Die Gold- und Silberpreise tendierten über die Woche per saldo mit leichter Aufwärtstendenz und einer festen Grundstimmung. Das Interesse wurde durch den US-Feiertag Thanksgiving beeinträchtigt. Angesichts der nahezu sicheren Erhöhung der Federal Funds Rate im nächsten Monat sowie des bevorstehenden Auslaufens aktiver Kontrakte an der Comex ist das durchaus ein Ergebnis. Am Montag wurden Goldfutures mit einem Nominalwert von 2 Mrd. $ verkauft (15.000 Kontrakte bzw. 47 Tonnen Gold), offenbar gezielt so getimt, dass der Preis sinkt, was er auch tat: um 17 $.

Gold ist auf Wochensicht nur um 3 $ gefallen, nachdem es sich vom Einbruch am Montag erholt hat, und notierte heute Morgen im frühen europäischen Handel bei 1.290 $. Silber verlor 18 Cent auf 17,10 $. In den nächsten Handelssitzungen könnte es jedoch zu erheblichen Schwankungen kommen, denn der letzte Handelstag für die Novemberkontrakte auf Gold und Silber ist kommender Dienstag, der 28.. November. Gestern Abend waren noch 165.772 Novemberkontrakte auf Gold offen, die entweder in den Februar gerollt oder glattgestellt werden müssen. Die Leerverkäufer werden den Goldpreis bei der geringsten Gelegenheit mit Sicherheit drücken. Bei Silber sind 59.236 Kontrakte zu rollen, die Lage ist dort also ebenso brüchig.
Vermutlich wird es von der Entwicklung des Dollars abhängen. Die ganze Woche über führte ein schwacher Dollar zu festeren Edelmetallpreisen und umgekehrt. Der Dollar-Index (Cash-Future) verlor auf Wochensicht rund 1 %, da es Anzeichen gibt, dass die US-Wirtschaft nicht vorankommt und die Zinserhöhung im Dezember daher auf absehbare Zeit die einzige bleiben wird. Möglicherweise sind die schlechten Nachrichten für den Dollar bereits eingepreist; in diesem Fall könnte er bis zum Handelsschluss am Dienstag anziehen und die Edelmetallpreise belasten.
Dennoch war die Widerstandsfähigkeit von Gold und Silber bemerkenswert, denn sie trotzten jedem Versuch, den Preis zu drücken. Um einen Eindruck davon zu gewinnen, worauf die Bären abzielen, betrachten wir den Goldpreis und die relevanten gleitenden Durchschnitte.
Der Goldpreis bleibt zwischen dem 55-Tage- und dem 200-Tage-Durchschnitt gefangen, wobei der 55-Tage-Durchschnitt nach unten dreht. Sollten die Leerverkäufer den Preis unter den 200-Tage-Durchschnitt (derzeit bei 1.265 $) drücken können, ist zu erwarten, dass die auf technische Analyse setzenden Long-Anleger aufgeben. Eine Bewegung in Richtung der gepunkteten Linie knapp über der Marke von 1.200 $ wäre dann noch vor dem Jahresende denkbar.
Im Großen und Ganzen möchten die Leerverkäufer mindestens 50.000 Kontrakte, möglicherweise mehr, glattstellen, um sich für 2018 zu positionieren. Solange sie den Preis nicht unter die Marke von 1.265 $ zwingen können, ist das ein schwieriges Vorhaben. Außerdem verändert sich der Charakter des Comex-Marktes hin zu einer stärkeren Nutzung von physischem Edelmetall.
Im täglichen Gold-Volumenbericht gibt es eine Zeile mit der Bezeichnung EFP (Exchange for Physical), in der Kontrakte gegen physische Ware abgewickelt werden. In den letzten drei Jahren haben die EFPs zugenommen, bis hin zu 157.094 Kontrakten (488,6 Tonnen) bei Gold in den vergangenen vier Wochen. Am vergangenen Montag wurden außergewöhnliche 21.418 Kontrakte gegen 66,62 Tonnen getauscht, was bis auf 3.235 Kontrakte den gesamten Rückgang der offenen Dezemberkontrakte um 24.513 erklärte. Dieses Phänomen ist nicht erklärt, doch es deutet darauf hin, dass zunehmend physische Ware netto geliefert und abgenommen wird. Wohin sie geht, ist nicht klar, aber es legt zumindest nahe, dass der Terminmarkt nicht länger der Schwanz ist, der mit dem physischen Hund wedelt.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors bzw. der Autoren und geben nicht die Ansichten von Goldmoney wieder, sofern dies nicht ausdrücklich angegeben ist. Der Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt weder seitens Goldmoney noch seitens des Autors bzw. der Autoren eine Rechts-, Finanz-, Steuer-, Anlage- oder Buchhaltungsberatung dar. Sie sollten sich nicht auf Informationen in diesem Artikel stützen oder auf deren Grundlage handeln, ohne zuvor unabhängigen fachlichen Rat einzuholen. Es wurde Sorgfalt darauf verwendet, dass die Informationen in diesem Artikel verlässlich sind; Goldmoney übernimmt jedoch keine Gewähr dafür, dass sie richtig, vollständig und aktuell sind und/oder als Hinweis auf zukünftige Ergebnisse verstanden werden können, und sie sollten nicht als solcher herangezogen werden. Goldmoney haftet nicht für Ansprüche, Verluste, Schäden oder Unannehmlichkeiten, die sich aus Informationen oder Meinungen in diesem Artikel ergeben. Jede Handlung auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Meinungen und Informationen erfolgt auf Ihr eigenes Risiko.