Die Edelmetallpreise stiegen von den Tiefständen des vergangenen Freitags kräftig an, wobei sich Silber besonders gut entwickelte.
Silber liegt nun 3 % im Plus seit Jahresbeginn, während Gold noch ein Stück aufholen muss. Diese Entwicklung hat einige Marktteilnehmer überrascht, die von der chinesischen Feiertagswoche (die gestern, am Donnerstag, endete) einen Nachfrageeinbruch erwartet hatten. Zudem notierte Gold in Indien mit einem Abschlag, was einige Marktbeobachter zu dem Schluss führte, der indische Markt sei gesättigt. Es scheint jedoch, dass in Indien die Shradh-Zeit begonnen hat, ein zweiwöchiger Zeitraum, der als ungünstig für den Kauf von Gold, Immobilien oder anderen größeren Anschaffungen gilt. Der Rückgang der chinesischen und indischen Nachfrage ist daher ein vorübergehendes Marktphänomen, das vorbeigehen sollte.
Gold, in den Währungen der wichtigsten asiatischen Goldzentren bewertet, wird an den westlichen Märkten selten betrachtet. Die folgende Grafik, die Gold in indischen Rupien, türkischen Lira, chinesischen Yuan und saudischen Riyal indexiert darstellt, behebt dieses Versäumnis und zeigt Gold aus asiatischer Perspektive. Sie beginnt in der Woche, in der der Dollarpreis von Gold im September 2011 seinen Höchststand erreichte.

Inder zahlen heute 13 % weniger, Chinesen und Saudis nahezu 40 % weniger, während die Türken, deren Währung sich in den vergangenen zwei Jahren schwach entwickelt hat, einen Goldpreis sehen, der um 3 % gestiegen ist. Es ist daher kaum verwunderlich, dass die physische Nachfrage bei diesen Preisen anhält. Am Rande ist interessant zu beobachten, wie sich der Riyal im Gleichschritt mit dem Yuan bewegt, was darauf hindeutet, dass Saudi-Arabien mit einem Petro-Yuan anstelle von Petro-Dollars besser gestellt wäre.
Im Handel dieser Woche folgten die Preise für Gold und Silber unterdessen dem bekannten Muster eines scharfen Anstiegs am späten Freitag; anstatt jedoch im Verlauf dieser Woche nachzugeben, behauptete sich Gold mehr oder weniger. Silber war volatiler: Es stieg vom Tagestief des vergangenen Freitags um 12 % auf 16,13 $ am Dienstag und Mittwoch, bevor es gestern bei 15,70 $ schloss. Beide Metalle notierten heute Morgen im frühen europäischen Handel höher, Gold bei 1.147 $ und Silber bei 15,90 $.
Die spekulativen Short-Positionen an der Comex haben sich angesichts der festeren Tendenz seit August erwartungsgemäß etwas verringert. Die nächsten beiden Grafiken zeigen die Short-Positionen der Kategorie Managed Money (Hedgefonds) an der Comex für Gold bzw. Silber.


Die Short-Positionen haben sich innerhalb eines Monats ungefähr halbiert, sind im Vergleich zu den historischen Durchschnittswerten aber weiterhin hoch. Zwar steht noch weitere Glattstellung von Short-Positionen bevor, doch muss sich der Terminmarkt künftig auf echte Käufe stützen, wenn die Preise weiter steigen sollen. Dazu bräuchte es wohl einen überzeugenden Ausbruch über den technischen Widerstand bei 1.160 $ für Gold sowie das Halten der Unterstützung bei 15,60 $ für Silber.
An diesem Wochenende halten der IWF und die Weltbank ihre Jahrestagungen in Lima ab. Dies könnte das letzte derartige Treffen sein, bevor die BRICS-Bank, die von den großen Schwellenländern gegründet wurde, das Gegenstück zu den Sonderziehungsrechten (SZR) des IWF bekannt gibt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie sich von den SZR dadurch unterscheidet, dass Gold einbezogen wird. Sollte dies zu einem allgemeineren Gesprächsthema werden, dürfte sich dies positiv auf die Gold- und Silberpreise auswirken.
Nächste Woche
Montag
USA: Feiertag (Columbus Day).
Dienstag
Japan: Verbrauchervertrauen.
Großbritannien: Einzelhandelspreisindex, Verbraucherpreisindex.
USA: Haushaltsdefizit.
Mittwoch
Japan: Kapazitätsauslastung.
Großbritannien: Arbeitslosenquote, Durchschnittsverdienste.
Eurozone: Industrieproduktion, ZEW-Konjunkturerwartungen.
USA: MBA-Hypothekenanträge, Erzeugerpreise, Einzelhandelsumsätze, Lagerbestände der Unternehmen.
Donnerstag
Japan: Tankan-Index, Industrieproduktion.
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Inflationsrate, Erzeugerpreise.
Freitag
Eurozone: Handelsbilanz, Inflationsrate.
USA: Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion, Produktion des verarbeitenden Gewerbes, NAHB-Immobilienmarktindex, Kapitalflüsse.
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