
Gold und Silber notierten diese Woche angesichts eines starken Dollars leicht niedriger. Die Spannungen an den Devisenmärkten sind extrem und steuern auf eine Krise zu, insbesondere beim Euro. Mehr dazu weiter unten.
Gold verlor im Morgenhandel in Europa über die Woche weitere 13 $, Silber 0,14 $. Die technischen Bären sind stark vertreten und erfinden Geschichten, die auf Grundlage der folgenden Grafik das Ende von Gold und Silber vorhersagen.

Das ist ein Fest für die Bären: ein Death Cross der beiden meistbeachteten gleitenden Durchschnitte und ein Goldpreis, der scheinbar ins Bodenlose abrutscht. Artikel, die niedrigere Preise vorhersagen, überwiegen weiterhin, doch das Tempo des Rückgangs hat sich tatsächlich verlangsamt. Dafür gibt es gute Gründe, die in der nächsten Grafik dargestellt sind.

Das Open Interest bei Gold an der Comex ist von einem Höchststand nahe 660.000 Kontrakten auf etwa 400.000 eingebrochen. Das entspricht der Vernichtung von Papiergold im Gegenwert von 800 Tonnen. Bei Silber ist es eine ähnliche Geschichte: Hier wurde der Gegenwert von 10.000 Tonnen vernichtet. Die Verlierer sind die Spekulanten, die Gewinner sind die Banken im Edelmetallhandel. Die Spekulanten können wir als flüchtige Marktteilnehmer abtun, doch es lohnt sich, die Dinge aus Sicht dieser Banken zu betrachten, um ihre Beweggründe zu verstehen.
Sie dürften in diesem Jahr unter idealen Handelsbedingungen gutes Geld verdient haben. Unsere Titelgrafik zeigt, dass 2016 von einem Bullenmarkt bei Edelmetallen geprägt war, was für einen Market Maker gute Handelsvolumen garantiert. Seit Januar ist der Nettoanstieg der Preise nach dem jüngsten Rückgang moderat ausgefallen: Gold liegt 11 % und Silber 20 % über stark überverkauften Niveaus, sodass die Nettokosten für das Halten von Short-Positionen relativ gering waren. Jetzt ist die Zeit, sich für den nächsten Zyklus nach dem Muster „waschen, spülen, wiederholen“ einzudecken. Entsprechend sind die Market Maker zu ausgeglichenen Büchern zurückgekehrt.
Die Spekulanten lassen sich stets dazu verleiten, dem Establishment leichtes Geld zu verschaffen. Eines Tages wird für die großen Banken im Edelmetallhandel alles schiefgehen, doch ihre Händler werden zynisch sagen, sie ritten auf einer etablierten Welle des Optimismus bzw. Pessimismus, die nie versagt. Und falls doch, sind ihre Banken ohnehin zu groß, um zu scheitern, und werden daher gerettet. Das stimmt.
Der erste Absatz dieses Berichts erwähnt eine drohende Währungskrise. Beim italienischen Referendum am 4. Dezember sieht es danach aus, dass es gegen die Regierung ausgehen wird. Die jüngsten Umfragen deuten darauf hin, dass die Gegner mit 7 % vor den Befürwortern liegen. Fällt der Abstand größer aus, könnte die Reaktion der Märkte für den Euro und die Staatsanleihen der Eurozone unmittelbar negativ sein. Verliert die Regierung mit etwas weniger als den bereits eingepreisten Abständen, könnte es für beide eine kurze Erholungsrally geben. Ein Sieg der Regierung, das unwahrscheinlichste Szenario, sollte gut für den Euro und die Anleihen der Eurozone sein. Er wäre auch gut für Gold, weil der handelsgewichtete Index des Dollars fallen würde, was die Stärke des Euro widerspiegelt.
Nehmen wir diesen Unsinn einmal auseinander. Wenn der Status quo in Europa durch das italienische Referendum einen unerwarteten Auftrieb erhält, wird Gold steigen. Gold sollte jedoch fallen, wenn die Risikowahrnehmung nachlässt. Das zeigt nur, wie verrückt die Märkte geworden sind.