
Es war eine turbulente Woche für Goldanleger mit steigenden Kurserwartungen: Die Preise rutschten unter die Marke von 1.200 US-Dollar, an der man eine gewisse Unterstützung hätte erwarten können, und fanden erst im späten asiatischen Handel gestern Abend bei 1.175 US-Dollar einen Boden.
Im frühen europäischen Handel scheint Gold eine gewisse Unterstützung gefunden zu haben und erholte sich auf 1.190 US-Dollar. Auf diesem Niveau liegt Gold im laufenden Jahr nur noch 12 % im Plus, und der Dow Jones hat es inzwischen übertroffen. Zudem dürfte die nächste Grafik technische Analysten nicht erfreuen: Sie zeigt, wie die gleitenden Durchschnitte von Gold ein „Death Cross“ bilden.
Wie zu erwarten war, ist die Stimmung für Gold sehr negativ geworden. Der Rest dieses Marktberichts betrachtet die beteiligten Faktoren und nicht kurzfristige Handelsaspekte.
Als Erstes ist der Einbruch des Open Interest an der Comex zu nennen.
Die Lage erinnert an einen früheren Vorfall im April 2013, als die Edelmetallbanken nach dem Bail-in der zyprischen Banken versuchten, ihre Bücher auszugleichen. Damals wuchs die Sorge, dass auch andere Länder der Eurozone ihre Banken per Bail-in beteiligen müssten. Dies führte dazu, dass Einlagen aus den Banken, die als am stärksten gefährdet galten, in deutsche Banken und in geringerem Maße in Banken in Luxemburg abflossen. Diese Bewegungen spiegelten sich in wachsenden Target-2-Salden wider und waren somit öffentlich bekannt. Weniger bekannt war die Flucht in physisches Gold, die rückgängig gemacht werden musste, um eine sich anbahnende Krise an den Edelmetallmärkten zu vermeiden.
Die Edelmetallbanken ließen Spekulanten und Anleger wissen, dass ein starker Kursrückgang bevorstehe. Das machte optimistische Händler nervös und leicht panisch. Entweder die Edelmetallbanken oder mit ihnen abgestimmt handelnde Hedgefonds warfen dann riesige Mengen an Terminkontrakten an der Comex auf den Markt und lösten damit eine Lawine von Verkäufen nervöser Optimisten aus. Den Edelmetallbanken gelang es, ihre Short-Positionen gewinnbringend zu schließen, und für sie war die Gefahr abgewendet.
Drei Jahre später bauten sich die Short-Positionen der Edelmetallbanken ab Anfang 2016 erneut auf. Zudem gab es eine Belebung der physischen Nachfrage, die sich in den ETF-Beständen und in privaten Käufen von Edelmetall in Europa zeigte und zu einer Wiederholung der Spannungen nach Zypern führte. Das Open Interest an der Comex erreichte neue Rekorde, wobei die Edelmetallbanken short waren und ihre Positionen nicht schließen konnten. Der Brexit verschärfte die Lage, dann kam Donald Trump.
Unter dem Deckmantel der Marktverunsicherung über die Aussichten nach dem unerwarteten Wahlergebnis ist es den Edelmetallbanken gelungen, die meisten ihrer Short-Positionen zu schließen. Die von Analysten vertretene grundlegende Erklärung lautet: Trump ist gut für risikoreiche Anlagen, daher fließt Geld aus Anleihen und Gold in Aktien und den Dollar. Ein Anstieg des Dollar-Index gegenüber anderen Währungen ist offensichtlich negativ für Gold, zumal der Anstieg des Dollars unaufhaltsam erscheint.
Dies ist im Wesentlichen ein kurzfristiges Argument, denn Trumps Pläne für Infrastrukturausgaben und Steuersenkungen sind inflationär. Und Inflation bedeutet einen Verlust an Kaufkraft für Papierwährungen, was letztlich positiv für Gold ist.
Wir können mit Zuversicht sagen, dass ein Großteil des Rückgangs des Goldpreises von Edelmetallbanken getrieben wurde, die ihre Bücher ausgleichen wollten. Ebenso lässt sich vermuten, dass technische Analysten einheitlich pessimistisch wurden, nachdem der Goldpreis unter die gleitenden 55-Tage- und 200-Tage-Durchschnitte gedrückt worden war, was weitere Verkäufe auslöste. Daraus folgt, dass die Edelmetallbanken, sobald sie Long-Positionen halten, darauf vorbereitet sein werden, dass der Markt steigt, wenn sich die Inflation entwickelt.
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