
Gold in US-Dollar war per saldo kaum höher: Der Preis lag im frühen europäischen Handel heute Morgen (Freitag) bei 1.300,75 US-Dollar, verglichen mit 1.298,80 US-Dollar zum Handelsschluss am vergangenen Freitag. Silber entwickelte sich besser als Gold und stieg im selben Zeitraum um 38 Cent auf 17,17 US-Dollar. Es scheint, dass sich die überverkaufte Position bei Silber an der Comex unter den Bedingungen eines Bear Squeeze allmählich auflöst.
Die Entscheidung des FOMC, die Fed Funds Rate anzuheben, wurde weithin erwartet. Powells zuversichtlicher Ton auf der Pressekonferenz kam für manche überraschend, da er den Gegensatz zur Geldpolitik der EZB verdeutlichte, die weiterhin äußerst expansiv ausgerichtet ist. Wie können in der heutigen globalisierten Wirtschaft selbst unter Berücksichtigung der von Trump betriebenen fiskalischen Stimulierung derart gegensätzliche Positionen der beiden mächtigsten Zentralbanken entstehen?
Auf die Entscheidung des FOMC folgte gestern die monatliche Pressekonferenz der EZB, in der diese ihre bisherige Position nur teilweise aufgab. Die Anleihekäufe (QE) enden im Dezember, die Zinsen bleiben jedoch noch ein weiteres Jahr negativ. Die Folge war, dass der Wechselkurs EUR/USD von 1,183 auf 1,155 fiel. Der Euro-Preis für Gold stieg dadurch um 25 Euro. Die nächste Grafik zeigt Gold in Euro und in den anderen wichtigen Währungen.

Die EZB ist nicht die einzige Zentralbank, die sich so verhält, als befänden sich ihre Währungsräume noch immer in einer tiefen Rezession. Jede Lockerung der Zinsunterdrückung erfolgte nur widerwillig, und die Folgen für das allgemeine Preisniveau dürften letztlich äußerst inflationär sein. Die Fed ist die einzige Zentralbank, die die Gefahr erkennt und die Geldbedingungen zügig zu normalisieren versucht.
In den Währungen der Schwellenländer bauen sich absehbar Spannungen auf, wobei die schwächeren rasch an Wert verlieren. Von Ankara über Jakarta bis Brasília werden die Zinsen deutlich steigen müssen, um diese Währungen zu schützen, und alle Volkswirtschaften der Schwellenländer haben übermäßige Booms bei Gewerbeimmobilien erlebt. Höhere Zinsen werden in diesen Ländern mit Sicherheit zu Immobilienkrisen führen.
Eine neue Krise in den Schwellenländern steht daher bevor, die die Asienkrise von vor zwanzig Jahren in den Schatten stellen könnte. Das könnte für Gold bedeutsam sein, weil es die Nachfrage, insbesondere in Asien, erheblich steigern dürfte. Die Zentralbanken sind sich der möglichen Wirkung auf den Goldpreis sehr wohl bewusst, und Russland und andere dürften ihre Goldreserven daher schneller aufstocken.
Wir warten ab, ob diese Entwicklungen eintreten. In der Zwischenzeit könnten die Märkte den Dollar stützen, aufgrund der Zinsdifferenz zu den Euro-Zinsen und in Erwartung einer Flucht in die Qualität infolge der Probleme in den Schwellenländern. Dann stellt sich die Frage, ob die Fed im Fall einer neuen Finanzkrise in den Schwellenländern einen Rückzieher machen wird. Meiner Ansicht nach ist das unwahrscheinlich.
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