bessere relative Stärke, und das Gold-Silber-Verhältnis fiel unter 80 auf 78,5.

Die wahrscheinlichste Erklärung für den plötzlichen Schub bei Silber ist eine Kombination aus geringer Marktliquidität und einer Belebung der Nachfrage nach Industriemetallen. Auch Kupfer legte kräftig zu, und seit dem Tiefstand von Mitte Januar ist der Preis um mehr als 18 % gestiegen. Auch die Preise für Nickel und Eisenerz sind deutlich gestiegen. Der Anstieg der Industriemetallpreise kam an den westlichen Kapitalmärkten völlig unerwartet und könnte teilweise auf unerwartete chinesische Nachfrage zurückzuführen sein, da gehortete Dollar zugunsten der Bevorratung wichtiger Metalle abgestoßen werden.

Die Stärke der Industriemetallpreise sowie die des Rohöls, das in fünf Wochen um 50 % gestiegen ist, verheißt Gutes für Edelmetalle in den kommenden Wochen. Die Grundstimmung am Markt wirkt positiv, auch wenn Gold nach seinem Schub infolge des FOMC verhalten war. Obwohl die Bullion-Banken jede Gelegenheit nutzen, um einen Teil ihrer Short-Positionen zu schließen, ist es ihnen nicht gelungen, die Bullen zu verunsichern. Das untenstehende Diagramm zeigt das Open Interest von Gold an der Comex; man erkennt, wie Veränderungen des Open Interest mit den Preisbewegungen korrelieren.

FOMC, Bild zwei

Dies ist normales Verhalten in einem Bullenmarkt. Zudem ist anzumerken, dass das Open Interest in der zweiten Woche in Folge neue Rekordwerte von über 500.000 Kontrakten erreicht hat, was die zugrunde liegende Kaufkraft im Markt anzeigt.

Es ist bekannt geworden, dass Munich Re, der große deutsche Rückversicherer, seinen Bestand an physischem Gold aufstockt. Dabei ist zu beachten, dass Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds von negativen Zinsen stark betroffen sind; im Fall von Munich Re besteht zudem ein erhebliches Engagement nicht nur in der Eurozone, sondern auch in Japan, der Schweiz und Skandinavien. Munich Re hat seit jeher sein Portfolio in Anlagen wie physisches Gold diversifiziert. Es ist daher vernünftig zu erwarten, dass andere Versicherer sowie Pensionsfonds diesem Beispiel folgen werden, solange die Renditen von Anleihen auf dem aktuellen niedrigen Niveau gedrückt bleiben.

 

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