Gold stieg diese Woche per saldo leicht, während Silber seinen Aufstieg aus einem tiefen Tal fortsetzte. Im frühen europäischen Handel heute (Freitag) notierte Gold bei 1.199 US-Dollar, 7 US-Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Silber blieb auf Wochensicht unverändert bei 14,50 US-Dollar, doch wie in unserer Titelgrafik zu erkennen ist, ist die relative Entwicklung von Silber seit den Tiefständen von Mitte September ermutigend.


Bei den Papierwährungen wird es heißer. Die Renditen von US-Staatsanleihen schießen durch die Decke, wie diese äußerst bärische Grafik der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen zeigt.

Dies ist ein Renditeausbruch nach oben, von dem Anleihebären nur träumen können, und er deutet darauf hin, dass noch ein viel weiterer, möglicherweise recht rascher Anstieg bevorsteht. Das ist von Bedeutung, weil sämtliche Schulden der Welt in Bezug auf diesen Markt bewertet werden. Mit anderen Worten: Die nächste Kreditkrise wird mit höheren Anleiherenditen und fallenden Vermögenspreisen einhergehen und scheint früher einzutreten als allgemein erwartet.
Die Stärke der US-Wirtschaft sollte angesichts der Höhe der US-Haushaltsdefizite und des ungünstigen Zeitpunkts des Trump-Konjunkturpakets nicht überraschen. Es besteht kaum Zweifel, dass Händler steigende US-Anleiherenditen als Gegenwind für Gold und Silber betrachten. Das erklärt, weshalb die Preise trotz der beispiellos überverkauften Lage gedämpft bleiben. Es ist jedoch erwähnenswert, dass solche Bedingungen in Zeiten steigender Preisinflation für Gold äußerst günstig sein können. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen stieg von unter 5 % im Jahr 1967 auf über 13 % im Jahr 1981. In dieser Zeit stieg Gold von 35 US-Dollar auf ein Hoch von 850 US-Dollar, eine Vervierundzwanzigfachung.
Die Stärke des Dollars und die Aussicht auf höhere Renditen von Schatzwechseln setzen den Euro und den Yen unter Druck, denn der Carry Trade, bei dem Banken und Hedgefonds sich in diesen Währungen zu negativen Zinsen verschulden, um US-Staatspapiere zu kaufen, ist äußerst profitabel. Die Gelegenheit entsteht durch die geldpolitische Dysphasie, vor allem zwischen EZB und Fed. Sie drückt den Euro-Kurs nach unten, und da dieser rund 50 % des handelsgewichteten Dollar-Index ausmacht, treibt sie eine Dollar-Rally an, wie die nächste Grafik zeigt.

Indem sie Euro leiht (der Einmonats-Euro-LIBOR liegt bei -0,4 %) und 13-Wochen-Schatzwechsel mit einer Rendite von 2,17 % kauft, kann eine Bank das Zehnfache ihres Eigenkapitals einsetzen und eine Rendite von über 27 % erzielen. Solange die EZB dieses Problem nicht durch deutliche Zinserhöhungen angeht (wozu Herr Draghi nicht bereit ist), wird der Euro gegenüber dem Dollar weiter schwächeln. Kurz gesagt: Eine Zinskrise für den Euro wird durch Marktkräfte vorgezogen, was die Euro-Anleihemärkte und möglicherweise die Banken der Eurozone zu destabilisieren droht.
Unterdessen sind die Energiemärkte stark: Rohöl ist im letzten Monat um 12 % gestiegen, Erdgas um 17,5 %. Bei den Industriemetallen legte Kupfer um 7 % zu, Aluminium um 9 % und Zink um 17 %. Obwohl diese inflationären Preise am äußersten Ende des Preisfernrohrs liegen, besteht kein Zweifel an ihrer Richtung.
Für die Finanzmärkte scheint sich ein perfekter Sturm zusammenzubrauen. Wer bei der Finanzmeteorologie unsicher ist, sucht vielleicht am besten Schutz in den sicheren Häfen Gold und Silber.
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