Marktbericht: Faktoren zum Quartalsende

Nach der kräftigen Rally der Vorwoche setzten Gold und Silber diese Woche vor dem Quartalsende ihren Aufwärtstrend nicht fort. Gold verlor gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag 24 US-Dollar und notierte heute (Donnerstag) im morgendlichen Handel in Europa bei 1.324 US-Dollar, Silber verlor 33 Cent und stand zuletzt bei 16,25 US-Dollar. Trotz einer verkürzten Handelswoche an den europäischen und kanadischen Märkten waren die Umsätze an den Terminmärkten für Gold und Silber recht robust.

Gold- und Silberpreise im Vergleich in USD

Ein wichtiger Einfluss in dieser Woche war die Zeit vor dem Ende des ersten Quartals, wenn die Händler der Bullion-Banken, die dauerhaft short positioniert sind, ihre Positionen bewerten. In der Regel liegt es in ihrem Interesse, dass die Preise zum Quartalsende möglichst niedrig sind, und es besteht kaum ein Zweifel, dass dieses Motiv eine Rolle gespielt hat. Zugleich lief der April-Kontrakt für Gold aus, was den Preis zusätzlich unter Verkaufsdruck setzte. In der Folge ist das Open Interest bei Gold von gesunden 564.301 Kontrakten auf ein moderateres Niveau von 510.034 Kontrakten gefallen.

Die Edelmetalle hatten zudem mit Gegenwind durch eine leichte Erholung des Dollars zu kämpfen, der auf Basis des handelsgewichteten Index seit vergangenem Freitag um 0,6 % gestiegen ist. Das ist unerheblich, hat aber das Kaufinteresse an Gold gedämpft.

An den Terminmärkten war die Entwicklung bei Silber die außergewöhnlichste: Das Metall ist noch stärker überverkauft, wie die folgende Grafik der Nettopositionen der Managed-Money-Kategorie zeigt.

Nettopositionen bei Silber

Es ist ungewöhnlich, dass die Kategorie Managed Money, also Hedgefonds, netto short in Silber ist. Dieser Extremwert von -35.833 Kontrakten wurde am 20. März verzeichnet und wird morgen nach Handelsschluss mit Stand vom 27. März aktualisiert. Die tatsächlichen Short-Positionen erreichten mit 68.342 Kontrakten einen Rekord, und dies in einem Markt, dem die Liquidität fehlt, um eine derart extreme Position leicht aufzulösen.

Seit der Veröffentlichung dieser Commitment-of-Traders-Zahlen waren die Handelsumsätze bei Silber robust, und nach der Rally der Vorwoche wurde der Preis wieder in Richtung der jüngsten Tiefs zurückverkauft. Das Open Interest, das am 20. März mit 216.042 Kontrakten bereits hoch war, ist weiter auf 227.334 gestiegen und liegt damit nicht weit unter dem Allzeitrekord von 234.787 Kontrakten vom vergangenen April.

Es ist rätselhaft, warum Hedgefonds eine derart extreme Position in Silber eingenommen haben. Möglicherweise wird eine Short-Position in Silber als gehebelte Wette auf einen steigenden Dollar angesehen. Unedle Metalle haben im vergangenen Monat insgesamt nachgegeben, da die spekulativen Positionen in China unter Druck geraten sind. Möglicherweise ist es eine Kombination dieser Faktoren, die Spekulanten dazu veranlasst, Silber an der Comex leerzuverkaufen.

Während Silber stark überverkauft ist, ist Gold auf der Skala von überkauft/überverkauft weitgehend neutral. Es befindet sich weiterhin in dem in früheren Marktberichten erwähnten Konsolidierungsband, wie in der folgenden Grafik durch die gestrichelten Linien dargestellt.

Der 200-Tage-Durchschnitt von Gold

Technisch betrachtet wirkt Gold gut untermauert, doch es besteht immer die Möglichkeit, dass der Preis den 200-Tage-Durchschnitt testet, der derzeit bei 1.290 US-Dollar liegt. Alternativ gilt: Sobald der Quartalsendeffekt überstanden ist und Gold die Marke von 1.360 US-Dollar durchbricht, hat es eine Basis für eine deutlichere und nachhaltigere Rally abgeschlossen.


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