Gold und Silber legten am vergangenen Freitag und im Überseehandel bis Montag (britischer Zeit) kräftig zu, bevor sie den Rest der Woche von den anfänglichen Höchstständen aus leicht nachgaben und sich oberhalb der rechnerischen Unterstützungsmarken von 1.200 $ bzw. 17 $ festigten. Zu Beginn des heutigen Tages (britische Zeit) liegt Gold in US-Dollar seit Jahresbeginn 2,2 % und Silber 10,2 % im Plus.
Nach Beobachtung der Kursentwicklung scheint weiterhin eine zugrunde liegende physische Nachfrage zu bestehen. Am Mittwoch bestätigte die russische Zentralbank, dass sie die Preise unter 1.200 $ genutzt hat, um ihren offiziellen Reserven im letzten Monat 300.000 Unzen Gold hinzuzufügen. Ebenso ist die Annahme naheliegend, dass angesichts zunehmender wirtschaftlicher und systemischer Spannungen in der Eurozone einige Zentralbanken Euro gegen Gold tauschen, um ihre Reserven neu auszurichten.
Die Fed veröffentlichte am Mittwoch das Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses vom April, das im Wesentlichen kaum mehr als eine weitere Hinhaltetaktik bei den Zinsen war: Weder wurden sie auf Juni vorgezogen noch auf das nächste Jahr verschoben. Abgesehen von geringer Volatilität bei der Veröffentlichung gab es kaum Auswirkungen auf die Edelmetallpreise.
Das nächste Diagramm zeigt den Goldpreis in den drei anderen wichtigen Währungen seit dem 31. Dezember 2014.

Beim Goldpreis war die Entwicklung in schwächeren Euro am besten, mit einem Anstieg von 11,4 % seit Jahresbeginn. Die Europäische Zentralbank kündigte an, ihre Anleihekäufe kurzfristig beschleunigen zu wollen, woraus die Devisenmärkte schlossen, dass die Wirtschaftslage in der Eurozone schwächer ist als erwartet. Angesichts der sich verschlechternden Lage in Griechenland ist eine Euroschwäche daher nicht überraschend.
Abschließend lohnt es sich, auf die Entwicklungen an der Börse von Hongkong hinzuweisen: Zunächst verlor Hanergy Thin Film am Mittwoch 47 %, womit vor der Aussetzung des Handels 18,6 Mrd. US-Dollar an Börsenwert vernichtet wurden. Gestern folgte ein ähnlicher Kurseinbruch bei Goldin Financial (dem Broker von Hanergy) und Goldin Properties, wodurch zusammen weitere 16,6 Mrd. US-Dollar vernichtet wurden.
Derartige Ereignisse sind typisch für eine spekulative Übertreibungsphase an den Märkten. Zwar scheint der Hang-Seng-Index in Hongkong im Großen und Ganzen im Einklang mit den wichtigsten Aktienmärkten gestiegen zu sein, doch andere, kleinere Märkte der Region spiegeln eine übermäßige Spekulation wider. So werden etwa an der Börse von Shenzhen Aktien im Durchschnitt mit dem 67-Fachen der Gewinne gehandelt, nachdem sie allein in dieser Woche um 12 % gestiegen sind; zudem gibt es Fälle von Neuemissionen, die sich innerhalb von weniger als einem Monat Handel mehr als verzehn- oder verzwanzigfacht haben.
Daher wächst das Risiko, dass Aktien aus Hongkong und China zu einem finanziellen Risiko für die Stabilität der Region und möglicherweise darüber hinaus werden, andere Märkte beeinträchtigen und möglicherweise die Nachfrage nach Edelmetallen negativ beeinflussen könnten.
Nächste Woche
Montag
Japan: CSPI (Preisindex für Unternehmensdienstleistungen), Monatsbericht der Bank von Japan.
Dienstag
Großbritannien: CBI-Umfrage zum Großhandel und Einzelhandel.
USA: Aufträge für langlebige Güter, FHFA-Hauspreisindex, S&P-Case-Shiller-Hauspreisindex, Verbrauchervertrauen, Verkäufe neuer Eigenheime.
Mittwoch
Japan: Umsätze großer Einzelhändler, Einzelhandelsumsatz.
Donnerstag
Großbritannien: Nationwide-Hauspreisindex, BBA-Hypothekengenehmigungen.
Eurozone: Geschäftsklimaindex, Verbrauchervertrauen, Wirtschaftsstimmung, Industriestimmung.
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Verkäufe bestehender Eigenheime mit Kaufvertrag (Pending Home Sales).
Japan: Verbraucherpreisindex, Arbeitslosigkeit, Industrieproduktion.
Freitag
Japan: Bauaufträge, Baubeginne
Eurozone: Geldmenge M3.
Großbritannien: BIP (2. Schätzung), Dienstleistungsindex.
USA: BIP (2. Schätzung), Chicagoer Einkaufsmanagerindex.
