
Es handelt sich schlicht um eine Panik in den Dollar hinein und hat wenig mit Gold zu tun. Hinter der Panik steht die wachsende Überzeugung, ausgelöst durch die Befürchtung, dass die geringfügige Anhebung der Fed Funds Rate und der Abbau der Fed-Bilanz die Welt mit der Geldpolitik in eine Schuldenkrise treiben. Vor diesem Hintergrund wird angenommen, dass es zu einem panikartigen Kauf von Dollar kommen wird, um auf Dollar lautende Schulden zu tilgen.
Als wäre das nicht genug, macht Präsident Trump den Dollar zur Waffe, indem er jenen, die sich ihm in den Weg stellen, mit Handelszöllen droht. Die Liste wird länger: die EU, Russland, China, der Iran, Kanada und nun die Türkei. Es überrascht nicht, dass Währungen destabilisiert werden. Diese Woche traf es die türkische Lira, wodurch eine Reihe weiterer, ohnehin von Natur aus schwacher Währungen in den Blick gerückt ist, darunter der Rand und die Rupie.
Es ist kaum übertrieben zu sagen, dass es Amerika gegen den Rest der Welt heißt. Die Kommentierung und die spekulativen Geldströme sind auf die USA ausgerichtet, daher ist es verständlich, dass darauf gewettet wird, dass eine schuldengetriebene Rezession zu einer ausländischen Nachfrage nach Dollar führen wird. Die Analyse ist jedoch fehlerhaft, denn laut der New Yorker Fed selbst halten Ausländer über Korrespondenzbanken bereits Dollar-Guthaben von mehr als 4 Billionen $, und die Portfolioinvestitionen in US-Wertpapiere wurden zuletzt mit 18,4 Billionen $ ausgewiesen. Mit anderen Worten: Ausländer haben bereits einen Dollar-Betrag investiert, der das US-BIP übersteigt.
Weit davon entfernt, Dollar-Schuldner zu sein, sind sie in Wirklichkeit Dollar-Gläubiger.
Das Währungsmanagement in den Schwellenländern lässt zwar viel zu wünschen übrig, und einige Länder wie die Türkei sind auf nationaler Ebene Dollar-Schuldner, doch die Dollar-Nachfrage scheint im Kern spekulativ zu sein. Das geschieht häufig an großen Wendepunkten, getrieben von verstärkter Angst und Gier. Während der Lehman-Krise etwa fiel Gold von 915 $ auf 725 $, bevor es sich mehr als verdoppelte. Diesmal ist die Dynamik eine andere, die Emotionen sind jedoch dieselben: Gold zu jedem Preis verkaufen, um den sicheren Dollar zu kaufen.
Es lässt sich unmöglich sagen, wann und auf welchem Niveau der Dollar seinen Höhepunkt erreichen wird, doch da Ausländer ihn bereits besitzen, dürfte die Wende rasch erfolgen, sobald die Panik abklingt. Es zeichnen sich zwei mögliche Enden dieser Panik ab. Erstens erkennen die Chinesen, dass Präsident Trump vor den Zwischenwahlen im November den amerikanischen Wählern ein positives Ergebnis vorweisen muss, und es kostet sie nichts, ein gesichtswahrendes Handelsabkommen zusammenzuzimmern. Zweitens könnten die Rezessionsängste und ein starker Dollar die Fed dazu bewegen, Zinserhöhungen zu verschieben und einen weicheren geldpolitischen Kurs einzuschlagen.
Edelmetalle werden dann, wie alles andere, was nicht der Dollar ist, wieder anziehen. Die Edelmetallbanken sind an der Comex derzeit sehr stark in Gold-Kontrakten long positioniert und haben ein berechtigtes Interesse daran, die Short-Positionen der Hedgefonds kräftig unter Druck zu setzen. Das ist die Realität, nicht die Emotion.
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