Letzte Woche wurde bekannt, dass von den rund 43 Tonnen pro Jahr, die die Bundesbank von der New Yorker Fed zurückerwartet, im Jahr 2013 nur 5 Tonnen eingetroffen sind. Von den 373,7 Tonnen, die bei der Banque de France lagern, wurden zudem nur 32 Tonnen geliefert. Das ist kaum mehr als eine Morgenlieferung auf dem Londoner Markt, sodass die logistischen Ausflüchte der Bundesbank nur schwer zu glauben sind.
Die brennende Frage lautet, warum es so schwierig ist, das eigene Gold zurückzubekommen. Die logischste Antwort ist, dass das Gold der Bundesbank längst fort ist, doch ohne handfeste Belege kann dies nur eine Vermutung bleiben. Man hätte erwarten können, dass die New Yorker Fed zumindest annähernd 40 Tonnen geliefert hätte, und sei es nur, um die Gerüchteküche zum Schweigen zu bringen.
Ohne Klarheit über den Status des deutschen Goldes bei der New Yorker Fed besteht möglicherweise das Risiko, dass andere Zentralbanken, die die Lagerstätten der Fed oder sogar der Bank of England nutzen, vorsorglich beschließen könnten, Gold am Markt zu kaufen. Sollte das geschehen, wobei es noch zu früh ist, dies für eine reale Möglichkeit zu halten, könnten die Edelmetallpreise angesichts des knappen physischen Angebots deutlich höher steigen.
Jedenfalls tendierte der Goldpreis nach einem schleppenden Wochenauftakt zunächst zurück und fand Unterstützung an der 50-Tage-Linie, bevor er gestern vor dem Londoner Vormittags-Fixing deutlich anzog. Bald kursierte via Reuters die Meldung, Sonia Gandhi habe die indische Regierung gebeten, die Beschränkungen für Goldimporte zu lockern. Zweifellos hat dies mit den Wahlen in der Jahresmitte zu tun, und falls ja, besteht die Aussicht, dass die Regierung die Importbeschränkungen lockert, um die Wähler zu besänftigen.
Diese Meldungen haben zweifellos zu einer positiveren Stimmung bei Gold beigetragen, das die Begrenzung durch die 50-Tage-Linie offenbar überwindet, wie die nachstehende Grafik zeigt.

Die 50-Tage-Linie verliert an Abwärtsdynamik, was darauf hindeutet, dass der Goldpreis vor einer Wende stehen könnte. Die Bedeutung dieser Linie liegt darin, dass kurzfristig orientierte Händler sie häufig zur Wahl des Handelszeitpunkts nutzen. Gelingt es dem Gold also, das offenkundige Angebot oberhalb der Marke von 1.260 US-Dollar überzeugend zu durchbrechen, ist zu erwarten, dass diese Händler ihre Short-Positionen schließen und Long-Positionen eingehen. Die Grafik für Silber sehen Sie unten.

Wie Gold zeigt auch Silber ähnliche Anzeichen einer Bodenbildung, da es versucht, sich aus dem Bereich von 20 bis 21 US-Dollar und von der 50-Tage-Linie zu lösen.
Nächste Woche
Hier ist der Kalender für die nächste Woche:
Montag.
Großbritannien: Nationwide-Hauspreise.
USA: Verkäufe neuer Häuser
Dienstag.
Großbritannien: BIP (erste Schätzung), Dienstleistungsindex.
USA: Auftragseingang langlebiger Güter, S&P-Case-Shiller-Hauspreisindex, Verbrauchervertrauen, FOMC-Sitzung (zwei Tage)
Mittwoch.
Eurozone: Geldmenge M3.
USA: Leitzins (Federal Funds Rate).
Japan: Einzelhandelsumsätze.
Donnerstag.
Großbritannien: Hypothekengenehmigungen, Geldmenge M4.
Eurozone: Geschäftsklimaindex, Verbrauchervertrauen, Industrievertrauen.
USA: Kern-PCE-Preisindex, BIP, Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.
Japan: Verbraucherpreisindex, reale Haushaltsausgaben, Arbeitslosigkeit, Industrieproduktion.
Freitag.
Japan: Bauaufträge, Wohnungsbaubeginne.
Eurozone: HVPI (Schnellschätzung), Arbeitslosigkeit.
USA: Persönliche Einkommen, persönliche Ausgaben, Chicagoer Einkaufsmanagerindex.