
Bei sinkenden Handelsvolumina bewegten sich Gold und Silber in dieser Woche in den letzten Junitagen seitwärts. Heute Morgen im europäischen Handel lag Gold bei 1.783 US-Dollar, 3 US-Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber bei 26,11 US-Dollar, zehn Cent höher. Mit dem Verfall der Juli-Optionen auf Gold an der Comex, der Bewertung zum Halbjahresende (Mark-to-Market) und der Einführung der Basel-3-Kennziffer für die stabile Refinanzierung (Net Stable Funding Ratio) für europäische und amerikanische Banken gab es viel zu verarbeiten, was zur Anlegerzurückhaltung beigetragen hat.
Diese Einflüsse sind nun eingepreist. Die größten Unbekannten sind die langfristigen Auswirkungen auf die Marktliquidität, sofern die Händler der Edelmetallbanken ihre Positionen verringern oder auflösen, sowie der Zeitraum, den sie dafür benötigen. Die Kategorie „Swaps“ an der Comex ist weiterhin short. Ihre Position, per 15. Juni netto short mit 167.085 Kontrakten, zeigt unsere nächste Grafik.

Zur Kategorie „Swaps“ zählen Händler von Edelmetallbanken, die auch in London Positionen halten. Doch seit einiger Zeit ist die physische Liquidität, die traditionell an der Comex abgesichert wird, begrenzt. Daher dürfte die Absicherung von Londoner Termingeschäften wahrscheinlich unter 50.000 Comex-Kontrakten liegen. Damit verbleiben rund 120.000 Short-Positionen, die in einem ohnehin illiquiden Markt glattgestellt werden müssten; entsprechende Versuche sind offenkundig gescheitert.
Es gibt zwei Möglichkeiten, die den Swaps zu Hilfe kommen und ihnen die Schließung ihrer Short-Positionen ermöglichen könnten. Die erste ist eine baldige Anhebung der US-Zinsen, die zunehmend wahrscheinlicher wird, da sich die Preisinflation als „hartnäckig“ erweist. Allerdings gibt es Probleme mit dieser Theorie. Die Fed wird sich eher gegen eine Zinserhöhung sträuben, bis sie dazu gezwungen ist. In diesem Fall dürfte der Goldpreis vor einer Zinserhöhung steigen, und selbst dann, wenn die Anhebung der Federal-Funds-Rate die Erwartung weiterer Erhöhungen nicht aus dem Markt nimmt, wird Gold noch höher steigen.
Ein weiteres Problem bei steigenden Zinsen ist die Unkenntnis der Anleger über den Zusammenhang zwischen höheren Zinsen und dem Goldpreis. Hedgefonds könnten eine kurzfristige Wette auf den Dollar eingehen, dessen handelsgewichteter Index bereits zu steigen begonnen hat, indem sie dazu Gold-Futures leerverkaufen.
Die zweite Möglichkeit ist, dass steigende Zinsen, zu denen die Fed durch einen schwächeren Dollar gezwungen wird, die Aktien- und Anleihemärkte untergraben. Aktien befinden sich in einer Blase, wie unsere nächste Grafik der gehebelten Long-Positionen deutlich zeigt.

Bei 861 Mrd. US-Dollar dürfte die Auflösung dieser extremen Zuversicht eine breite Liquidationswelle auslösen. Die Geschichte zeigt, dass Gold bei einem solchen Ereignis zunächst im Zuge des Wettlaufs um Liquidität verkauft oder abgewertet wird. Während und nach der Lehman-Krise fiel Gold zunächst um 34 %, bevor es sich auf 1.920 US-Dollar nahezu verdreifachte.
Es ist unmöglich zu beurteilen, wie wahrscheinlich diese beiden Möglichkeiten sind und in welchem Ausmaß sie den Goldpreis beeinflussen könnten. Es ist jedoch sinnvoll zu bedenken, dass die Auswirkungen auf den Goldpreis trotz des klaren Trends zur Dollar-Hyperinflation im zweiten Halbjahr 2021 zeitweise unerwartet ausfallen könnten.
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