Marktbericht: Edelmetalle leiden unter Optionsverfall

Gold und Silber haben diese Woche unter dem Einfluss des Optionsverfalls an der Comex nachgegeben. Gold fiel gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag um 19 US-Dollar und notierte heute Morgen (Freitag, 1. März) im frühen europäischen Handel bei 1.308 US-Dollar; Silber verlor 40 Cent und notierte bei 15,52 US-Dollar.

Verfall 1

Der offensichtlichste Kurstreiber für Gold und Silber war diese Woche der Verfall der März-Optionsserie an der Comex. Marktteilnehmer, die als Market-Maker normalerweise Netto-Verkäufer von Optionen sind, haben ein Interesse an niedrigen Kursen zum Verfallstermin, damit Call-Optionen verfallen. Daher wäre nach dem Verfall mit steigenden Kursen zu rechnen.

Das könnte kommende Woche durchaus eintreten, da dieser Verkaufsdruck nun entfällt. Allerdings sind die Handelsvolumina generell gering, sodass keineswegs sicher ist, dass Käufer von Futures in ausreichender Zahl vorhanden sind, um die Kurse nach oben zu treiben. Sicherlich besteht der Verdacht, dass Gold die Marke von 1.300 US-Dollar erneut testen dürfte, sodass Händler möglicherweise eine abwartende Haltung einnehmen.

Zudem werden kurzfristig orientierte Händler andere Faktoren beobachten, etwa die Entwicklung des US-Dollars. Hier sehen wir, dass der handelsgewichtete Index im Wochenverlauf leicht nachgegeben hat, was Gegenstand unserer nächsten Grafik ist.

Verfall 2

Nach dem Ausbruch nach unten aus einer schwachen Topbildung erholte sich der handelsgewichtete Index (TWI) bis zum Test der früheren Trendlinie (der untere gestrichelte Verlauf), die er nicht überwinden konnte. Dies deutet auf weitere Schwäche hin; fällt der Index unter 95, bestätigt dies einen deutlicheren Rücksetzer. Das hat offensichtlich erhebliche Auswirkungen auf den Goldpreis.

Die herkömmliche Meinung betont weiterhin die Vorzüge des US-Dollars als sicherer Hafen, nun vor dem Hintergrund einer sich abschwächenden Weltwirtschaft. Diese Argumentation wird durch die Fakten nicht gestützt. Die kürzlich veröffentlichten TIC-Daten des US-Finanzministeriums für Dezember zeigen mit -91,4 Mrd. US-Dollar den größten Netto-Abfluss von Dollar seit sehr langer Zeit. Offensichtlich teilen ausländische Anleger den Konsens der Investmentwelt nicht.

Vorläufige Zahlen zu den ausländischen Portfoliobeständen an US-Wertpapieren zum 30. Juni 2018 wurden gestern veröffentlicht. Sie weisen einen Anstieg um eine Billion Dollar auf 19,434 Billionen US-Dollar aus. Das ist ein Rekordwert, und das in einer Zeit schrumpfenden Welthandels. Es wäre eine große Überraschung, wenn ausländische Anleger ihr Dollar-Engagement nicht verringern würden, denn es handelt sich um ein Ungleichgewicht, dessen Größe handelsbedingt nicht mehr zu rechtfertigen ist.

Es wird voraussichtlich noch mehrere Monate dauern, bis die Folgen für den Welthandel und damit für den Dollar selbst absehbar sind. Die TWI-Grafik oben legt nahe, dass negative Kapitalströme, die zu weiterer Dollar-Schwäche führen werden, zunehmend zu einem Faktor werden.

Vor diesem Hintergrund dürfte die aktuelle Konsolidierung von Gold bei 1.300 US-Dollar nur von kurzer Dauer sein, bevor Gold nach oben läuft und die etablierten Höchststände der letzten Jahre bei 1.350 bis 1.360 US-Dollar testet.

Die Zentralbanken kaufen weiterhin physisches Gold. Bemerkenswert ist, dass Rumänien derzeit rund 60 Tonnen bei der Bank of England gelagertes Gold zurückholt. Dies mag durch die Weigerung der Bank of England veranlasst worden sein, das Gold Venezuelas auszuhändigen. Wir sollten jedoch auch beachten, dass mittel- und osteuropäische Staaten ihre Goldpolitik angesichts der aggressiven Aufstockung der russischen Reserven generell überprüfen.

 

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