Vor dem gestrigen (Donnerstag) Anstieg der Edelmetallpreise befanden sich die Edelmetalle in dieser Woche nach den jüngsten Kursgewinnen im Korrekturmodus. Am Montag gab es zwei auffällige große Verkäufe von Gold-Kontrakten: schätzungsweise rund 5.000 Kontrakte zur europäischen Eröffnung und 15.000 zur US-Eröffnung. Die beiden Verkäufe zusammen drückten Gold um mehr als 30 US-Dollar nach unten, und am Dienstag drückte ein weiterer Verkauf von 15.000 Kontrakten den Preis auf ein Tief von 1.293 US-Dollar, was einem Gesamtrückgang von 45 US-Dollar entspricht.
Diese negative Entwicklung fiel zeitlich mit einer neuen Bankenkrise in Portugal zusammen, in der die Banco Espírito Santo in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Für viele Goldhändler legte dies nahe, dass es sich bei diesen großen Verkäufen um Preisinterventionen handelte, um das Vertrauen in das Finanzsystem zu stützen. Damit dies zutrifft, hätte sich das Open Interest an der Comex ausweiten müssen, was neue Short-Positionen widergespiegelt hätte. Wie die nachstehende Grafik deutlich zeigt, kann dies nicht der Fall gewesen sein.

Da das Open Interest zurückgeht, kann die einzige Schlussfolgerung lauten, dass es sich bei diesen großen Verkäufen um Gewinnmitnahmen von Spekulanten handelte. Dies ist ein äußerst wichtiges Signal, denn die Verkäufe belegen, dass große spekulative Gelder nun bei Preisrückgängen Goldpositionen aufbauen, statt bei Preisanstiegen auf fallende Goldpreise zu setzen. Es kann kaum Zweifel daran geben, dass die Verkäufe so durchgeführt wurden, dass sie den Preis nach unten drückten; was wir jedoch nicht sahen, war der behutsame Aufbau von Long-Kontrakten, der ihnen vorausgegangen war. Und warum sollten diese Spekulanten den Preis nach unten drücken? Um erneut Long-Positionen aufzubauen.
Es scheint sich nicht um eine Edelmetallbank gehandelt zu haben, denn Edelmetallbanken haben in den vergangenen Wochen Short-Positionen aufgebaut: Das wissen wir aus den Commitment-of-Traders-Berichten. Wahrscheinlicher handelte es sich um einen verwalteten Fonds, was sich meiner Erwartung nach heute Abend britischer Zeit anhand der Commitment-of-Traders-Zahlen bestätigen wird. Sobald die Belege vorliegen, werde ich sie auf @goldmoneynews twittern. Trifft dies zu, ist damit zu rechnen, dass immer mehr Spekulanten und Hedgefonds akzeptieren, dass der Trend endgültig nach oben gedreht hat, sodass wir die „Mauer der Sorgen“ erklimmen können, die für die Anfangsphase eines soliden Aufwärtstrends typisch ist.
Der sich entwickelnde Aufwärtstrend scheint sich zu einem Squeeze für die Edelmetallbanken selbst zu entwickeln. Die Nicht-US-Banken waren laut dem jüngsten Bank Participation Report netto mit 62.099 Kontrakten short, verglichen mit einem Rekordwert von 78.564 im Oktober 2012. Damals kamen sie mit ihrem Short-Engagement davon, doch die Bedingungen sind heute ganz andere, und sie könnten gezwungen sein, ihre Positionen einzudecken.
Heute Morgen zeigen sich die ersten Kursbewegungen bei Gold und Silber zur europäischen Eröffnung schwächer, während sich die meisten anderen Märkte stabilisiert haben. Wenn meine Analyse zutrifft, ist im Tagesverlauf mit stabilen Preisen zu rechnen, wobei Käufer den Rücksetzer zum Einstieg nutzen dürften.
Eine wichtige Kennzahl, die es zu beobachten gilt, ist der USD/JPY-Kurs: Ein Rückgang unter ¥101 würde Carry Trades unter Druck setzen.
Nächste Woche
Montag.
Keine wesentlichen Ankündigungen geplant.
Dienstag.
Japan: All-Industry-Activity-Index, Frühindikator.
Großbritannien: Öffentliche Kreditaufnahme.
USA: Verbraucherpreisindex, Einzelhandelsumsatz, Verkäufe bestehender Häuser.
Mittwoch.
Großbritannien: BBA-Hypothekengenehmigungen, CBI-Umfrage zum Großhandel und Einzelhandel.
Eurozone: Verbrauchervertrauen (Schnellschätzung).
Japan: Zollabgefertigter Handel.
Donnerstag.
Eurozone: Composite-Einkaufsmanagerindex (Schnellschätzung).
Großbritannien: Einzelhandelsumsatz.
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (Schnellschätzung), Verkäufe neuer Häuser.
Japan: Verbraucherpreisindex.
Freitag.
Eurozone: Geldmenge M3.
Großbritannien: BIP (3. Schätzung), Dienstleistungsindex.
USA: Auftragseingang langlebiger Güter.