Marktbericht: Eine sehr ruhige Woche

Die Aktivität bei Edelmetallen war diese Woche außergewöhnlich ruhig; die Bewegungen wurden von der Ukraine bestimmt. Am vergangenen Freitag wurde deutlich, dass sich die Lage verschlechterte, sodass Gold um 30 US-Dollar auf 1.305 US-Dollar sprang und am Montag um weitere 10 US-Dollar stieg. Am Mittwoch, als Herr Putin einige versöhnliche Äußerungen machte, fiel Gold um 30 US-Dollar auf 1.287 US-Dollar. Abgesehen von diesen beiden Bewegungen tendierte Gold lediglich in engen Spannen seitwärts, unter den ruhigsten Bedingungen seit Langem.

Allerdings hat sich das Open Interest in Gold an der Comex stetig aufgebaut, wie die nachstehende Grafik zeigt.

Open Interest Gold

Der Anstieg scheint größtenteils auf Swap-Short-Positionen zurückzugehen. Man kann zwar nie sicher sein, was ein Swap-Kontrakt absichert, doch am wahrscheinlichsten handelt es sich um Out-of-the-Money-Puts, die Händler zur Absicherung bestehender und neu eröffneter Long-Positionen gekauft haben. Beachten Sie, dass Gold am 24. April bei 1.269 US-Dollar seinen Tiefpunkt erreichte und die seither folgenden Rücksetzer einen steigenden Preistrend etabliert haben. Wir können dies als Anzeichen für eine zugrunde liegende Stärke werten; angesichts der vielen pessimistischen Analysten ist die Attraktivität einer Absicherung über Optionen jedoch nachvollziehbar.

Beim Silber ging der Trend dahin, dass das Open Interest bei fallendem Silberpreis zurückging, wie die zweite Grafik zeigt.

Open Interest Silber

In diesem Fall hat die Kategorie „Producers and Merchants“ seit Mitte April sowohl Long- als auch Short-Positionen reduziert und Positionen im nächstfälligen Kontrakt (Mai) geschlossen, statt sie zu verlängern. Die Produzenten bauen ihre Terminabsicherungen (Shorts) ab, während auf der Long-Seite, wie ich letzte Woche berichtet habe, die Händler eingelagertes Silber sowohl an der Comex als auch an der Shanghai Futures Exchange stetig abgezogen haben.

Bei den Wirtschaftsnachrichten war die wohl wichtigste Meldung, dass die Verbraucherkredite in den USA im März um 17,5 Mrd. US-Dollar zunahmen, wovon nur 1,1 Mrd. US-Dollar auf Kreditkartenschulden entfielen; der Rest bestand überwiegend aus Studienkrediten und Autokrediten. Studierende, die keine Beschäftigung finden, verlängern stattdessen ihre Ausbildung und verschulden sich weiter. Rechnet man diesen Faktor heraus, ist von den erhofften „Animal Spirits“ nichts zu erkennen.

Dieses enttäuschende Ergebnis wurde dadurch bestätigt, dass die Anleiherenditen erneut fielen, was darauf hindeutet, dass sich die westlichen Volkswirtschaften höchstwahrscheinlich am Rand eines erneuten Abschwungs befinden. Bei all dem Gelddrucken scheint das Finanzsystem mit Geld überschwemmt zu sein, nach dem die Realwirtschaft kaum Nachfrage zeigt. Zur Bestätigung hat EZB-Präsident Draghi erklärt, er werde die Geldpolitik im Juni lockern, falls nötig (mit anderen Worten: Er wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tun).

Es sei noch einmal betont: Angesichts der geldpolitischen Expansion der vergangenen Jahre ist es bemerkenswert, dass die fortgeschrittenen Volkswirtschaften davon nichts aufnehmen. Seit dem Abklingen der Lehman-Krise haben Analysten eine wirtschaftliche Erholung erwartet. Bereinigt um die tatsächliche Inflation, nicht um die fiktiven Deflatoren, die sich staatliche Statistiker ausgedacht haben, ist der Konsum tatsächlich zurückgegangen. Das Problem für die Entscheidungsträger besteht darin, dass wir offenbar an der Schwelle zu einer tieferen Rezession stehen; in diesem Fall würde die Fehlbewertung der Märkte aufgrund der Nullzinsen schonungslos offengelegt.

Termine der kommenden Woche

Montag.

USA: Haushaltsdefizit.
Japan: Economy Watchers' Survey.

Dienstag.

Eurozone: ZEW-Konjunkturerwartungen.
USA: Importpreisindex, Einzelhandelsumsätze, Lagerbestände der Unternehmen.

Mittwoch.

Großbritannien: Durchschnittsverdienste, Arbeitslosenantragsquote (Claimant Count), ILO-Arbeitslosenquote.
Eurozone: Industrieproduktion.
USA: Erzeugerpreisindex (PPI).
Japan: BIP.

Donnerstag.

Japan: Verbrauchervertrauen. Eurozone: BIP, HVPI.
USA: Verbraucherpreisindex (CPI), Empire-State-Umfrage, Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion, NAHB-Umfrage, Philadelphia-Fed-Umfrage.

Freitag.

Japan: Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion (endgültig).
Eurozone: Handelsbilanz.
USA: Baugenehmigungen, Baubeginne.

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