Marktbericht: Druck auf die Swaps

Bild 1

Gold und Silber haben sich in einer dramatischen Woche kaum verändert. Im europäischen Handel am heutigen Morgen lag Gold mit 1.690 US-Dollar um 5 US-Dollar niedriger, Silber mit 15,12 US-Dollar um 28 Cent niedriger als beim Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Bei der Wertentwicklung von Gold und Silber seit Jahresbeginn besteht weiterhin eine große Lücke: Gold liegt per saldo 12 % im Plus, Silber 16 % im Minus.

Diese Lücke sagt alles: Das Problem ist Gold. Die Handelsabteilungen der Edelmetallbanken sind netto short und können ihre Positionen nicht schließen. Der letzte Commitments-of-Traders-Bericht (7. April) wies für Swap-Händler (auch Händler der Edelmetallbanken genannt) eine Netto-Short-Position von 165.678 Kontrakten aus, wie in unserer nächsten Grafik dargestellt.

Screenshot 2020 04 17 um 11.31.16

Wir erwarten mit großem Interesse die Aktualisierung heute Abend, doch es erscheint unwahrscheinlich, dass sich die Netto-Short-Positionen auf unter 100.000 Kontrakte verringert haben. Das wäre historisch hoch, mit nur zwei Ausnahmen: im Juli 2016, als Gold aus einer extrem überverkauften Lage um 330 US-Dollar stieg, und im Zuge des dramatischen Anstiegs, der im Oktober 2018 begann und bis heute anhält. Als Nächstes wollen wir klären, ob es sich um ein weit verbreitetes Problem handelt oder ob es sich auf wenige Edelmetallbanken konzentriert. Hier stellen wir fest, dass die vier größten Händler netto 176.658 Kontrakte short waren und die nächsten vier netto 64.327. Das deutet darauf hin, dass ein oder mehrere große Händler sich gründlich verspekuliert haben, anstatt dass sich die Short-Positionen gleichmäßig auf alle Handelsabteilungen verteilen.

Trifft dies zu, so sind die außergewöhnlichen Schwankungen der vergangenen Wochen, in denen der Goldpreis von 1.703 auf 1.451 US-Dollar fiel, bevor er auf 1.748 US-Dollar stieg, Ausdruck des Scheiterns einer koordinierten Aktion zur Rettung einer oder mehrerer für die Goldderivatemärkte systemrelevanter Banken. Ungewöhnliche Aufschläge des aktiven Comex-Kontrakts gegenüber dem Londoner Spotpreis bestätigen den Ernst der Lage. Unsere nächste Grafik zeigt das Open Interest an der Comex und den Goldpreis; ihre Divergenz zeigt dasselbe Bild.


Screenshot 2020 04 17 um 11.32.25

Normalerweise bewegen sich Open Interest und Goldpreis in dieselbe Richtung. Seit Januar jedoch, als das Open Interest seinen Höchststand erreichte und dann auf das heutige Niveau einbrach, ist der Goldpreis gestiegen, zeitweise um fast 200 US-Dollar beim Juni-Kontrakt. Die Heftigkeit des Bear Squeeze für Marktmacher und Edelmetallbanken ist wahrhaft gewaltig.

Der aktive Juni-Kontrakt an der Comex notierte die ganze Woche mit einem erheblichen Aufschlag auf den Londoner Spotpreis, wenngleich dieser heute Morgen von mehr als 40 US-Dollar auf etwa 15 US-Dollar zurückging. Wir müssen jedoch abwarten, ob sich diese Entspannung in New York fortsetzt. Und ein zweiter Versuch der Edelmetallbanken, ihre Bücher durch Preisdrückerei auszugleichen, ist nicht auszuschließen.

Allgemein erkennen die Behörden überall inzwischen an, dass der durch den Lockdown verursachte wirtschaftliche Schaden erheblich gravierender ist als frühere Schätzungen, und da den Unternehmen rasch das Geld ausgeht, ist es zwingend, die Lockdowns zu beenden. Leider hat niemand eine umsetzbare Idee, wie dieses Ziel zu erreichen ist, und insbesondere Präsident Trump drängt in seinem Wahljahr auf eine baldige Rückkehr zur Normalität.

Der unbegrenzte Inflationismus ist durch die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität vorübergehend aus den Schlagzeilen verdrängt worden. Das erscheint unwahrscheinlich.


 



Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors bzw. der Autoren und geben nicht die Ansichten von Goldmoney wieder, sofern dies nicht ausdrücklich angegeben ist. Der Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt weder seitens Goldmoney noch seitens des Autors bzw. der Autoren eine Rechts-, Finanz-, Steuer-, Anlage- oder Buchhaltungsberatung dar. Sie sollten sich nicht auf Informationen in diesem Artikel stützen oder auf deren Grundlage handeln, ohne zuvor unabhängigen fachlichen Rat einzuholen. Es wurde Sorgfalt darauf verwendet, dass die Informationen in diesem Artikel verlässlich sind; Goldmoney übernimmt jedoch keine Gewähr dafür, dass sie richtig, vollständig und aktuell sind und/oder als Hinweis auf zukünftige Ergebnisse verstanden werden können, und sie sollten nicht als solcher herangezogen werden. Goldmoney haftet nicht für Ansprüche, Verluste, Schäden oder Unannehmlichkeiten, die sich aus Informationen oder Meinungen in diesem Artikel ergeben. Jede Handlung auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Meinungen und Informationen erfolgt auf Ihr eigenes Risiko.

Zurück zu den Goldmoney Analysen