Marktbericht: Extreme werden noch extremer

GoldSilverUSD 17July

Gold und Silber setzten im Wochenverlauf ihre leichte Abwärtsbewegung fort. Gold notierte heute im frühen europäischen Handel bei 1.145 US-Dollar, Silber bei 15,02 US-Dollar.

Das sind nahezu die niedrigsten Kurse seit 2010. Gleichzeitig haben die Aktien kräftig zugelegt, und der S&P 500 Index liegt nur knapp unter seinem Allzeithoch.

Es ist eine verrückte Welt. An der New York Stock Exchange haben die Wertpapierkredite (Margin Debt) mit 500 Mrd. US-Dollar einen Rekordstand erreicht. Das ist etwa das Doppelte des Niveaus auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase im Jahr 2000, als die Bewertungen die höchsten jemals verzeichneten Werte erreichten. Und das zu einer Zeit, in der Chinas Aktienmärkte zumindest einen ernsthaften Bärenmarkt begonnen haben, im schlimmsten Fall einen Börsencrash wie 1929.

Dieser irrationalen Euphorie steht die Lage am Goldmarkt gegenüber: Die Hedgefonds waren noch nie so pessimistisch. Die Gold-Short-Positionen der Hedgefonds (Managed Money) an der Comex haben Rekordstände erreicht, wie die folgende Grafik zeigt (die gepunktete Linie ist der langfristige Durchschnitt).

MMGoldShorts 17July

Selbst das Verhältnis von Long- zu Short-Positionen, die Nettoposition, ist auf 2.099 Kontrakte gefallen, den niedrigsten jemals verzeichneten Wert.

ManagedMoneyNetGold 17July

Dies sind die Positionen, die der Bericht „Commitment of Traders“ (COT) für Dienstag, den 7. Juli, ausweist. Seitdem ist das Open Interest bei Gold bei fallendem Goldpreis stark gestiegen, was nur möglich ist, wenn weitere Short-Positionen eröffnet wurden. Das Open Interest zeigt unsere nächste Grafik.

ComexGold 17July

Das Open Interest ist seit dem letzten COT-Bericht um 18.575 Kontrakte gestiegen. Geht man davon aus, dass diese Kontrakte Hedgefonds entsprechen, die nach Griechenlands Zustimmung zu neuen Verhandlungen weitere Short-Positionen aufgebaut haben, dann dürften die Short-Positionen der Hedgefonds nicht nur auf beispiellose 120.000 Kontrakte (entsprechend 373,24 Tonnen) gestiegen sein, sondern sie dürften erstmals überhaupt netto short sein.

Noch bizarrer war die Lage bei Silber am 7. Juli: Die Short-Kontrakte von Managed Money beliefen sich auf 56.859 Kontrakte, was bei jeweils 5.000 Unzen einem Drittel der jährlichen Minenproduktion entspricht. Der einzige mildernde Umstand ist, dass das Open Interest seit Dienstag, dem 7. Juli, um etwa 9.000 Kontrakte gesunken ist. Vor den COT-Zahlen von heute Abend können wir nicht wissen, ob per Saldo die Long- oder die Short-Positionen von Managed Money aufgelöst werden. Falls Gold ein Anhaltspunkt ist, könnten es die Long-Positionen sein. Die nächste Grafik zeigt die zuletzt bekannte Position.

MMShortsSilver 17July

Bei beiden Metallen bestehen diese extremen Positionen in einer Zeit geringer und weiter abnehmender Liquidität an den zugrunde liegenden Edelmetallmärkten. Die Hedgefonds ignorieren nicht nur diesen wichtigen Faktor, sondern scheinen auch nicht zu bemerken, dass die professionellen Händler ihre Positionen glattstellen.

Wir sehen, dass extreme Extreme an Finanzmärkten an der Tagesordnung sind, die dem Risiko scheinbar gleichgültig gegenüberstehen. Zweifellos haben Hedgefonds, die Terminkontrakte auf Edelmetalle leerverkauft haben, um Aktien zu kaufen, gut verdient. Möglicherweise verlassen sie sich darauf, dass die Zentralbanken diese Strategie absichern: mit einer Yellen-Put-Option für Aktien und einer Call-Option für Gold. Doch wie die chinesische Zentralbank heute bestätigen kann, ist diese Strategie nicht narrensicher, und wenn sie schiefgeht, dann gründlich.

Nächste Woche

Montag

Eurozone: Leistungsbilanz.
Großbritannien: CBI-Industrietrends.
Japan: BoJ veröffentlicht Sitzungsprotokoll.

Dienstag

Japan: Frühindikator (endgültig).
Großbritannien: Staatsverschuldung.

Mittwoch

Japan: Index der Gesamtwirtschaftsaktivität, Handelsbilanz nach Zollabfertigung.
Großbritannien: Veröffentlichung des BoE-MPC-Protokolls.
USA: FHFA-Immobilienpreisindex, Verkäufe bestehender Wohnimmobilien.

Donnerstag

Großbritannien: BBA-Hypothekengenehmigungen, Einzelhandelsumsätze, CBI-Handelsumsätze.
Eurozone: Verbrauchervertrauen (Schnellschätzung).
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Frühindikator.

Freitag

Eurozone: Einkaufsmanagerindex Gesamtwirtschaft (Schnellschätzung), Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe (Schnellschätzung).
USA: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe (Schnellschätzung), Verkäufe neuer Wohnimmobilien.

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