
Während Aktien und Anleihen in dieser Woche einbrachen, legten Gold und Silber zu und machten den Großteil der Verluste vom Montag wieder wett. In Europa notierte Gold heute Morgen bei 1.850 US-Dollar, netto 20 US-Dollar niedriger, nachdem es am Dienstag bis auf 1.806 US-Dollar gefallen war. Silber lag bei 21,92 US-Dollar und damit auf Wochensicht leicht im Plus; es schnitt besser ab als Gold.
Das Gold-Silber-Verhältnis liegt wieder bei 84. Sofern die Edelmetallpreise nach dem Monatsende, das zugleich der Halbjahrespunkt ist, steigen, dürfte Silber das Metall der Wahl sein. Das Verhältnis zeigt unsere nächste Grafik.

Der Grund für den Einbruch der Finanzmärkte ist die dämmernde Erkenntnis, dass die Zinsen weiter steigen müssen, während den Volkswirtschaften eine Rezession bevorsteht. Die US-Notenbank Fed hob ihren Zielsatz für die Leitzinsen um ¾ Prozentpunkte an, was vor der Bekanntgabe am Mittwoch an die Märkte durchgesickert war. Die Bank of England erhöhte ihren Zins um ¼ Prozentpunkt, die Schweizerische Nationalbank unerwartet um ½ Prozentpunkt. Von der EZB und der Bank of Japan kamen keine unmittelbaren Erhöhungen.
Die EZB zögert schlicht, wie ein Kaninchen im Scheinwerferlicht. Sie hat eine systembedingte Abneigung gegen positive Zinsen, zum Teil weil die Verluste auf die im Eurosystem gehaltenen Anleihen zunehmen und die EZB sowie die nationalen Zentralbanken in ein negatives Eigenkapital drängen. Da die großen Banken der Eurozone extrem stark verschuldet sind, besteht zudem eine mögliche systemische Krise.
Die Bank of Japan verstärkt ihre Unterdrückung der Renditen von Staatsanleihen und nimmt lieber einen einbrechenden Yen in Kauf als eine Änderung der Geldpolitik. Wie die EZB steckt auch die Bank of Japan mit ihrem enormen Anleiheportfolio in Schwierigkeiten.
Und als wäre die Unsicherheit nicht schon groß genug, brach auch Bitcoin ein, der moderne Ausdruck der Inflationsabsicherung. Unsere nächste Grafik zeigt das Bitcoin-Gold-Verhältnis, das sich zugunsten von Gold zu lösen beginnt.

Fällt der Bitcoin-Preis unter 20.000 US-Dollar, würden langfristige Halter ihn wahrscheinlich abstoßen, enttäuscht von seiner Korrelation mit den einbrechenden Aktien, obwohl sie ihn für das Geld der Zukunft hielten.
Unterdessen ist es den Edelmetallbanken im Comex-Goldkontrakt gelungen, ihre Short-Positionen etwas weiter zurückzufahren. Dies ist unsere letzte Grafik.

Die Kategorie „Swaps“ besteht überwiegend aus den Handelsabteilungen von Edelmetallbanken. Die Brutto-Swap-Short-Position belief sich am 6. Juni (dem Stichtag des letzten Commitments-of-Traders-Berichts) auf 44,1 Mrd. US-Dollar, verteilt auf 26 Händler. Das Letzte, was diese Händler brauchen, ist eine Zunahme des systemischen Risikos, das all jene im Hinterkopf haben dürften, die die Folgen eines heftigen Bärenmarktes bei Finanzwerten zu Ende denken.
Stattdessen hoffen sie, das falsche Argument durchzusetzen, steigende Zinsen seien schlecht für den Goldpreis und es wäre ebenfalls schlecht, wenn die Inflation in einer zunehmend sicheren Rezession schließlich nachließe.
Wie die Edelmetallpreise legten auch die Rohstoffe in dieser Woche eine Pause ein. Doch angesichts einer sich zusammenbrauenden Nahrungsmittel- und Energiekrise dürften die Preise wieder steigen. Sie sollten Gold und Silber mit nach oben ziehen.
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